Erfahrungsberichte

Kopfnüsse zur Strafe und immer der Gedanke ich bin schuld.

Von Frau K

Ich hätte bis vor kurzem nicht gedacht, dass ich diese Zeilen schreibe. Ich hatte eine liebevolle, eine behütete Kindheit. Mir fehlte an nichts. Ich stellte aber auch nichts in Frage. Bis ich selbst Mutter wurde und ich anfing mich mit meinem Partner darüber auszutauschen, wie wir gemeinsam mit unseren Kindern leben möchten und wie wir ihnen begegnen möchten. Wir erzählten uns von unseren Eltern und wie sie Dinge handhabten. Da rollte sie auf, eine Welle von Erinnerungen, zum Teil wage, aber auch sehr klare Bilder entstanden in meinem Kopf. Auch ich habe sie bekommen, diese „Klapse“ von denen aktuell gerade die Rede ist.

Kopfnüsse als Strafe für Tollpatschigkeit

Bei uns hießen sie „Kopfnüsse“ und bestanden aus einem Schlag mit der flachen Hand auf den Hinterkopf. Mal mehr, mal weniger stark. Meist in Situationen, in denen mir irgendetwas ungeschicktes passiert ist. Zum Beispiel eine Tasse runter geworfen oder ein gefüllter Suppenteller umgekippt. Ich habe dunkle Erinnerungen daran, wie ich mich in solchen Momenten schon vorher weggeduckt habe, in Erwartung eben dieser „Kopfnuss“. Daraufhin blieb der erwartete Schlag dann auch oft aus, wurde nur mit der Hand angedeutet.

Narben die von der Seele bis heute getragen werden.

Aus heutiger Sicht kann ich sagen: Ja, es hat mir geschadet. Mein inneres Kind (Stefanie Stahl, Das Kind in dir muss Heimat finden) hat den Glaubenssatz: „Ich bin tollpatschig, sowas passiert immer mir“ stark verinnerlicht, ich kokettiere vor anderen sogar selbst damit. Ich arbeitete bis heute daran. Aber ich bin auf einem guten Weg. In jeder ähnlichen Situation mit meinen Kindern (und die gibt es natürlich zuhauf), werde ich erinnert und erinnere ich mich selbst an diese Situationen. Liegt das Glas am Boden, atme ich ein, bleibe ruhig, sage mir „Es ist nur ein Glas.“ Und signalisiere meinen Kindern ebendas. Das Glas ist kaputt, ich muss jetzt die Scherben beseitigen, damit wir uns nicht wehtun. Meine Kinder sollen niemals das Gefühl entwickeln, dass sie etwas nicht richtig machen, ja sogar mich enttäuschen könnten. Denn dieses Gefühl hatte ich damals. Ich bin Schuld, immer passiert mir sowas Dummes. Ich habe diese Worte selten gehört, aber sie sehr stark gefühlt. Ausgelöst auch durch die Klapse nach solchen Situationen.

Ein „Klaps“ ist niemals eine Lapalie, wird nie jemanden stärker machen. Es bleibt Gewalt und Gewalt schadet.

Trauer
Das schlechte Gefühl bleibt. Unsere Kindheit prägt uns tief.