Familie

BLW heißt Baby led weaning – Mein Baby isst selbst, von Anfang an.

Wenn wir Eltern werden, dann beginnt eine spannende Zeit. So vieles ist neu und ungewohnt. Wir alle, auch unser Baby, müssen uns in unsere neuen „Rollen“ erst einmal einfinden. Doch die ersten gut gemeinten Ratschläge lassen nicht lange auf sich warten. Tipps wie wir es anders, oder besser machen können. Mutmaßungen was passiert, wenn wir es nicht so machen wie uns angeraten wird. Und nicht zuletzt auch Fragen, die uns verunsichern.
Sind am Anfang noch alle völlig von den Socken, wenn man es ohne nennenswertes Bauchweh über die ersten drei Monate schafft, so wird einem doch ab Monat 4 schon wieder zur Einführung der Beikost geraten. Hat das Kind in Monat 6 noch keinen Löffel Brei bekommen, so wird man bald angeschaut als sei man vom Mars. Als für uns das Thema Beikost aktuell wurde, war klar, dass der Bär erst etwas zu essen bekommen soll, wenn alle Beikostreifezeichen erfüllt sind. Außerdem haben wir uns entschieden, dass eben nicht wir entscheiden wie diese Beikost Einführung abläuft, sondern er selbst. Baby led weaning, dass ist die Baby gesteuerte Beikost Einführung,

Beikost Einführung

 

6 Monate voll stillen (PRE- Nahrung geben)

Wenn unser Baby auf die Welt kommt, dann hat es bisher außer Fruchtwasser noch nie etwas in seinem kleinen Magen gehabt, Wie Verdauung funktioniert und sich anfühlt weis es noch nicht, Der Darm des Babys muss sich in den ersten Monaten auf der Welt also erst einmal daran gewöhnen, wie diese Milch nun verdaut wird. Und unser Baby muss sich daran gewöhnen, wie sich das anfühlt. Die oft beschriebenen drei Monats Koliken sind in der Regel nichts Anderes als das. Plötzlich passiert etwas im Bauch des Babys. Der Darm arbeitet, das fühlt sich komisch und ungewohnt an. Vielleicht drückt es auch mal. Grade wenn durch zu hastiges Trinken Luft mit geschluckt wurde drückt es auch schon mal. Manche Babys haben da mehr und Andere weniger Probleme. Helfen tun oft: tragen, abhalten, Fliegergriff und Bauchmassage.

Hat sich der Darm und das Baby nun nach 3 Monaten grade an die Verdauung gewöhnt, soll man die nächste Umstellung starten? Nein. Babys und ihr Darm sind in diesem zarten Alter noch nicht bereit für Beikost. Was früher normal war, ist heute überholt. Verstopfung, Bauchschmerzen und  sehr harter Stuhl können Folgen einer zu zeitigen Beikost Gabe sein.
Die Empfehlung der WHO lautet, dass Baby 180 Tage, also etwa bis zum Beginn des 7. Lebensmonats ausschließlich gestillt werden sollten. Dies deckt ihren Nährstoff bedarf ausreichend, schützt vor Infektionen und ist gut verdaulich. Auch von anderen Getränken (abgesehen von PRE-Nahrung) ist vor der Beikost Einführung ab zu sehen. Diese könnten den Magen ohne Nährstoffe füllen, so dass das Baby nicht mehr ausreichend Muttermilch (oder Pre) trinkt und dann unterversorgt ist. Oder gar zu einer so genannten Wasservergiftung (Hyperhydradtion) führen, da sowohl Muttermilch, als auch PRE schon ausreichend Wasser für das Baby enthalten.

 

Die Beikostreifezeichen

Wann ein Kind bereit für die Beikost ist, lässt ich allerdings nicht stumpf am Alter festlegen, denn auch hier gilt: Jedes Kind entwickelt sich individuell. Der wichtigste Indikator sind also die so genannten Beikostreifezeichen. Wenn ein Baby alle diese Zeichen erfüllt, kann bedenkenlos mit der Beikost gestartet werden. Oft stellt sich die Frage aber kaum mehr, weil die Babys sich ab diesem Zeitpunkt, sofern sie die Möglichkeit haben auch selbst am Essen bedienen. Es gibt 6 Zeichen, die euch zeigen, ob euer Baby bereit für die Beikost ist. Trotzdem ist Beikost dann nur zusätzlich. Es sollte trotzdem weiterhin nach Bedarf gestillt werden, dies dient der Verdauung und Allergie Prävention.
Die Reifezeichen:

  1. Das Baby kann den Kopf alleine halten.
  2. Das Baby kann mit minimaler Unterstützung sitzen.
  3. Die Hand-Mund Koordination funktioniert – es kann sich Dinge selbst in den Mund stecken.
  4. Der Zungen-Streck Reflex ist nicht mehr vorhanden.
  5. Das Baby zeigt Interesse am Essen anderer.
  6. Es macht Kaubewegungen nach, wenn es jemanden essen sieht.

Baby led weaning

Baby led weaning – Das Kind selbst essen lassen

Ab dem Zeitpunkt der Beikostreife sind Baby auch dazu in der Lage selbstständig zu essen. Natürlich nicht mit Gable und Löffel, aber mit den Händen. Das ist bei Brei natürlich eher schwierig, also sollte Fingerfood gereicht werden. Dann sind all die Dinge, die das Kind problemlos selbst in die Hand nehmen kann. Hierzu können Nahrungsmittel natürlich auch passend geschnitten werden.
Was für uns im ersten Moment etwas befremdlich klingt, weil wir es meist nur so kennen, dass Babys eben Brei essen, ist eigentlich völlig natürlich und bringt so einige Vorteile für Kind und Eltern.

Für das Baby:
Nahrungsmittel können in ihrer Konsistenz, Farbe und dem reinen Geschmack erkundet werden. Jedes Nahrung mittel wird stück für stück erkundet. Wie es sich anfühlt und riecht, wie es sich zerdrücken lässt und schmeckt. Dinge die nicht dem Geschmack entsprechen können einfach liegen gelassen werden. Das Baby gibt sein eigenes Tempo vor und hat die Möglichkeit so lang zu erkunden, wie es das möchte. Der schützende Würgreflex bleibt länger erhalten. Die Motorik und Hand- Mund Koordination wird weiter verbessert. Durch das Einspeicheln der Nahrung werden Nährstoffe besser gelöst und schon vorverdaut. Das Sättigungsgefühl wird bei langsamen essen eher wahrgenommen, so isst das Kind nicht so sehr über den Hunger hinaus. Das wiederum wirkt Übergewicht entgegen.

Für die Eltern:
Der Aufwand extra für der Baby zu kochen entfällt. Während alle zusammen am Familientisch essen, muss niemand das Baby füttern. Kosten für Gläschen und Co werden eingespart.

Beikost mit Fingerfood
Brot und Gurke. Beides Dinge die hier vo Anfang an hoch im Kurs standen.

Was gilt es zu beachten?

Das ist die wohl meist gestellte Frage in diesem Zusammenhang. Denn wir kennen sie doch alle, die Angst etwas falsch zu machen und unserem Kind damit zu schaden. Im Grunde ist es aber gar nicht all zu viel, was beachtet werden muss. Bevor mit der Beikost begonnen wird, und an dieser Stelle ist es egal ob Brei oder Fingerfood, empfiehlt es sich immer einen Erste Hilfe Kurs für Babys und Kleinkinder zu besuchen. Mindestens aber sollte man sich informieren, was zu tun ist, wenn das Kind sich ernsthaft verschluckt, damit man ihm schnellst möglich helfen kann. Außerdem sollte das Baby immer im Sitzen essen, das minimiert die Gefahr des Verschluckens deutlich.

Gut zu wissen: Der Würgreflex sitzt bei Babys noch recht weit vorn im Mund, das ist richtig und wichtig. Daher kann es beim Essen dazu kommen, dass eurer Baby Nahrung wieder nach vorne Würgt. Das ist völlig normal und kein Grund zur Sorge. So könnt ihr sehen, dass euer Baby über ausgezeichnete Mechanismen verfügt um sich selbst zu schützen.  Das Würgen sollte nicht mit einem Verschlucken verwechselt werden!

Bitte steckt eurem Baby nicht einfach etwas in den Mund. Ihr könnt das Essen in die Hand geben, was dann damit passiert ist einzig die Entscheidung des Kindes,
Harte Dinge wie zum Beispiel: Möhre, Apfel und Pastinake sollten gekocht/gedünstet werden, bevor ihr sie dem Baby anbietet. Solche harten Dinge kann ein Baby noch nicht kauen und daher besteht die Gefahr, dass es sich verschluckt.

Kinder und vor allem Babys sollten so wenig Salz wie möglich zu sich nehmen. Da Salz z.B. in Brot eh schon enthalten ist, sollte auf das salzen von Speisen für das Kind grundsätzlich verzichtet werden. Wenn man für die ganze Familie kocht, bietet es sich an nach Ende der Garzeit etwas für das Baby zur Seite zu legen und dann erst zu würze. Oder es würzt jeder salbst am Tisch nach bedarf.

Milch und Milchprodukte  können Kindern schaden, wenn sie in zu großen Mengen verzehrt werden. Grundsätzlich ist empfohlen Milchprodukte ab Beikost start an zu bieten und so auch unter dem Schutz der Muttermilch ein zu führen. Das dient der Allergie Prävention. Ein Baby sollte allerdings nicht mehr als 200 ml Milch ( auch in verarbeiteter Form) am Tag zu sich nehmen. Hier lohnt es sich genau hin zu schauen. Denn oft wird viel mehr Milch zur Herstellung benötigt, als am Ende als verarbeitetes Produkt entsteht. So besteht eine 25 Gramm Scheibe Hartkäse schon aus 375 ml Milch und würde damit das Soll des Babys bereits überschreiten.

Honig sollte nach offizieller Empfehlung nicht an Kinder unter 1 Jahr gegeben werden. Es besteht die Gefahr ´schwer zu erkranken. Unsere Imkerin empfiehlt sogar dringend, bis 2 Jahre auf Honig zu verzichten.

Gut zu wissen: Auf den Rücken klopfen kann die Situation verschlimmern statt verbessern, davon sollte also Abstand genommen werden.

Nüsse sind aufgrund ihrer Größe und Konsistenz nichts für Babys und Kleinkinder. Etwas ab dem 4. Geburtstag können diese erst bedenkenlos gegeben werden.

Auf Rohe Fleisch, Fisch und Milchprodukte sollte unbedingt verzichtet werden.

Kleine und runde Früchte wie Kirschen, Beeren, Oliven, Trauben und Oliven müssen halbiert werden, bevor die zum Verzehr angeboten werden. Noch kleineres wie Erbsen und Mais sollte unzerdrückt erst angeboten werden, wenn das Kind den Pinzettengriff beherrscht.

 

Im Notfall

Wenn das Kind sich tatsächlich verschluckt. Es nach Luft ringt, versucht zu husten und Angst bekommt, könnt und müsst ihr schnell handeln. Nehmt das Baby aus dem Stuhl und legt es mit dem Kopf abwärts auf eure Beine. ihr haut nun 5 mal kräftig zwischen die Schulterblätter. Wenn sich nichts tut, dreht es auf euren Beinen auf den Rücken und Drückt 5 mal mit 2 Fingern auf die Brust des Babys. Parallel sollte der Notruf gewählt werden. Nach den 5 mal wird das Baby wieder umgedreht und ihr beginnt von vorn.

Gut zu wissen: Die Gefahr, dass ein Baby sich an Brei verschluckt ist deutlich höher als die, dass es sich an Fingerfood verschluckt. Während es beim selbst essen durch den Würgreflex gut geschützt ist, wird Brei mit dem Löffel direkt hinter diesen Schutzreflex gelegt.

 

Unser Fazit

Wir haben zu keinem Zeitpunkt bereut uns für Baby led weaning entschieden zu haben. Der kleine Bär hat immer mit Begeisterung das Essen entdeckt und probiert. Wir haben weiter viel gestillt. Das aber nicht schlimm, denn für uns war von vorn herein klar, dass es sich der Beikost im ersten Lebensjahr um einen ZUSATZ handelt und nicht um einen ERSATZ. Dennoch hat er schnell verstanden, dass er Hunger und Durst auch anders stillen könnte, als an der Bust. So war es kein Problem, wenn ich mal etwas länger nicht verfügbar war. Verschluckt hat er sich im Übrigen nur ein einziges Mal. Und das, als er über ein Jahr alt war. Also lange nach Beginn der Beikost. Die Gefahr war aber schnell gebannt, nach dem ich mal nach obiger Anleitung auf seinen Rücken gehauen habe.

Habt also keine Angst. Ich empfehle Baby led weaning gerne und würde es auch selbst immer wieder so machen.

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