Familie, Gesundheit

Sicherer Schlaf bei Babys und (Klein-)Kindern

Jedes Kind kann schlafen lernen. Das habe ich zumindest gelesen. Halte ich aber dennoch für Schwachsinn. Jedes Kind kann schlafen, ist meine Meinung. Jedes Kind ist damit ausgestattet zu schlafen um sich zu erholen. Von Geburt an. Darum braucht es kein Schlaftraining und keinen Schlafcoach, auch nicht wenn es sich als besonders nett betitelt. Wir als Eltern, als erwachsene müssen unsere Kinder nur verstehen (lernen).

Wir tragen unsere Kinder 10 Monate im Körper. Es ist eng und relativ dunkel. Sie sind umgeben von Wärme und. Geräuschen wie dem Blut, welches durch die Aorta rauscht oder unserem pochenden Herzen. Sie werden geschuckelt, getragen und sind niemals allein.
Sobald unsere Kinder aber geboren sind (übrigens als Physiologische Frühgeburten, weil wir schlicht aufgrund der Evolution nicht in der Lage sind sie länger aus zu tragen), ist man in unserer westlichen Gesellschaft der Meinung, dass es möglich sein muss, oder doch zumindest sollte, das Kind auf ein Sofa, in ein Bett oder einen Stubenwagen zu legen und es dort allein oder mit bloßer Anwesenheit, in Form von daneben stehen einschlafen zu lassen.
Das funktioniert so aber nicht, oder in den seltensten Fällen.

Kinder kommen mit einem integirerten Alarmsystem auf die Welt.

Abgesehen davon, dass die Geburt allein schon eine enorme Umstellung für ein Kind bedeutet und es schlicht in vielen Fällen Dinge benötigt, die es an das Gefühl in Mamas Bauch erinnert (Rauschen, Schuckeln, Enge, Nähe) um zufrieden zu sein, wäre es für Babys auch einfach enorm gefährlich einfach so irgendwo herum zu liegen und zu schlafen.
Gut heute in unseren eigenen 4 Wänden vielleicht nicht mehr so. Aber das wissen Babys nicht. Sie sind noch mit den gleichen Schutzmechanismen ausgestattet wie vor einigen Tausend Jahren. Damals wäre es, ihr sicherer Tod gewesen. Wilde Tiere, auskühlen, die Gefahr vergessen oder übersehen zu werden… das alles waren viel zu große Risikofaktoren. Das Baby, was merkt dass es den Kontakt zu seiner Bezugsperson verliert weint also, einfach nur zum Eigenschutz, denn nur bei ihr kann es sich in Sicherheit wissen.
Und so ist es (den meisten von) unseren Babys aufgrund dieses Sicherheitssystems gar nicht möglich so zu schlafen, wie sich das sie Gesellschaft vielleicht vorstellt. Auch der schnelle Schlafphasenwechsel findet ihr seinen Ursprung. So merkt ein Baby bei diesem sofort, wenn sich die Situation (Wärme, Nähe, Nuckeln) verändert hat und wacht auf mit dem Ziel diese Situation wieder her zu stellen. Ist dies nicht möglich, schlägt es Alarm und weint.

Dieses Gefühl wenn du fällst.
Wart ihr schon mal in einem Freefalltower, oder wurdet in Narkose gelegt?

Könnt ihr euch erinnern, an dieses Gefühl zu fallen ohne etwas dagegen tun zu können, komplett die Kontrolle ab zu geben? – Vielleicht kennt der ein oder Andere dieses Gefühl sogar selbst von seltenen Tagen beim Einschlafen, das Gefühl plötzlich durch die Matratze zu fallen.
Dieses Gefühl haben Babys und Kleinkinder beim Einschlafen. Dieses Gefühl ist der Grund, warum man oft sieht wie ihnen die Augen langsam zu fallen und sie dann plötzlich doch wieder Hellwach sind und fast panisch weinen.
Kinder brauchen Schlafbrücken.
Schlafbrücken, das sind Dinge die das Einschlafen erleichtern, die über das Gefühl des Fallens hinweg tragen. Was dem jeweiligen Kind hilft kann man testen und lässt sich recht schnell heraus finden. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Stillen/ Nuckeln, Schuckeln ,Tragen, Rückenstreicheln, Popotätscheln… und so weiter.
Wann Kinder diese Hilfen nicht mehr brauchen ist so verschieden wie das ablegen der Windel, kein Kind sollte dazu genötigt werden alleine ein zu schlafen, wenn es dazu noch nicht in der Lage ist. Das führt nur zu unnötigem Stress und im Zweifel zu einer negativen Verknüpfung mit dem Bett. Das Resultat ist dann nicht selten ein Kind, was überhaupt nicht mehr (an diesem Ort) schlafen möchte.
Meist wird die benötigte Hilfe langsam weniger. Trägt man das Baby noch in den Schlaf, reicht mit 2 Jahren dann vielleicht nur noch das Rücken streichen und mit 3 Jahren gar das Vorlesen einer Geschichte.

Schlafen ist ein Abschied.

Wir sind uns beim einschlafen einer Sache ziemlich sicher, nämlich der, dass wir am nächsten Morgen wieder aufwachen werden. Diese Sicherheit haben unsere Kinder noch nicht. Jedes einschlafen ist für sie ein kleiner Abschied. Wenn sie am Abend nicht ins Bett gehen möchten, weil sie noch zu ende spielen wollen, dann ist uns oft unverständlich, warum das nicht am nächsten Morgen möglich ist – unsere Kleinkinder wissen noch nicht um diese Möglichkeit. Natürlich wird es ihnen mit steigendem Alter immer bewusster. Auch in dem wir mit ihnen darüber reden. „Bis morgen früh“ oder ähnliches.
(Gerade deshalb sagt eurem Kind bitte niemals, dass jemand „für immer schläft“ wenn ihr vom Tod redet, dies könnte die eh schon vorhandene Angst unnötig schüren.)
Durchschlafen – ein Reifeprozess.

Durchschlafen. Das ist Schlafen, 6 Stunden am Stück zwischen 18 und 6 Uhr morgens. So die Definition. Und das schaffen alle Kinder bei entsprechender Hirnreife. Aber auch hier kann nichts erzwungen werden. Im ersten Lebensjahr enrwickelt sich das Gehirn, aber auch das Kind allgemein so rasant, dass Zwischenmahlzeiten in der Nacht normal und bei Kindern die diese einfordern auch nötig sind. Daher sollten diese in dem Alter in der Nacht niemals verwehrt werden. Aber auch ein Erwachen weil so viel verarbeitet werden muss, sie Zähne drücken und so weiter ist völlig normal.

Was hilft beim schlafen ?

Gesunde Kinder lernen alle früher oder später alleine ein- und durch zu schlafen. Ganz ohne Schlaftrainings und schreien lassen. Und so lange müssen wir Eltern uns über die kindliche Art zu schlafen informieren und dies vor allem Akzeptieren. Druck erzeugt meist nur Gegendruck.

Erleichterung verschafft häufig das Familienbett, da Kinder in der Nähe der Eltern oft besser schlafen, weil sie sich sicher und geborgen fühlen. Außerdem vereinfacht es das nächtliche Stillen und beruhigen ungemein. Erschöpft zu sein und auch mal keine Lust mehr zu haben ist dabei auch ganz normal. Nicht umsonst ist Schlafentzug eine funktionierende Foltermethode. Hierbei hilft ein funktionierende Netzwerk ungemein. Das muss nicht immer die Familie sein, Freunde oder Nachbarn mit denen man ein gutes Verhältnis hat können auch eine große Stütze sein. Sei es um sich abends mal ablösen zu lassen wenn man kurz davor ist Dummheiten zu machen (wie das Kind zu schütteln), oder sich am Tag zumindest mal eine Stunde zu ergattern um Schlaf nach zu holen.

Schlafendes Baby
Schlafender kleiner Bär.

 

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