Baby-/Kleinkindtragen, Familie

Babytragen: Warum ich mein Baby getragen habe und du das auch tun solltest

Das Tragen eines Babys hat nur Vorteile für Eltern und Kind. Die Vorteile sind vielfältig und vor allem logisch. Babytragen ist nicht neu, sondern eigentlich so alt wie die Menschheit. Wie auch Affen zum Beispiel sind Menschen Babys nämlich Traglinge. Uns fehlt heute nur das Fell zum festklammern.

Das Tragen des Babys birgt Vorteile für Eltern und Kind

Aber was ist der Unterschied zwischen Nesthockern, Nestflüchtern und Traglingen?

Während Nesthocker Blind, Taub und teilweise sogar nackt auf die Welt kommen, uns einfach ohne einen Muks in ihrem Nest ausharren, bis die Eltern wieder kommen. Und Nestflüchter voll ausgestattet und fertig zum los laufen auf die Welt kommen sind Traglinge das genaue Mittelding. Wach, mit gehört und der Möglichkeit zu sehen und vor allem zu weinen kommen sie auf die Welt. Aber nicht in der Lage sich selbstständig zu bewegen. Die Mutter ist Nahrungsquelle und Sicherheit für den kleinen Tragling. Der Rundrücken und die angehockten gespreizten Beine sind physiologisch. In dieser Position kann die noch nicht ausgereifte Hüfte sich optimal entwickeln.

Während unsere Babys also schon vom Urinstinkt her auf uns und unsere Nähe angewiesen sind, auch schon aus dem Grund, dass sie aufgrund der Mütterlichen Anatomischen Voraussetzung quasi unreif geboren werden, ist unser Alltag so gar nicht tauglich, ständig ein Baby im Arm zu tragen. Wie bereits erwähnt fehlen uns inzwischen die Möglichkeiten, dass sich das Baby einfach ins Fell Krallen kann, und unsere Arme und Hände benötigen wir im Alltag einfach für andere Dinge. Egal ob es ein älteres Geschwisterkind, der Haushalt oder Essen und Trinken ist.

 

Tragetuch und Tragehilfe, unsere Retter in der Not

Sicherlich gibt es auch das ein oder andere Baby, was sich problemlos ablegen lässt. Die Mehrheit der Kinder tut dies aber, aus purem Überlebenswillen nicht. Ablegen, alleine sein bedeutet Gefahr und wird daher nicht (gern) akzeptiert. Statt Fell haben wir, uns das nicht erst seit gestern, nun die Möglichkeit uns mit Tragetüchern und Tragehilfen den Alltag zu erleichtern. In diese Hilfsmittel setzen wir nun unser Baby, und ja das ist direkt ab der Geburt möglich, haben die Hände frei und sind trotz des Tragens und der Bedürfnisserfüllung unserer Kleinen flexibel.

Der Markt ist inzwischen voll mit Möglichkeiten unsere Babys am Körper zu tragen. Zwischen elastischen und gewebten Tüchern, Mei tai, Full Buckle und co verliert man als Laie gern mal die Übersicht. Daher gibt es dankbarer weise inzwischen in Nähe zu jeder Kleinstadt Trageberaterinnen und ja, sogar einige Trageberater. Diese Menschen besitzen ein Repartoire an verschiedenen Tragen und Tragetüchern, zeigen wie das Baby ergonomisch und gesund erhaltend getragen wird und helfen euch die richtige Trage zu finden, oder das Binden eines Tragetuchs zu erlernen. Das ganze ist nicht besonders teuer, aber definitiv jeden Cent wert, denn es erspart den meisten Eltern kostenintensive Fehlkäufe.

 

Vorteile Tragens für das Baby

Das Baby ist beim Tragen nah an die Mama (oder eine andere Tragende Person) gekuschelt. Es ist recht eng eingepackt und wird so an die Enge und Sicherheit im Mutterleib erinnert. Auch die Sanften Bewegungen des Tragenden bekommt das Kind mit und fühlt sich so sicher und geborgen. Die Bewegung ist eine optimale Schlafbrücke, schon für die ganz kleinen. Außerdem sind Herzschlag und Atmung für das getragene Baby gut hörbar und erinnern an die Geräusche die es aus dem Bauch kennt.

Babys die viel getragen werden haben fast nie die Problematik eines (zu) Platten Hinterkopfes. Die Bein- und Rückenhaltung gibt Hüfte und Wirbelsäule die Zeit und Möglichkeit sich optimal zu entwickeln. Außerdem hilft die Begrenzung durch Tragehilfe und Körper dem Baby sich selbst besser zu spüren und den eigenen Körper wahrzunehmen.

Das Tragen von Babys sollte normal sein, denn es absolut physiologisch.

Vorteile des Tragens für die Eltern

Durch das Tragen und die damit verbundene Nähe zum Kind wird das Bonding optimal unterstützt. Das ist auch ein Grund, warum meiner Meinung nach viel mehr Väter tragen sollten. Während die Mütter meist im Wochenbett sehr ausgiebig mit den Babys kuscheln, bleibt dies für die Papas oft auf der Strecke. Tragen ist da eine wundervolle Möglichkeit gleichzeitig die Mama mal zu entlasten und selbst die Bindung zum Kind zu stärken.

Aber auch für Mama ist Tragen mehr als nur praktisch. So regt das Kuscheln und die enge Verbindung zum Beispiel sogar die Milchbildung an. Und auch die Rückenmuskulatur wird gestärkt und baut sich mit steigendem Gewicht des Babys immer mehr auf. Selbst dezentes Stillen, während das Kind in Tragetuch oder Tragehilfe sitzt ist kein Problem.

Wer auch immer trägt hat sein Trainingsgewicht gleich mit dabei, und so purzeln übrig gebliebene Schwangerschaftspfunde oft wie von Zauberhand. Allerdings sollten vor allem Frauen darauf achten, ab einem gewissen Gewicht lieber auf dem Rücken zu tragen. Dem Beckenboden zu liebe.

 

Babytragen im Alltag

Egal ob Geschwisterkind, Hund oder Katze, ein getragenes Baby ist vor allen Möglichen Angriffen geschützt. Grade am Anfang, wo die Babys beim Tragen noch besonders viel schlafen kommen ältere Geschwister auf ihre Kosten. Mama hat die Hände frei und von Gemeinsamem Spielen, über Spaziergänge bis zum Spielplatz Besuch oder Buch vorlesen ist quasi alles möglich.

Kochen, Putzen, mit dem Hund durch Feld oder Wald laufen, ist alles kein Problem. Sogar Strandspaziergänge sind so ohne stecken bleiben möglich. Das Baby immer ganz nah am Körper.

 

Sport mit Baby

Auch wieder aktiv werden ist mit getragenem Baby kein Problem. Von Walken über Muskelaufbau bis hin zum Tanzen mit Baby sind die Angebote vielfältig, so dass sicher für jeden was dabei ist. Oft gibt es sogar Angebote für Zwillingsmütter, das eine zweite Tragende Person (egal ob Papa, Oma oder Tante) kostenlos mit kommen darf. Und einige Krankenkassen unterstützen die Teilnahme an Kursen sogar finanziell. Nachfragen lohnt sich also.

 

Ihr seht, Babytragen ist vielfältig und birgt eine menge Vorteile für Eltern und Kind. Darum habe ich mein Baby getragen, werde auch das nächste tragen und möchte jedem nur empfehlen es auch zu probieren.

Baby-/Kleinkindtragen

Baby tragen im Sommer, gefährlich oder bedenkenlos möglich?

Ich habe einen Artikel gefunden, der bei Facebook direkt für Aufsehen sorgte (siehe Bild). Werdende und frisch gebackenen, aber auch trageerfahrene Mamas sind verunsichert, nach dem sie ihn gelesen haben – ist das Baby tragen auch im Sommer bedenkenlos möglich?

Zeitungsausschnitt Babytragen
Angst schürender Zeitungsartikel

Es ist unbedenklich!

Die Überschrift des Artikels hätte eben so lauten können „Bekommen Babys im Winter im Tragetuch keine Frostbeulen an den Beinen?“ und hätte dann genau so viel Sinn und Aussagekraft gehabt. (Alles eine Frage der richtigen Kleidung!). Schuld für einen solchen Artikel ist nämlich schlicht mangelndes Hintergrund wissen.

Schön wäre eine Überschrift gewesen wie :“Im Sommer besteht grundsätzlich ein Hitzschlagrisiko – was sie dagegen tun können“. Oder eben so in der Art. Denn auch im Kinderwagen besteht das Risiko, dass Babys einen Hitzschlag erleiden. Wenn sie zu dick angezogen sind, das Verdeck möglichst weit runter geklappt, oder die Beinabdeckung geschlossen ist zum Beispiel. Dann entsteht Stauhitze im Kinderwagen und es wird deutlich wärmer als es im Tragetuch werden könnte.

Zu beachten:

Aber auch beim Baby tragen musss natürlich auf die richtige Kleidung geachtet werden. Das Tragetuch ersetzt eine Schicht Kleidung. Das Baby darf also problemlos an warmen Tagen mit ärmellosem Body, oder ohne Body (nur mit Mulltuch, gegen Hitzepickel die gern bei schweißigem Haut auf Haut Kontakt entstehen, zwischen den Körpern) ins Tuch gewickelt werden. Nur die Beine sollten zusätzlich durch Babylegs oder eine dünne Hose (z.b Musselin) vor der Sonne geschützt werden. Wenn es besonders heiß war habe ich aber auch darauf verzichtet und nur eine Mullwindel als Sonnenschutz über die Beine gehängt.

Man sollte im Sommer einlagig wickeln – denn es ist wärmer je mehr Lagen des Tragetuchs übereinander liegen. Eine wirklich luftige Trageweise für Mutter und Kind vor dem Bauch ist das Känguru. Für hinten empfiehlt sich der Einfache Rucksack. Beides sind Trageweisen, die ab Geburt genutzt werden dürfen. Statt den Kopf des Kindes wie oben auf dem Bild mit unter das Tragetuch zu nehmen, kann man ihm eine Sonnenmütze aufsetzen. Der Kopf wird durch eine feste Kopfkante im Nacken ausreichend gestützt. Gegebenenfalls kann man ein Drittel eines Mulltuchs als Unterstützung mit in die Kopfkante einschlagen. Positiv auswirken tut sich zu dem, dass mit dem schwitzen und der eigenen Körpertemperatur auch die Temperatur des Babys reguliert wird. (Daher empfiehlt sich Tragen ja auch bei Fieber!)

Wenn ihr diese Dinge beachtet und dazu nicht Stunden lang in der prallen Sonne umher geht (auch zu eurem eigenen Wohl), steht dem Tragen eures Babys im Sommer nichts im Wege!

Happy Babywearing !

Tragebaby
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Die Sache mit dem Einschlaftragen

Es soll Kinder geben da klappt das hervorragend, dies Einschlaftragen. Kind ins Tuch, etwas wandern oder wie in meinem Fall tanzen bis es schläft und dann auf dem Sofa oder Bett ablegen und das Kind schläft weiter. Wundervoll.

Bei meinem Sohn klappt das nicht, natürlich nicht! Es soll ja auch Kinder geben die man schlafend aus dem Autositz ins Bett legen kann – klappt hier auch nicht. Wir tragen dennoch in den Schlaf. Denn Einschlafstillen ist mit zunehmend mobilem Baby zunehmend schwierig. Wenn er noch soooo viel entdecken und machen will, dann steht er kurzerhand einfach wieder auf.

Ja ich bin stolz so ein interessiertes, willensstarkes fast Kleinkind zu haben. Blöd ist nur das er meist so müde ist, dass er im stehen schon vor Erschöpfung umfällt. Ihn zwingen liegen zu bleiben geht aber auch nicht, also kommt er ins Tuch.

Da fängt die Dramatik schon an – nicht jede Bindeweise ist „ablegetauglich“ bei uns, genau genommen nur das Känguru. Als wird der 10,5 Kg Bär natürlich wie ein Mini Baby vor dem Bauch in den Schlaf getragen *uff*! Wenn er denn dann schläft, gilt es den richtigen Moment abzupassen so etwa 5 Minuten nach dem einschlafen haben sich hier als perfekt heraus kristallisiert. Und dann muss es schnell gehen- binnen 10 Sekunden muss der Knoten gelöst (hier gehen die Augen schon langsam auf und es kommen kleine quietschende Geräusche aus dem kleinen Bären), der Bär ins Bett transferiert werden und Mama mit nackter Brust neben ihm liegen.

Dann wird beim 2. oder 3. Augen Aufschlag das quietschen eingestellt und sich genüsslich wieder in den Schlaf gestillt. Ihr seht, eine Wissenschaft für sich. Aber da ist es nun mal wie so häufig, warum einfach, wenn es auch umständlich geht.

Tragebaby
Im Kindsknopf on Tour, an Schlaf ist nicht zu denken.