Familie

Historie/ Geschichte- Die sich wandelnde Sicht auf Kinder

Wie im letzten Beitrag versprochen werde ich heute etwas in der Geschichte zurück reisen.

Bedürfnisorientierung als Norm

Jahrhunderte lang wurden Babys bedürfnisorientiert begleitet. Es hat nur keiner so genannt, weil es völlig normal war. Ohne das die Mütter ihr Baby stillten wenn es Hunger hatte, beruhigten sobald es weinte und bei sich trugen wann immer sie sich bewegten hätte das Leben gar nicht funktioniert. Allein liegen gelassene Babys waren größter Gefahr ausgesetzt, schreiende Kinder lockten Feinde für die ganze Gruppe an. Man lebte nicht an einem Ort sondern wanderte umher und schlug hier und dort die Zelte auf. Das Baby wurde zur eigenen Sicherheit und um nicht vergessen zu werden am Körper getragen.

Veränderungen

Erst durch die Veränderung der Gesellschaft und des Lebens veränderte sich auch das Blick auf die Kinder und Babys. Wobei die jeweilige Art zu leben und regiert zu werden großen Ausschlag gab. So wir es in großen Gemeinden, Städten und später Firmen funktionierte, so müsste es doch auch im kleinen in der Familie gehen. Plötzlich war eine neue Sicht auf Babys “modern”. Sie sollten heran gezogen werden, zu starken Menschen, zu abgehärteten Menschen die ohne sich groß eigene Gedanken zu machen der Obrigkeit beugten und taten was eben verlangt wurde. Zu viel Liebe und Nähe würde die Kinder verweichlichen. Zu viel Bedürfnisbefriedigung würde dazu führen, dass sie mit der Härte des Lebens nicht klar kommen.

Beziehung, zwischen menschliches blieb dabei auf der Strecke. Es wurden Menschen heran gezogen die unfähig waren in einer intakten Beziehung zu leben. Man blieb aus Gründen der Abhängigkeit, der Ansicht in der Gesellschaft, auch wenn das Konstrukt der Beziehung dahinter längst an mangelnder Empathie, mangelndem Verständnis und mangelnder Kompromiss Bereitschaft zerbrochen war.

Keiner erinnert sich …

Und das fiese an dieser Geschichte? Auf Grund unserer verkümmerten Instinktes den ich im letzten Beitrag erwähnte. Aufgrund der Tatsache das wir, zu Gunsten der Flexibilität durchs vorleben lernen reichte eine, maximal zwei Generationen die uns dieses neue Bild, den neuen Umgang mit Kinder vorlebten und der Ursprung, das was eigentlich normal war, geriet in Vergessenheit.

Bei allen außer eben bei den Babys die nicht wissen, das sich plötzlich das Weltbild verändert, die Sicht auf Babys verändert und andere Dinge modern sind. Sie bleiben weiter einfach Babys. Angewiesen und lechzend nach Nähe, Liebe und Bedürfnisbefriedigung. Babys die nicht wissen das sie sicher sind, auch wenn sie nicht direkt an Mamas Körper sind. Die nicht wissen dass erst zwei Stunden um sind und sie wieder hungrig sind es doch aber immer nur nach 3 Stunden essen gibt. Und die in der Nacht weinen und Todesängste ausstehen und nicht wissen das Mama vor der Tür steht.

Und vielleicht weint Mama mit. Weil es ihr nahe geht, weil das weinen natürlich ans Herz geht, sie aber nicht rein geht, weil sie Angst hat es falsch zu machen. Weil sie es ja nur so gelernt hat und kennt. Angst hat dem Kind damit mehr zu schaden als zu nutzen, denn man ging ja davon aus das Babys nicht wissen was sie brauchen, sondern nur die Eltern durch das was ihnen vorgelebt und erzählt wird wissen was ein Baby benötigt und gut für es ist. Und darum vor der Tür bleibt. Bis das weinen verstummt.

Wir können diesen Mamas nicht mal einen Vorwurf machen. Denn das was uns alle eint, dass ist das wir nur das Beste für unsere Kinder wollen. Und wenn man es nicht anders kennt, vorgelebt und gesagt bekommt… dann denkt man eben, dass dieses Leben, dieser Umgang und Blick auf Kinder das Beste und einzig richtige ist.

Normales plötzlich ein Problem

Babys und ihre Bedürfnisse wurden zu einem Problem und einem Stressfaktor. Wie tief das verinnerlicht ist, sieht man noch heute. Wie oft würde ich gefragt, wie die Nächte sind, jetzt mit Baby?! Meine Antwort war (fast) immer die Gleiche:”die Nächte sind gut soweit!” Was immer bewunderte Blicke und die Frage hervorrief ob der Bär denn dann wohl durchschläft ?! – Ich war verwundert…natürlich schläft er nicht durch, natürlich stillt er in der Nacht. Und weil das eben für mich so natürlich ist und war, war es für mich nie ein Problem. Machte meine Nacht nie besonders schlecht, denn wir haben uns das Umfeld geschaffen, dass ich möglichst wenig Einbußen dadurch habe.

Mein Kind war sicher mal anstrengend, und sicher brauchte ich mal eine Pause und der Papa musste einspringen. Aber niemals waren er oder seine Bedürfnisse ein Problem. Niemals machte ich mir der Stress das er jetzt aber endlich etwas bestimmtes muss – egal ob essen, durchschlafen oder alleine liegen. Und das brachte enorme Ruhe und Gelassenheit für unseren Familienalltag.

P.S : ich habe diese Haltung nicht so sehr durch vorleben erlernt. Sondern durch belesen. Und eben das ist das Grund warum ich nichts auf das Bauchgefühl gebe. Nach meinem Bauchgefühl – ohne anderen Input. Hätte der Bär mit 6 Monaten allein und durch schlafen müssen, hätte ich ihn niemals ins Familienbett gelassen oder mit Stoff gewickelt. Hätte ich ihn mach der Uhr gestillt und mit 4 Monaten begonnen ab zu stillen. UND würde ich ihm heute wenn er mich an den Haaren oder die Katze am Schwanz zieht auf die Finger hauen. Denn dass ist es was mir mein Bauchgefühl, mein anerzogenes Verhalten sagt, wenn ich nicht weiter reflektiere!

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