Familie

Was nächtliches Abstillen mit Verantwortung zu tun hat und ob das Kind denn jetzt durch schläft.

Wir stillen ab. Also, zumindest nachts. Nicht weil der Bär nicht mehr will, oder weil es für mich nicht mehr schön war. Sondern weil ich hoffe, auf diese Art meinen Zyklus zurück zu bekommen, denn wir wollen ein zweites Kind. Das ist kein Geheimnis. Lange war ich nicht bereit für diesen Wunsch etwas am Stillen zu verändern. Das hieß für mich klar, dass der Wunsch noch nicht groß genug war.
Nun bin ich bereit es damit zu versuchen, dass wir in der Nacht abstillen. Nur nachts. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dafür ist der Wunsch inzwischen groß genug.

Abstillen in der Nacht
Vor etwas mehr als 1 Jahr. Ich habe immer gern gestillt und tu es noch immer.

 

Warum nachts abstillen?

Tagsüber, wenn man bei Bedarf einfach anderes Trinken oder Essen anbieten kann ist sicherlich einfacher. Ja, das mag sein. Den hormonell größeren Effekt, und das ist es ja was für mich wichtig ist, hat das nächtliche Stillen (oder eben nicht mehr Stillen). Für die Milchbildung ist das Hormon Prolaktin verantwortlich. Leider ist es gleichzeitig auch das Hormon, was den Eisprung unterdrückt. ( Daher auch der Mythos, dass Stillen verhütend wirkt.) Denn es hemmt die Ausschüttung von LH und FSH – der beiden Hormone, die den Eisprung auslösen. Die Ausschüttung von Prolaktin folgt einem Tag-Nacht Rhythmus und ist in der zweiten Nachthälfte am höchsten. Stillen regt die Milchbildung wieder an, also die Ausschüttung von Prolaktin. Wird nun also in der zweiten Nachthälfte, die ausschlaggebend für die Ausschüttung ist gestillt, so wird mehr Prolaktin ausgeschüttet.
Wer sich also schon immer gefragt hat, warum Kinder in Schubzeiten vor allem dann stillen, wenn die Eltern schlafen wollen. Hier ist die Antwort. Gleichzeitig ist es aber auch die Antwort auf die Frage, warum einige Frauen sehr schnell wieder einen Eisprung haben. Wenn sich das Kind nicht penibel daran hält, alle 3 Stunden mindestens zu stillen, auch in der zweiten Nachthälfte, so kann der Prolaktinspiegel weit genug absinken, dass ein Eisprung wieder möglich ist.
Und genau das ist meine Hoffnung. Darum stillen wir aktuell nachts ab und nicht am Tag.

 

Herangehensweise – ich trage die Verantwortung

Weit verbreitet ist es, das Kind nachts dem Papa zu überlassen, wenn man abstillt, Der Gedanke, den ich sogar nachvollziehen kann ist, dass der Bedarf gar nicht so da ist, wenn auch die Brust nicht zur Verfügung steht. Nicht selten schläft Mama also in einem anderen Raum. Oder gar das Kind wird muss aus dem Familienbett ausziehen.
Ich bin ehrlich. Von beiden Varianten halte ich nicht viel. Denn nicht alles was „funktioniert“ ist immer auch gut. Dem Kind wird in den beschriebenen Fällen nicht „nur“ das Stillen genommen, sondern auch die Mama, als erste Bezugsperson in der Nacht. Oder gar das Familienbett als sichere und bekannte Schlafstätte. Also war für uns klar, dass der Bär weiterhin bei uns im Familienbett schläft. Und auch ich vorerst erste Ansprechpartnerin in der Nacht für ihn bliebe. Es ist meine Aufgabe für ihn da zu sein und ihn durch die Wut und Trauer zu begleiten, die er aufgrund meiner Entscheidung durchlebt. Denn diese Gefühle sind wie alle Gefühle, immer, absolut gerechtfertigt und in Ordnung. Sie dürfen da sein. Und ich trage die Verantwortung für meine Entscheidung. Denn so fair sollte man sein. Der Bär wäre niemals auf die Idee gekommen, jetzt nachts nicht mehr stillen zu wollen. Ich halte im Übrigen auch nichts davon, dem Kind zu sagen, dass die Milch leer wäre. Damit wird das Kind angelogen und die Verantwortung für die eigene Entscheidung, nicht mehr stillen zu wollen, wird abgegeben. Denn die Milch ist ja leer.

Kurz um, wenn ich als Mutter die Entscheidungen treffe, dass ich nicht mehr stillen möchte, dann muss ich auch in allen Bereichen die Verantwortung dafür tragen.

 

Dr. Gordon als Inspiration

Das Prinzip des Abstillens nach Dr. Gordon ist mir schon begegnet, lange bevor Abstillen für uns zur Thematik wurde. Dennoch hatte ich mir eine Aussage gemerkt.

Wenn wir ihnen für einige Nächte ein bisschen weniger anbieten und dann für die nächsten Nächte wieder ein bisschen weniger und dann noch ein bisschen weniger und in den letzten Nächten gar nichts mehr, dann wird ihnen auf freundliche und einfühlsame Weise klargemacht, dass es sich nicht mehr lohnt, an die Tür zu klopfen, weil das Restaurant nun nachts geschlossen ist – um bei diesem Bild zu bleiben.

Und daran habe ich mich orientiert. Mir war bewusst, dass es für uns auch nicht praktikabel wäre, von heute auf morgen die Brust im Bett nicht mehr an zu bieten. Also haben wir es Schritt für Schritt gemacht. Den ersten Schritt haben wir, damals noch unbewusst schon im Oktober getan, als wir das Einschlafstillen verabschiedet haben.
Dr. Gordon hat ein Programm über 10 Tage in denen das nächtliche Stillen immer mehr reduziert wird, bis hin zum nicht mehr stillen in der Nacht etabliert. Und das ist auch schon der Punkt an dem sich unsere Wege trennen, denn wir haben deutlich mehr Zeit eingeplant. Wir haben die Stillpause im Wochen Takt gesteigert. Und zwar immer um 2 Stunden. Hierbei haben wir meist die ersten 3 Tage benötigt, um das ganze soweit zu etablieren, dass es akzeptiert wurde. Das heißt, dass der Bär sich recht schnell anderweitig trösten ließ. Und weitere 4 Tage um diese Pause nun als Normalität zu integrieren.
Würde ich behaupten, dass das Ganze ohne Tränen und Frust funktioniert hat, dann würde ich lügen. Der erste Tag einer neuen Etappe war immer der Schlimmste. Logisch, denn er beinhaltete immer wieder das „anfragen“ und neuer Dings abgewehrt werden.

 

Visuelle Hilfe

Aber ich habe mir Hilfe geholt um meinem Kind verständlich zu machen, wann Zeit zum stillen ist, und wann „die Milch pause“ hat wie ich sage. Hier für habe ich ein Nachtlicht genutzt. „So lange das Nachtlicht brennt, hat die Milch Pause“. Das war für den Bären eine Verständliche, greifbare  und vor Allem selbst überprüfbare Aussage. Und so blieb das Nachtlicht einfach Woche für Woche 2 Stunden länger an. Und sobald der Bär erwacht ist, habe ich ihn an mich gekuschelt, ihm das Nachtlicht gezeigt und gesagt: „schau, das Licht ist noch an, die Milch hat noch Pause“. Diese Vorgehensweise hat tatsächlich dazu geführt, das wir nie in der Situation waren, dass Unverständnis aufkam. Von Tag 1 an war für uns beide klar, das wir nicht stillen, wenn das Licht an ist. Zwar hat der kleine Bär immer mal wieder versucht das zu diskutieren. Aber ich glaube, dass es viel ausmacht, wenn das Kind versteht warum grade nicht gestillt wird. Auch wenn die Begründung so banal ist, wie ein brennendes Licht.

In der letzten Etappe haben wir die Aussage verändert. Denn so sehr wie dem Zwerg das Licht hilft, so sehr stört es mich beim schlafen. Also hieß es ab da: „im bett stillen wir nicht mehr“. Und auch das wurde recht problemlos akzeptiert.

 

Die Durchschlaflüge

Wenn du abstillst, dann schläft dein Kind auch durch.

Solche Aussagen locken, in der Hoffnung auf ruhigere Nächte abzustillen. Meine Erfahrung ist, dass es nicht zwingend einen Zusammenhang gibt. Jedes Kind ist anders und ihr solltet euch, wenn ihr diese Hoffnung hegt ernsthaft fragen, ob das bei eurem Kind wohl Erfolgsaussichten hat.

Bei uns hat sich ausschließlich die Zeit am Abend verbessert. Sonst bin ich bis 23 Uhr bis zu 3 mal im Schlafzimmer gewesen. Jetzt gar nicht mehr. Nachts wacht er derweil genau so oft auf wie vorher. Nur das ich nicht mehr einfach nur im Halbschlaf stille sondern ziemlich wach werde. Außerdem wird hier nachts, auch mit 1,5 noch Milch getrunken. Nicht viel, nur etwa 60-80 ml , diese sind aber nicht weg zu denken. Wasser stattdessen wird mir frustriert aus der Hand geschlagen.

 

Ich hoffe nun, dass das nächtliche Abstillen bald gewünschte Erfolge zeigt und bin sehr froh, dass das ganze bei uns so gut funktioniert hat. Außerdem denke ich, dass wir haben mit unserem 5 Wochen Plan eine sehr sanfte Methode gefunden, das hat mir auch die verhältnismäßig gute Reaktion des Bären bestätigt. Ich würde es, wenn ich müsste, immer wieder so machen.

Nachts abstillen

Erfahrungsberichte

Ein Klaps hat noch niemandem Geschadet?-Das sehe ich anders.

Tante Vanja ist Sozialassistentin und hat ihren Bachelor in sozialer Arbeit mit dem Schwerpunkt Bildung und Erziehung gemacht. Sie berichtet im folgenden über ihre fachliche Sicht auf den berühmten “Klaps” der angeblich nicht schadet.

Aktiv gegen Gewalt an Kindern

Seit einiger Zeit ist das Thema ,, Gewalt- und gewaltfreier Erziehung“ wieder in aller Munde.
Leider erst wieder nachdem es von den Medien, Radio und TV, wieder aufgegriffen wurde.
Erst eine Mutter die ihren 9 jährigen Sohn im Internet verkauft. Dann ein Beitrag im Radio.
,, Klaps ja oder nein?“ wurde die Frage an die Menschen an den Apparaten gestellt. Und natürlich
musste es so kommen wie es kommen musste. Diese berühmten Sätze wie: ,, Ich habe auch mal eine
gefangen. Mir hat das nicht geschadet.“ oder ,, Davon wird man doch nicht gleich gestört!“ flogen
mir nur so um die Ohren. Erwachsene Menschen bagatellisieren körperliche Gewalt. Denn nichts anderes
ist es. ,, Klaps!“ egal ob leicht oder fest ausgeführt. Es wird die Hand gegen einen anderen Menschen erhoben.
Es wird zu gehauen. Das ist Gewalt. Und oft wird eben genau diese Gewalt nicht als solche gesehen.

Eine Gedankenreise.

Stellt Euch vor Ihr seid noch klein. Ihr entdeckt Eure Welt. Ihr liebt Eure Familie.
Und irgendwann passiert Euch mal ein Missgeschick. Oder Ihr hört nicht sofort auf das
was die Erwachsenen sagen. Nun kommen diese Bezugspersonen und tun Euch weh.
Manche ,, klapsen“ oder schlagen leicht/bis fest ins Gesicht. Andere versohlen den Hosenboden.
Je jünger Ihr seid, desto weniger werdet Ihr verstehen was los ist. Ihr werdet bestraft, werdet aber
nicht wissen warum. Ihr wisst nur eins: ein geliebter Mensch hat Euch weh getan. Und das bleibt in
der Kinderseele stecken.

Wer Glück hat ,, fängt“ sich danach keine mehr. Wer Pech hat, der lebt in einem Haushalt
indem körperliche Züchtigung als ,, normal“ gesehen wird. Aber warum schlagen Erwachsene
Kinder? Nun , viele Erwachsene die körperlich züchtigen sind selbst oft in der Kindheit geschlagen
oder ,, geklapst“ worden. Es gehört für sie zur Erziehung dazu. Andere wiederum wissen nicht wie sie
ihre Kinder erziehen sollen, sind überfordert, und hauen dann zu. Damit Ruhe herrscht. Und dann gibt
es noch die Sorte Mensch die keinen Grund brauchen um zu schlagen. Die keine Aggressionskontrolle haben
und sowieso auf alles losgehen was nicht gleich in Deckung gehen kann.

Natürlich gibt es so viele verschiedene Gründe warum Erwachsene schlagen/klapsen/hauen.
Aber keiner dieser Gründe rechtfertigt es einem Kind körperlich und vor allem seelisch weh zu tun.
Wir alle sollten dafür Sorgen dass das Thema ,, Klaps“ nicht nur hervorgeholt wird wenn etwas
in den Medien aufkommt. Wir sollten uns immer bewusst sein was ein Schlag zerstören kann.

Ich bitte Euch alle: die Hände sind zum drücken,streicheln, wiegen und umarmen da, nicht um einem anderen
Menschen weh zu tun!

Gegen Gewalt gegen Menschen, ob Kind oder Erwachsene!

Familie

Lob, die kleine Schwester der Strafe – Warum Kinder kein Lob brauchen.

Lob, als Mittel um das Selbstbewusstsein zu stärken. Als Wertschätzung, zum Ausdruck der Freude. Und Lob als positive Verstärkung, wenn ein erwünschtes Verhalten gezeigt wird.
Wir, oder zumindest die meisten von uns wurden bewusst oder unbewusst abhängig gemacht von Lob. Das ist der Grund warum wir noch heute danach lechtzen und uns nicht vorstellen können, wie unsere Kinder ohne leben und glücklich werden können. Genau hier sollten wir aber genauer hinschauen. in vielen Fällen ist Lob für den Ausdruck unserer Gefühle nicht nötig. Und für unsere Kinder ist es sowieso belanglos. Kinder wollen gesehen werden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und Kinder sollten sich frei entwickeln können, ohne das ihr Verhalten bewertet wird. Ohne das sie durch Lob dazu gebracht werden dinge zu tun, die „erwünscht“ sind. Denn unsere Kinder sind gut wie sie sind.

Warum ich nicht lobe
Leben ohne Lob und Strafe – Du bist gut wie du bist.

Warum Lob für uns so wichtig ist.

Die Meisten von uns wurden von klein auf gelobt. Immer wenn wir etwas getan haben, was in den Augen unserer Eltern, Großeltern oder sonstigen Bezugspersonen gut oder wünschenswert war, dann wurde gelobt. Lob ist für uns so eine Art der Wertschätzung geworden. Ein Ausdruck der Liebe. Und dies macht Lob für uns so unverzichtbar.
Werden wir nicht gelobt schwirrt da die Sorge in unserem Kopf etwas nicht gut genug (für wen denn eigentlich?) gemacht zu haben. Nicht ausreichend zu sein. Wir haben selbst verlernt, das was wir tun als wertvoll zu sehen und benötigen die Rückversicherung über Andere . Das ist der Grund, warum das Arbeitsklima deutlich schlechter ist, wenn wenig gelobt wird. Und das ist der Grund, warum wir den Gedanken nicht los lassen können, dass auch unsere Kinder diese Art Bestätigung benötigen.

 

Kinder wollen gesehen werden!

Dabei gibt es kaum etwas, was unseren Kindern, wenn sie frisch auf der Welt sind egaler ist, als die Tatsache was Andere von ihnen halten. Kinder entwickeln sich aus sich selbst heraus. Sie fangen an sich zu drehen, zu krabbeln, zu laufen, zu sprechen und auch auf die Toilette zu gehen gänzlich ohne das sie dafür eine Anerkennung erwarten würden. Sie machen das was sie machen einzig für sich. Weil sie sich entwickeln wollen, etwas erreichen wollen und uns nachahmen.

Das einzige, was wir als Eltern machen müssen, ist unseren Kindern vor zu leben, wie das Leben „funktioniert“. Das heißt nicht, dass sie sich sofort perfekt verhalten und einfügen. Es wäre vermessen das zu glauben. Und auch einfach eine viel zu hohe Erwartung an (klein-)Kinder. So wie jedes Kind laufen lernt, wenn es dazu bereit ist, wird sich auch das Verhalten unserer Kinder sich immer mehr anpassen. Stück für Stück, immer so weit, wie unser Kind dafür bereit ist.
Wenn wir unsere Kinder nicht loben und so ihr verhalten nicht durch Bewertung beeinflussen, werden sie sich zwar nach unserem Vorbild aber trotzdem frei und ihrer Persönlichkeit entsprechend entwickeln. Die Entwicklung fußt auf den Interessen und individuellen Stärken. Die Motivation kommt von innen heraus und liegt nicht darin begründet, dass eine Bestätigung von außen benötigt wird.
Kinder wollen gesehen werden. Das ist das einzige, was sie von Geburt an wollen.
Sie möchten sich sicher sein, dass wir, ihre Bezugspersonen ihnen Aufmerksamkeit schenken, sie auf ihrem Weg begleiten und für sie da sind.

 

Bedingungslose Liebe – der Schlüssel sie zu leben

Wir alle wollen unsere Kinder bedingungslos lieben. Viel mehr noch wollen wir alle sogar bedingungslos geliebt werden.
Aber was ist nun der Schlüssel? Wie können wir bedingungslose Liebe leben, so dass sie auch als solche an kommt?
– Wir verzichten auf Lob und Strafe.
Lob und Strafe, dass sind die immer wiederkehrenden Botschaften, die ausdrücken, dass die Liebe an ein bestimmtes Verhalten gekoppelt ist. Wir als Eltern wissen, dass wir unsere Kinder lieben, auch wenn sie schlechte Noten haben, oder sich im Supermarkt schreien auf den Boden werfen. Das Problem ist, dass uns dieses Wissen nichts bringt. Denn unsere Kinder wissen das nicht. Können es gar nicht wissen. Die einzige Option die Kinder haben, ist sich an Mimik, Gestik und Aussagen der Eltern zu orientieren.
Und dadurch zeigen wir ihnen mit Lob und Strafe, dass sie in manchen Situationen, für Manches Verhalten mehr geliebt werden als für anderes.
Das Resultat sind dann wir. Strebend nach dem Lob der Anderen, als Bestätigung dafür, dass wir gut (genug) sind.

Also dürfen wir nichts mehr gut finden, was unsere Kinder machen?

Doch, natürlich! Es ist einzig die Frage des Ausdrucks. Sätze wie:
„Oh, ich sehe du ….! “
“ Ich sehe, dass du das schon allein schaffst.“
“ Magst du mir das noch mal zeigen ?“
“ Du freust dich aber das du … !“
„Ich finde es schön, dass du sich so freust, dass du … !“
oder
“ Danke für … !“
Sind nur einige Beispiele, wie wir unseren Kindern wertschätzend begegnen können. Wir zeigen das wir sie sehen, aufmerksam sind sie auf ihrem Weg unterstützen.
Wenn wir dankbar für Hilfe oder Geschenke sind, dann dürfen wir, nein müssen wir, das sagen.
Nicht zu loben heißt nicht, zu ignorieren oder keinen freundlichen und liebevollen Umgang zu pflegen.
Und ja, auch die fand die Umstellung der Sprache am Anfang enorm schwer. Viele Sätze haben wir so verinnerlicht, dass sie über die Lippen kommen ohne das wir darüber nachdenken. Mir hat es enorm geholfen bewusster zu leben und zu kommunizieren. Oft beschreibe ich erst was ich sehe, bevor ich dann tiefer einsteige und mich mit meinem Kind gemeinsam freue. Einfach weil ich noch diese kurze Bedenkzeit benötige, um die richtige weitere Formulierung zu finden.

 

Aber wenn es später sowieso mit Bewertung konfrontiert wird…

…nein, auch dann ist es nicht egal. Gerade dann ist es doch die beste Basis, wenn unsere Kinder wissen, dass sie zumindest zuhause völlig ohne Wertung so angenommen werden wie  sie sind.
Nicht jeder muss meinem Kind so begegnen wie ich, wie wir zuhause es tun. Der Bär ist regelmäßig bei seinen Omas und die bekommen das mit dem Lob, allein schon mangels Routine auch nicht raus. Das ist aber in Ordnung. Es ist nicht mein Anspruch die ganze Welt so zu verändern, dass keine Stolpersteine im Weg liegen. Viel mehr ist es mein Wunsch, meinem Sohn die nötige Sicherheit mit ins Leben zu geben, mit diesen Stolpersteine umgehen zu können. Und das Wissen, dass er hier bei uns, in seinem sicheren Hafen, seinem Zuhause geliebt wird. Immer und bedingungslos.

Kinder sollen sich frei entwickeln und bedingungslos geliebt werden
Leben- aufwachsen ohne Lob und Strafe, ohne Bewertung ist noch immer ein Privileg.

 

 

Quellen / Literatur:
– Alfie Kohn – Liebe und Eigenständigkeit
– Danielle Graf – Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn

Blogs:
Mini and Me mit Wertschätzungszone

Familie, Gesundheit

Sicherer Schlaf bei Babys und (Klein-)Kindern

Jedes Kind kann schlafen lernen. Das habe ich zumindest gelesen. Halte ich aber dennoch für Schwachsinn. Jedes Kind kann schlafen, ist meine Meinung. Jedes Kind ist damit ausgestattet zu schlafen um sich zu erholen. Von Geburt an. Darum braucht es kein Schlaftraining und keinen Schlafcoach, auch nicht wenn es sich als besonders nett betitelt. Wir als Eltern, als erwachsene müssen unsere Kinder nur verstehen (lernen).

Wir tragen unsere Kinder 10 Monate im Körper. Es ist eng und relativ dunkel. Sie sind umgeben von Wärme und. Geräuschen wie dem Blut, welches durch die Aorta rauscht oder unserem pochenden Herzen. Sie werden geschuckelt, getragen und sind niemals allein.
Sobald unsere Kinder aber geboren sind (übrigens als Physiologische Frühgeburten, weil wir schlicht aufgrund der Evolution nicht in der Lage sind sie länger aus zu tragen), ist man in unserer westlichen Gesellschaft der Meinung, dass es möglich sein muss, oder doch zumindest sollte, das Kind auf ein Sofa, in ein Bett oder einen Stubenwagen zu legen und es dort allein oder mit bloßer Anwesenheit, in Form von daneben stehen einschlafen zu lassen.
Das funktioniert so aber nicht, oder in den seltensten Fällen.

Kinder kommen mit einem integirerten Alarmsystem auf die Welt.

Abgesehen davon, dass die Geburt allein schon eine enorme Umstellung für ein Kind bedeutet und es schlicht in vielen Fällen Dinge benötigt, die es an das Gefühl in Mamas Bauch erinnert (Rauschen, Schuckeln, Enge, Nähe) um zufrieden zu sein, wäre es für Babys auch einfach enorm gefährlich einfach so irgendwo herum zu liegen und zu schlafen.
Gut heute in unseren eigenen 4 Wänden vielleicht nicht mehr so. Aber das wissen Babys nicht. Sie sind noch mit den gleichen Schutzmechanismen ausgestattet wie vor einigen Tausend Jahren. Damals wäre es, ihr sicherer Tod gewesen. Wilde Tiere, auskühlen, die Gefahr vergessen oder übersehen zu werden… das alles waren viel zu große Risikofaktoren. Das Baby, was merkt dass es den Kontakt zu seiner Bezugsperson verliert weint also, einfach nur zum Eigenschutz, denn nur bei ihr kann es sich in Sicherheit wissen.
Und so ist es (den meisten von) unseren Babys aufgrund dieses Sicherheitssystems gar nicht möglich so zu schlafen, wie sich das sie Gesellschaft vielleicht vorstellt. Auch der schnelle Schlafphasenwechsel findet ihr seinen Ursprung. So merkt ein Baby bei diesem sofort, wenn sich die Situation (Wärme, Nähe, Nuckeln) verändert hat und wacht auf mit dem Ziel diese Situation wieder her zu stellen. Ist dies nicht möglich, schlägt es Alarm und weint.

Dieses Gefühl wenn du fällst.
Wart ihr schon mal in einem Freefalltower, oder wurdet in Narkose gelegt?

Könnt ihr euch erinnern, an dieses Gefühl zu fallen ohne etwas dagegen tun zu können, komplett die Kontrolle ab zu geben? – Vielleicht kennt der ein oder Andere dieses Gefühl sogar selbst von seltenen Tagen beim Einschlafen, das Gefühl plötzlich durch die Matratze zu fallen.
Dieses Gefühl haben Babys und Kleinkinder beim Einschlafen. Dieses Gefühl ist der Grund, warum man oft sieht wie ihnen die Augen langsam zu fallen und sie dann plötzlich doch wieder Hellwach sind und fast panisch weinen.
Kinder brauchen Schlafbrücken.
Schlafbrücken, das sind Dinge die das Einschlafen erleichtern, die über das Gefühl des Fallens hinweg tragen. Was dem jeweiligen Kind hilft kann man testen und lässt sich recht schnell heraus finden. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Stillen/ Nuckeln, Schuckeln ,Tragen, Rückenstreicheln, Popotätscheln… und so weiter.
Wann Kinder diese Hilfen nicht mehr brauchen ist so verschieden wie das ablegen der Windel, kein Kind sollte dazu genötigt werden alleine ein zu schlafen, wenn es dazu noch nicht in der Lage ist. Das führt nur zu unnötigem Stress und im Zweifel zu einer negativen Verknüpfung mit dem Bett. Das Resultat ist dann nicht selten ein Kind, was überhaupt nicht mehr (an diesem Ort) schlafen möchte.
Meist wird die benötigte Hilfe langsam weniger. Trägt man das Baby noch in den Schlaf, reicht mit 2 Jahren dann vielleicht nur noch das Rücken streichen und mit 3 Jahren gar das Vorlesen einer Geschichte.

Schlafen ist ein Abschied.

Wir sind uns beim einschlafen einer Sache ziemlich sicher, nämlich der, dass wir am nächsten Morgen wieder aufwachen werden. Diese Sicherheit haben unsere Kinder noch nicht. Jedes einschlafen ist für sie ein kleiner Abschied. Wenn sie am Abend nicht ins Bett gehen möchten, weil sie noch zu ende spielen wollen, dann ist uns oft unverständlich, warum das nicht am nächsten Morgen möglich ist – unsere Kleinkinder wissen noch nicht um diese Möglichkeit. Natürlich wird es ihnen mit steigendem Alter immer bewusster. Auch in dem wir mit ihnen darüber reden. „Bis morgen früh“ oder ähnliches.
(Gerade deshalb sagt eurem Kind bitte niemals, dass jemand „für immer schläft“ wenn ihr vom Tod redet, dies könnte die eh schon vorhandene Angst unnötig schüren.)
Durchschlafen – ein Reifeprozess.

Durchschlafen. Das ist Schlafen, 6 Stunden am Stück zwischen 18 und 6 Uhr morgens. So die Definition. Und das schaffen alle Kinder bei entsprechender Hirnreife. Aber auch hier kann nichts erzwungen werden. Im ersten Lebensjahr enrwickelt sich das Gehirn, aber auch das Kind allgemein so rasant, dass Zwischenmahlzeiten in der Nacht normal und bei Kindern die diese einfordern auch nötig sind. Daher sollten diese in dem Alter in der Nacht niemals verwehrt werden. Aber auch ein Erwachen weil so viel verarbeitet werden muss, sie Zähne drücken und so weiter ist völlig normal.

Was hilft beim schlafen ?

Gesunde Kinder lernen alle früher oder später alleine ein- und durch zu schlafen. Ganz ohne Schlaftrainings und schreien lassen. Und so lange müssen wir Eltern uns über die kindliche Art zu schlafen informieren und dies vor allem Akzeptieren. Druck erzeugt meist nur Gegendruck.

Erleichterung verschafft häufig das Familienbett, da Kinder in der Nähe der Eltern oft besser schlafen, weil sie sich sicher und geborgen fühlen. Außerdem vereinfacht es das nächtliche Stillen und beruhigen ungemein. Erschöpft zu sein und auch mal keine Lust mehr zu haben ist dabei auch ganz normal. Nicht umsonst ist Schlafentzug eine funktionierende Foltermethode. Hierbei hilft ein funktionierende Netzwerk ungemein. Das muss nicht immer die Familie sein, Freunde oder Nachbarn mit denen man ein gutes Verhältnis hat können auch eine große Stütze sein. Sei es um sich abends mal ablösen zu lassen wenn man kurz davor ist Dummheiten zu machen (wie das Kind zu schütteln), oder sich am Tag zumindest mal eine Stunde zu ergattern um Schlaf nach zu holen.

Schlafendes Baby
Schlafender kleiner Bär.

 

Familie

Du bist gut wie du bist – Ein Mantra

Du bist gut, ganz genau so wie du bist.
Ein Mantra, was wir uns nicht nur im Bezug auf unsere Kinder, sondern auch für uns selbst im Kopf behalten sollten. Denn wie sollen wir eine tolerante und offene Grundhaltung leben im Umgang mit Anderen, wenn wir uns selbst gegenüber nicht auch tolerant und offen sind.

Welt mit Kinderaugen sehen.
Kindheit genießen und entdecken was es zu entdecken gibt.

Anpassungsdruck

Es ist wie es ist. Die Mehrheit von uns ist unter enormem Druck aufgewachsen. Dieser Druck fußte auf der Annahme, dass Kinder wie André Stern es sagte die „null Version“ sind und erst zu etwas Gutem gemacht werden müssen. Also wurde fleißig ran gegangen Kinder in Formen zu pressen, die gesellschaftstauglich sind und sie durch Lob und Strafen zu beeinflussen und zu erziehen, bis sie das gewünschte Verhalten zeigen.
Diesen Druck haben wir verinnerlicht. Er ist ganz tief in uns drin und bring uns immer wieder dazu, dass wir uns anpassen (wollen).

Jeder ist ANders und trotzdem gut!

Die Wahrheit ist, dass auch wir gut sind wie wir sind. Auch schon gut waren, wie wir als Kind waren. Niemand muss mit den Trends gehen, weil er dann „dazu gehört“. Wir müssen uns nicht verbiegen. Viel mehr sollten wir Wert darauf legen achtsam zu sein, mit uns selbst gleichermaßen wie mit unseren Mitmenschen. Denn sich selbst zu akzeptieren wie man ist, hat nichts mit dem Motto „Ich tu das was mir gefällt schöne Grüße an den Rest der Welt!“ , zu tun.

Und auch unsere Kinder sind gut wie sie sind. Sie kommen gut und rein auf die Welt.Mit allem was sie für ein Leben benötigen sind sie in den Grundlagen schon ausgestattet.
(An dieser Stelle mag ich noch mal auf das Interview von Jeannine mit André Stern verweisen, denn da erklärt dieser die Tatsache so wunderbar: klick )

Es ist elterliche Aufgabe

Unsere Aufgabe als Eltern besteht darin, sie liebevoll ins Leben zu begleiten. Wir sollten ihnen die Leuchttürme auf ihrem eigenen Weg sein. Eine Art Wegweiser zurück in den sicheren Hafen. Wir sind dafür zuständig unsere Kinder zu schützen, wenn sie Schutz benötigen, ihnen zu Helfen, wenn sie danach fragen und für sie da zu sein.
Kinder erlernen vieles im Laufe ihrer Kindheit und Jugend. Ganz aus sich selbst heraus, denn jedes Kind hat seine Interessen in denen es sich selbst immer weiter bilden möchte. Kinder sind soziale Wesen, die ganz automatisch versuchen sich in einer Gesellschaft so zu verhalten, dass das Zusammenleben funktioniert. Es braucht keine starren Regeln, keine Strafen und auch kein Lob um sie dort hin zu bringen.
Wir müssen den Kindern nicht erst ihre Unzulänglichkeit erklären um uns über sie zu erheben und ihnen deutlich zu machen, dass unser Verhalten das vermeintlich bessere ist.
Unsere kleinen Freigeister schauen sowieso zu uns auf und uns an. Sie nehmen sich uns als Beispiel, als Vorbild. Unser Leben, unser Alltag den wir mit unseren Kindern leben wird ihnen der größte Lehrer sein.

Wenn wir für uns mitnehmen, dass wir gut sind und es schon immer waren. Dann fällt es uns leichter auch unsere Kinder so zu sehen. Gerade weil uns selbst in der Kindheit unsere Eltern ein solches Vorbild waren, fällt es und heute schwerer alte Strukturen los zu lassen bzw. zu durchbrechen. Sicherlich ist das auch ein langer Weg. Aber vielleicht hilft uns an dieser Stelle einfach das Wissen, dass wir es unseren Kindern so später einmal einfacher machen werden.