Familie

Das Kind, von Haus aus ein Tyrann? – Über Gewalt und Macht Ausnutzung.

– Wenn mein Kind an einem Ort bleiben möchte, ich aber schon weiter möchte, es mir dann einfach schnappe und meinen Plan, meinen Willen durchsetze, dann ist das Gewalt! –

Kinder sind ebenso Persönlichkeiten mit bestimmten Wünschen, Zielen und Vorstellungen wie wir es sind. Den einzigen Nachteil, den sie uns gegenüber haben ist, dass das sie uns diese in vielen Fällen nicht – oder nicht verständlich vortragen können oder sie schlicht aus unserer erwachsenen Sicht als nicht wichtig empfunden werden. Und eben die Tatsache, dass wir in der Lage sind Macht über unsere Kinder aus zu üben.

Mein Eindruck

Unterhalte ich mich mit anderen Eltern, jungen aber auch älteren Eltern, deren Kinder inzwischen erwachsen sind, so ist noch immer die Meinung vorherrschend, dass Kinder quasi als kleine Tyrannen geboren werden, die man erst erziehen und formen muss, damit sie zu anständigen Menschen werden.
Entschuldigt wenn ich das so direkt sage, aber das ist doch Bullshit! (Ja wir haben zuhause sogar eine Schimpfwortkasse.)
Einem Kind, ist von Anbeginn mehr als deutlich bewusst, dass es von uns Eltern, von uns erwachsenen abhängig ist. Es sucht instinktiv unsere Nähe und unseren Schutz. Vertraut uns und lässt sich von uns trösten. Kinder wollen kooperieren, einzig die erwachsene Erwartungshaltung ist ein Problem!

Die Mehrzahl der Eltern erwartet, auch heute noch, dass ein Kind „ohne wenn und aber“ macht, was ihm gesagt wird. Ähnlich einem gut erzogenen Hund oder einem Roboter, der auf ein bestimmtes Verhalten programmiert wurde.
Aber wo bleibt denn da die Persönlichkeit? Die Individualität? Der Mensch?
Und JA, Kinder sind auch Menschen!
Ein Beispiel aus meinem Alltag:

Wie das bei uns ist

Der kleine Bär (1 Jahr alt und noch nicht in der Lage zu sprechen) spielt seelenruhig im Wohnzimmer. Ich gehe ins Schlafzimmer um dort Wäsche in den Schrank zu räumen. Grade als ich fertig bin und das Schlafzimmer verlasse kommt er mir mit einem Spielzeug in der Hand entgegen. Ich sage ihm, dass ich nun zurück ins Wohnzimmer gehe und bitte ihn mich zu begleiten, damit ich die Schlafzimmertür schließen kann. Ich halte ihm die Hand entgegen.
Er schaut mich kurz an, und geht unbeirrt ins Schlafzimmer.

Der geneigte Beobachter oder Leser stellt jetzt folgendes fest : das Kind hört nicht und es kooperiert auch nicht, es scheint völlig egal zu sein, was Mama grade gesagt hat.
Option 1 ist nun die zwei Schritte ins Schlafzimmer zu gehen, das Kind auf den Arm zu nehmen, raus zu tragen und die Türe zu schließen. Diese Option endet mit sehr großer Warscheinlichkeit in einem Wutanfall des Kindes. Zurecht, denn was damit gemacht wird ist Macht Ausübung. Und im Zweifel sogar Gewalt, denn das Kind wird zu etwas gezwungen. (Sicher ist ein solches Verhalten in Gefährlichen Situationen manchmal unumgänglich, sollte aber nicht die Normalität sein.) Option 2, und mein Weg ist es nun gewesen, an der Tür stehen zu bleiben und zu schauen was passiert.

Der kleine Bär öffnet die Nachtschrankschublade, legt sein Spielzeug dort rein, kommt zu mir, ergreift meine Hand und geht mit mir ins Wohnzimmer.

Er hat kooperiert, ganz von allein ohne Druck oder Zwang, nach dem er seinen Plan/ sein Vorhaben ausgeführt hat.
Man mag nun sagen „Ja da hat er ja seinen Willen bekommen“ – aber dann stelle ich die Frage, warum denn sein Willen bzw sein Vorhaben weniger wichtig ist als das meine? Warum habe ich ein Recht darauf meinen Willen zu bekommen, er aber keins darauf seinen zu bekommen? Ist es nicht viel schöner und sinnvoller, wenn wir beiden bekommen was wir möchten – so wie es letztlich ja auch bei uns geklappt hat?

Fazit- es geht ohne Gewalt, gleichwertig

Unsere Kinder sind keine Tyrannen, sie sind Menschen, Persönlichkeiten und genau so viel Wert wie wir. Und es ist an uns sie auch so zu behandeln.

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