Familie

Was nächtliches Abstillen mit Verantwortung zu tun hat und ob das Kind denn jetzt durch schläft.

Wir stillen ab. Also, zumindest nachts. Nicht weil der Bär nicht mehr will, oder weil es für mich nicht mehr schön war. Sondern weil ich hoffe, auf diese Art meinen Zyklus zurück zu bekommen, denn wir wollen ein zweites Kind. Das ist kein Geheimnis. Lange war ich nicht bereit für diesen Wunsch etwas am Stillen zu verändern. Das hieß für mich klar, dass der Wunsch noch nicht groß genug war.
Nun bin ich bereit es damit zu versuchen, dass wir in der Nacht abstillen. Nur nachts. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dafür ist der Wunsch inzwischen groß genug.

Abstillen in der Nacht
Vor etwas mehr als 1 Jahr. Ich habe immer gern gestillt und tu es noch immer.

 

Warum nachts abstillen?

Tagsüber, wenn man bei Bedarf einfach anderes Trinken oder Essen anbieten kann ist sicherlich einfacher. Ja, das mag sein. Den hormonell größeren Effekt, und das ist es ja was für mich wichtig ist, hat das nächtliche Stillen (oder eben nicht mehr Stillen). Für die Milchbildung ist das Hormon Prolaktin verantwortlich. Leider ist es gleichzeitig auch das Hormon, was den Eisprung unterdrückt. ( Daher auch der Mythos, dass Stillen verhütend wirkt.) Denn es hemmt die Ausschüttung von LH und FSH – der beiden Hormone, die den Eisprung auslösen. Die Ausschüttung von Prolaktin folgt einem Tag-Nacht Rhythmus und ist in der zweiten Nachthälfte am höchsten. Stillen regt die Milchbildung wieder an, also die Ausschüttung von Prolaktin. Wird nun also in der zweiten Nachthälfte, die ausschlaggebend für die Ausschüttung ist gestillt, so wird mehr Prolaktin ausgeschüttet.
Wer sich also schon immer gefragt hat, warum Kinder in Schubzeiten vor allem dann stillen, wenn die Eltern schlafen wollen. Hier ist die Antwort. Gleichzeitig ist es aber auch die Antwort auf die Frage, warum einige Frauen sehr schnell wieder einen Eisprung haben. Wenn sich das Kind nicht penibel daran hält, alle 3 Stunden mindestens zu stillen, auch in der zweiten Nachthälfte, so kann der Prolaktinspiegel weit genug absinken, dass ein Eisprung wieder möglich ist.
Und genau das ist meine Hoffnung. Darum stillen wir aktuell nachts ab und nicht am Tag.

 

Herangehensweise – ich trage die Verantwortung

Weit verbreitet ist es, das Kind nachts dem Papa zu überlassen, wenn man abstillt, Der Gedanke, den ich sogar nachvollziehen kann ist, dass der Bedarf gar nicht so da ist, wenn auch die Brust nicht zur Verfügung steht. Nicht selten schläft Mama also in einem anderen Raum. Oder gar das Kind wird muss aus dem Familienbett ausziehen.
Ich bin ehrlich. Von beiden Varianten halte ich nicht viel. Denn nicht alles was „funktioniert“ ist immer auch gut. Dem Kind wird in den beschriebenen Fällen nicht „nur“ das Stillen genommen, sondern auch die Mama, als erste Bezugsperson in der Nacht. Oder gar das Familienbett als sichere und bekannte Schlafstätte. Also war für uns klar, dass der Bär weiterhin bei uns im Familienbett schläft. Und auch ich vorerst erste Ansprechpartnerin in der Nacht für ihn bliebe. Es ist meine Aufgabe für ihn da zu sein und ihn durch die Wut und Trauer zu begleiten, die er aufgrund meiner Entscheidung durchlebt. Denn diese Gefühle sind wie alle Gefühle, immer, absolut gerechtfertigt und in Ordnung. Sie dürfen da sein. Und ich trage die Verantwortung für meine Entscheidung. Denn so fair sollte man sein. Der Bär wäre niemals auf die Idee gekommen, jetzt nachts nicht mehr stillen zu wollen. Ich halte im Übrigen auch nichts davon, dem Kind zu sagen, dass die Milch leer wäre. Damit wird das Kind angelogen und die Verantwortung für die eigene Entscheidung, nicht mehr stillen zu wollen, wird abgegeben. Denn die Milch ist ja leer.

Kurz um, wenn ich als Mutter die Entscheidungen treffe, dass ich nicht mehr stillen möchte, dann muss ich auch in allen Bereichen die Verantwortung dafür tragen.

 

Dr. Gordon als Inspiration

Das Prinzip des Abstillens nach Dr. Gordon ist mir schon begegnet, lange bevor Abstillen für uns zur Thematik wurde. Dennoch hatte ich mir eine Aussage gemerkt.

Wenn wir ihnen für einige Nächte ein bisschen weniger anbieten und dann für die nächsten Nächte wieder ein bisschen weniger und dann noch ein bisschen weniger und in den letzten Nächten gar nichts mehr, dann wird ihnen auf freundliche und einfühlsame Weise klargemacht, dass es sich nicht mehr lohnt, an die Tür zu klopfen, weil das Restaurant nun nachts geschlossen ist – um bei diesem Bild zu bleiben.

Und daran habe ich mich orientiert. Mir war bewusst, dass es für uns auch nicht praktikabel wäre, von heute auf morgen die Brust im Bett nicht mehr an zu bieten. Also haben wir es Schritt für Schritt gemacht. Den ersten Schritt haben wir, damals noch unbewusst schon im Oktober getan, als wir das Einschlafstillen verabschiedet haben.
Dr. Gordon hat ein Programm über 10 Tage in denen das nächtliche Stillen immer mehr reduziert wird, bis hin zum nicht mehr stillen in der Nacht etabliert. Und das ist auch schon der Punkt an dem sich unsere Wege trennen, denn wir haben deutlich mehr Zeit eingeplant. Wir haben die Stillpause im Wochen Takt gesteigert. Und zwar immer um 2 Stunden. Hierbei haben wir meist die ersten 3 Tage benötigt, um das ganze soweit zu etablieren, dass es akzeptiert wurde. Das heißt, dass der Bär sich recht schnell anderweitig trösten ließ. Und weitere 4 Tage um diese Pause nun als Normalität zu integrieren.
Würde ich behaupten, dass das Ganze ohne Tränen und Frust funktioniert hat, dann würde ich lügen. Der erste Tag einer neuen Etappe war immer der Schlimmste. Logisch, denn er beinhaltete immer wieder das „anfragen“ und neuer Dings abgewehrt werden.

 

Visuelle Hilfe

Aber ich habe mir Hilfe geholt um meinem Kind verständlich zu machen, wann Zeit zum stillen ist, und wann „die Milch pause“ hat wie ich sage. Hier für habe ich ein Nachtlicht genutzt. „So lange das Nachtlicht brennt, hat die Milch Pause“. Das war für den Bären eine Verständliche, greifbare  und vor Allem selbst überprüfbare Aussage. Und so blieb das Nachtlicht einfach Woche für Woche 2 Stunden länger an. Und sobald der Bär erwacht ist, habe ich ihn an mich gekuschelt, ihm das Nachtlicht gezeigt und gesagt: „schau, das Licht ist noch an, die Milch hat noch Pause“. Diese Vorgehensweise hat tatsächlich dazu geführt, das wir nie in der Situation waren, dass Unverständnis aufkam. Von Tag 1 an war für uns beide klar, das wir nicht stillen, wenn das Licht an ist. Zwar hat der kleine Bär immer mal wieder versucht das zu diskutieren. Aber ich glaube, dass es viel ausmacht, wenn das Kind versteht warum grade nicht gestillt wird. Auch wenn die Begründung so banal ist, wie ein brennendes Licht.

In der letzten Etappe haben wir die Aussage verändert. Denn so sehr wie dem Zwerg das Licht hilft, so sehr stört es mich beim schlafen. Also hieß es ab da: „im bett stillen wir nicht mehr“. Und auch das wurde recht problemlos akzeptiert.

 

Die Durchschlaflüge

Wenn du abstillst, dann schläft dein Kind auch durch.

Solche Aussagen locken, in der Hoffnung auf ruhigere Nächte abzustillen. Meine Erfahrung ist, dass es nicht zwingend einen Zusammenhang gibt. Jedes Kind ist anders und ihr solltet euch, wenn ihr diese Hoffnung hegt ernsthaft fragen, ob das bei eurem Kind wohl Erfolgsaussichten hat.

Bei uns hat sich ausschließlich die Zeit am Abend verbessert. Sonst bin ich bis 23 Uhr bis zu 3 mal im Schlafzimmer gewesen. Jetzt gar nicht mehr. Nachts wacht er derweil genau so oft auf wie vorher. Nur das ich nicht mehr einfach nur im Halbschlaf stille sondern ziemlich wach werde. Außerdem wird hier nachts, auch mit 1,5 noch Milch getrunken. Nicht viel, nur etwa 60-80 ml , diese sind aber nicht weg zu denken. Wasser stattdessen wird mir frustriert aus der Hand geschlagen.

 

Ich hoffe nun, dass das nächtliche Abstillen bald gewünschte Erfolge zeigt und bin sehr froh, dass das ganze bei uns so gut funktioniert hat. Außerdem denke ich, dass wir haben mit unserem 5 Wochen Plan eine sehr sanfte Methode gefunden, das hat mir auch die verhältnismäßig gute Reaktion des Bären bestätigt. Ich würde es, wenn ich müsste, immer wieder so machen.

Nachts abstillen

Familie

Einschlafstillen Ade! – Unser erster Teil Abstillen

Da ist er nun also. Der erste kleine Abschied in unserer Stillbeziehung und entgegen meiner Vermutung, dass mein Sohn den ersten Schritt machen wird, war es nun doch ich, die die Initiative ergreifen musste. Einschlafstillen ade – scheiden tut (immer etwas) weh.

Soeben ist mein Schatz zum ersten Mal in meinem Arm einschlafen, nur mit Rücken streicheln. Ohne Tränen war er innerhalb von 15 Minuten im Land der Träume. Dazu warum es so gekommen ist, und wie wir diesen Weg gegangen sind möchte ich euch jetzt ein bisschen erzählen.

Die Frage nach dem Warum?

Etwa seitdem der kleine Bär elf Monate alt ist (vielleicht auch schon zehn Monate alt ist), ist das Einschlafstillen von Woche zu Woche anstrengender und schwieriger geworden. Anstatt sich wie sonst einfach zu mir zu legen, zu stillen und dabei ins Land der Träume abzudriften wurde geklettert, die Seite gewechselt und in allen möglichen Positionen gestellt. Er hat an meiner Brust einfach nicht mehr zur Ruhe gefunden. Diese Tatsache war ne lange Zeit gar nicht so bewusst, erst jetzt mit 15 Monaten, als ich selbst so am Ende meiner Nerven war, wenn ich ihn abends in den Schlaf begleitet habe wurde mir klar, dass es sich für ihn enorm anstrengend sein muss. Denn immer wenn mein Mann ihn ins Bett gebracht hat, schlief er binnen weniger Minuten.

Es musste also eine Lösung her, für mich und meine Nerven. Weil ich nach einer Stunde Seiten wechseln, Brustwarzen Zwiebeln und Windel Po im Gesicht haben wirklich derartig am Limit war, dass ich Sinn lose und gemeine Dinge gesagt habe wie „wenn du jetzt nicht schläfst, dann musst du alleine schlafen“ oder auch einfach geweint habe. Und auch für den kleinen Bären, weil dieser völlig müde war, so müde, dass er umkippte sobald er sich im Bett kurz aufsetzte, aber einfach nicht in den Schlaf fand. ( Letzteres erklärt auch, warum wieder aufstehen keine Option war.)

Und die Frage nach dem Wie?

Genau heute vor einer Woche habe ich mich mit einer Freundin unterhalten, die mir dann berichtete, dass sie mit Ihrem großen Sohn auch an diesem Punkt war und daraufhin das Einschlafstillen weg gelassen hat, was Wunder wirkte. Ehrlich gesagt hatte ich bis zu dem Punkt gar nicht wirklich daran gedacht, dass das eine Option ist. Habe es aber von jetzt auf gleich umgesetzt. Unser „Leidensdruck“ war so hoch, dass ich bereit war, die Trauer und auch Wut, die dieses Unterfangen mit sich bringen würde aus zu halten und auf zu fangen. Allerdings hängen wir beide sehr am Stillen, also habe ich es so abgewandelt, dass wir beim Buch lesen im Bett noch stillen und ich dann die Brust einpacke und das Licht ausschalte. An dem Punkt wird dann nicht mehr gestillt. Das habe ich ihm auch direkt am ersten Abend so erklärt. Denn ich denke, dass auch ein Kind mit 15 Monaten schon sehr viel verstehen kann und das Wissen um die Abläufe eine enorme Hilfe ist.

Schon am ersten Abend, heute vor einer Woche, hat sich dann die Einschlafdauer halbiert. Der Bär war nach etwa 30 Minuten eingeschlafen. Natürlich war er vorher traurig und frustriert gewesen und hat etwa 10 Minuten zum Anfang geweint. Aber ich habe ihn in meinem Arm gehalten, habe ihn getröstet und er hat sich so relativ schnell beruhigt wie ich finde. Abend für Abend hat sich so die Dauer des Weinend und die Einschlaftdauer reduziert. Na gut, das stimmt nicht ganz. Schon am dritten Abend hat der Bär nach 10-15 Minuten geschlafen. Und auch am dritten Abend betrug die Dauer des Weinens nur noch 1 maximal 2 Minuten. Am fünften Abend war der Punkt gekommen, an dem er nach dem Ausschalten des Lichts nicht mal mehr nach der Brust gefragt und auch nicht mehr geweint hat. All die Abende, lag er auf meiner Brust mit seinem Kopf und mit seinem Körper auf meinem Bauch. Ich habe ihn so im Arm gehalten, geschunkelt und den Rücken gestreichelt. Dies war seine Schlafbrücke, die ihn ins Land der Träume geführt hat.

Heute, sieben Tage nach Beginn dieser, ja Abgewöhnung das Einschlafstillens dann eine neue Änderung. Diese ging vom kleinen Bären aus. Zwar haben wir wie gewohnt gestartet und er lag auf meinem Bauch beziehungsweise auf meiner Brust, allerdings hat er sich nach etwa 5 Minuten dazu entschlossen, dass er lieber neben mir liegen möchte. Und ist dann neben mir liegend im Arm nur mit dem Streicheln des Rückens eingeschlafen.

EinschlsfstillenAde, Scheiden tut weh.

Ich sehe das ganze nun mit einem lachenden- und einem weinenden Auge. Einerseits bin ich traurig, dass das lieb gewonnene Einschlafstillen nun vorbei ist. Andererseits freut es mich, dass die Einschlafbegleitung nun um ein Vielfaches schneller und leichter geworden ist. Und auch der Bär besser in den Schlaf findet.