Familie

GEBURTSBERICHT – Eine Krankenhaus Geburt mit Höhen und Tiefen

Da ich nun Hier schon beschrieben hatte, dass ich meine nächste Geburt lieber in einem Geburtshaus erleben möchte, wollte ich euch nun noch einen Einblick gewähren. In meine Geburtsreise. Die Geburt die weder besonders schlimm, noch besonders schön war. Absoluter Durchschnitt und von außen betrachtet vielleicht sogar langweilig?

Ich nehme euch mit – auf meine Geburtsreise im Sommer 2016.

Meine Schwangerschaft war alles andere als entspannt und komplikationslos. Ich habe von Hyperemesis, über retroplazentares Hämatom mit Blutungen und vorzeitigen Wehen ab der 25. Schwangerschaftswoche bis zur vorzeitigen Muttermundsöffnung um die 32. Woche alles mit genommen. Meine Hebamme sagte in der 35. Woche zu mir, dass sie anfangs gar nicht damit gerechnet hat, dass ich überhaupt so lange schwanger sein werde. Und wir haben auch ab diesem Tag quasi jeder Zeit mit dem Geburtsbeginn gerechnet.

Los ging es dann aber erst bei 38+6 ganz unverhofft mit einem Blasensprung. Ich hatte nie damit gerechnet, dass es so los gehen würde. Da ich ja immer schon Wehen hatte und eigentlich dachte, dass diese sich eines Tages einfach verstärken würden. Den ganzen Tag hatte ich schon einen starken Druck nach unten und konnte schließlich gegen Abend kaum noch die Treppe gehen. Und das obwohl wir am Abend noch mit Freunden Pizza essen und EM gucken wollten. Tja Pustekuchen. Zack, war es passiert und meine Hose nass.

Der Göttergatte schlief noch auf dem Sofa (wahrscheinlich war, dass Intuition, dass er sich vorbereiten wollte… denn die Nacht zuvor hatte er Nachtschicht gehabt und am Morgen war er trotzdem schon um 11 Uhr auf). Also habe ich die Zeit genutzt und meine Kliniktasche, die seit 10 Wochen fertig gepackt auf dem Schrank stand, noch mal aus und wieder ein zu packen und zu schauen ob wirklich nichts fehlt.Anschließend weckte ich den Mann, gab den Eltern und meiner besten Freundin bescheid, polsterte das Auto mit Handtüchern und dann ging es los. Bisher hatte ich (ausnahmsweise) keine einzige Wehe gehabt … und auch die 30 Minuten Autofahrt zum Krankenhaus blieb es ruhig.

Angekommen bekam ich dann leichte, sehr leichte Wehen. Vom CTG wurden sie nicht aufgezeichnet und der Muttermund war auch erst nach wie vor 2-3cm geöffnet. Das hatte ich bei der letzten Vorsorge durch die Hebamme schon, also nichts Neues. Ich bekam sogar schon alle Formulare, weil sofern ich innerhalb von 24 Stunden keine Wehen bekommen würde mit Cytotec eingeleitet werden sollte. (Haha die Frau mit den vorzeitigen Wehen bekommt dann keine wenn das Baby raus soll/will … das wär ja ein Witz gewesen!)Im Anschluss stand direkt noch mal ein Ultraschall an. Die Wehen wurden derweil stärker und die Ärztin bemerkte das schon beim Schallen. Sie versicherte mir, dass mein Baby sicher schon da sein würde,bevor die erste Antibiotika gabe (12std. Nach Blasensprung) nötig ist. Der kleine Bär wurde noch mal vermessen und auf 53cm und 3760gramm geschätzt

Ich durfte erst mal mein Zimmer beziehen, ein zweibett Zimmer in dem das zweite Bett leer war. So durfte auch mein Mann einfach mit im Zimmer bleiben. Ich richtete mich unter stärker werdenden Wehen ein, nebenbei lief im TV tatsächlich das EM-Spiel, ich wollte es meinem Mann nicht vorenthalten!

Zur Halbzeit waren meine Wehen so stark geworden, dass ich nicht mehr wusste welche Position ich noch einnehmen konnte oder wollte. Also gingen wir wieder in den Kreißsaal. Dort angekommen, sollte erst mal wieder CTG geschrieben werden, ich sagte direkt, dass ich mich aber nicht hinlegen werde weil ich das nicht aushalten würde. Also wurde im Stehen CTG geschrieben. Nach knapp 45 Minuten Minuten kam die Hebamme dann endlich zurück. Auf dem CTG waren die Wehen inzwischen Sichtbar. Sie tastete nach dem Muttermund- das Ergebnis war niederschmetternd. 3cm – es hatte sich quasi nichts getan, ich war frustriert. Sie fragte ob ich etwas gegen die Schmerzen brauche, das lehnte ich ab. Wir wurden wieder aufs Zimmer geschickt wo mein Mann das Spiel zu Ende an sah, meine Hand hielt und beruhigend mit mir sprach.

Als das Spiel endlich zu Ende war kapitulierte ich. Ich konnte nicht mehr. Ich wollte nun doch etwas gegen die Schmerzen – oder eine schnelle Geburt. Muttermund Befund – immer noch 3 cm, so wird das nichts , also was gegen die Schmerzen. – Bekommen hab ich ein Opiat in den Po Muskel. Und das spritzen war furchtbar schmerzhaft. Gegen den Wehen Schmerz half es auch null Komma gar nicht. Es sorgte nur dafür, das ich zwischen den Wehen ohnmachtsähnlich in den Schlaf fiel. Das war für mich uncool und für meinen Liebsten mehr als unheimlich.

So überstanden wir die nächsten 4,5 Stunden zwischen Wehen und Schlaf. Dann war meine Kraft erschöpft.  Ich war mir sicher, dass der kleine Bär doch nun langsam bereit sein müsste. Also gingen wir wieder in den Kreißsaal. 30 Minuten CTG später schwor mein Mann Stein und Bein, dass ich ihm fast den Daumen gebrochen hätte. Der Muttermund war inzwischen bei läppischen 4cm ! – 5 Stunden für einen cm ? Das war meine Info zum durch drehen. Ich verlangte einen Kaiserschnitt… – echt wie im Film. Ich war am Ende! Die Hebamme brachte stattdessen einen paracetamol Tropf. Na super – der half quasi gar nicht. Schon beim anschließen stellte ich fest, das ich eine PDA möchte. Diese würde ich bekommen sobald die Anästhesie Zeit hat sagte sie.

Um 6 (!) wurde ich in einen anderen Raum gefahren , weil laufen nicht mehr ging – zu wenig Kraft! Eine letzte Kontrolle vor der PDA – 5cm Muttermundsöffnung und Wehen weiter stark vorhanden. Kaum Wehenpausen. Auch die Herztöne waren nicht mehr die besten. Ich bekam eine Wehenhemmer, damit die PDA in Ruhe gelegt werden konnte und ich habe mich gefühlt wie im Paradies. Endlich mal eine Pause. Nach dem PDA legen ging dann alles ganz schnell. 15 Minuten lang Kontrolle der Vitalzeichen. Und dann wieder Kontrolle des Muttermunds. Vollständig , 10cm . Yeah ! Party ! Jetzt ging es ans Pressen, die Hebamme die nun die Frühschicht hatte wär super und begleitete mich toll. Ich sollte in den 4 Füßlerstand , was mir recht war denn alles war besser als hilflos auf dem Rücken zu liegen.

Meine Pressphase war lang und Mühsam. So empfand ich sie zumindest. 1 Stunde und 45 Minuten waren es etwa, die wir bräuchten, bis ich schließlich 3690gramm pures Glück auf die Brust gelegt bekam. Super hätten wir das gemacht, keine Geburtsverletzung. Alles tip top.

Nun waren wir also eine Familie.

Wir haben uns noch die Plazenta angeschaut, die Nabelschnur wurde auspulsieren lassen vor dem durchtrennen und der kleine Bär wurde direkt angelegt ! Alles wie es sein sollte.

Der einzige Wehmutstropfen ist, dass ich auf Opiat und PDA zurückgegriffen habe. Das wünsche ich mir anders beim nächsten mal. Dann vielleicht mit besserer Begleitung einer Hebamme durch die Zeit der Wehen!

Familie, Gesundheit

Blogparade #rosrev – Der Umgang mit Frauen unter der Geburt. Each woman is a rose!

Nora Imlau ruft zur Blogparade auf. Das ist schon etwas her aber jeder Beitrag dazu zählt und ist wichtig. Thema ist der Roses Revolution Day am 25. November. Ein internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen, auch unter der Geburt.

Gewalt in der Geburtshilfe, das klingt nun so hochtrabend. Der ein oder andere schüttelt vielleicht den Kopf und denkt sich etwas wie:’Gewalt ? Wie soll es denn da Gewalt geben?‘ Aber Tatsache ist, dass es diese häufig gibt. Häufiger als wir alle denken, das fällt schon auf wenn man mal schaut wie viele Briefe auf der Facebook Seite des Roses Revolution Day Deutschland schaut. Richtig prägnant ist dann aber die Zusammenfassung anschaut die sie dort veröffentlicht haben.

Gewalt in der Geburtshilfe, was ist das eigentlich?

Ob man eine schöne oder eher unschöne Geburt hatte, das ist immer subjektiv und niemand hat das Recht da anders drüber zu urteilen. Gewalt in der Geburtshilfe fängt da an, wo die Frau nicht mehr respektiert wird. Über ihre Wünsche hinweg gegangen wird, sie teilweise ohne wirklich etwas davon zu wissen Medikamente bekommt, sie in eine bestimmte Position gezwungen wird oder plötzlich jemand auf ihrem Körper herum drückt.

Gewalt in der Geburtshilfe hat so viele Gesichter und oft sind es nicht die Hebammen, sondern die äußeren Umstände die dazu führen.

Meine Erfahrung

Ich bin froh keine Art der aktiven Gewalt kennengelernt zu haben. Und das lag definitiv NICHT an dem Krankenhaus im allgemeinen. Denn ich weis das auch mein Entbindungskreissaal den ein oder anderen Brief zum Roses Revolution Day bekommen hat. Es lag wohl einzig und allein daran, dass ich ein recht gutes Team im Kreißsaal hatte … und vielleicht auch daran, dass Deutschland an dem Abend ein EM Spiel gewonnen hat und eben alle in aufgeheiterter Stimmung waren.

Das Schlimmste, was mir unter der Geburt meines Sohnes passiert ist, war das ich mit meinem Mann ziemlich allein gelassen wurde und keine Unterstützung bekam. Das wiederum kann man aber nicht mal jemandem der Belegschaft an Lasten. 2 Hebammen auf 6 belegte Kreißsäle, plus Notfälle und wehende Frauen auf Station sind halt eher mau. Schön war es natürlich trotzdem nicht und ich bin mir fast sicher, dass es nicht zu letzt daran lag, das ich am Ende doch eine PDA verlangt habe, die ich eigentlich auf keinen Fall haben wollte.

Selbst das hat mich im Nachhinein arg gewurmt und verletzt. Dabei ist es nur eine Kleinigkeit. Die Hebamme die mich in der Austreibungsphase begleitet hat war dafür aber klasse, hat mich prima unterstützt und keine Postitionen vorgeschrieben. So geht es also auch- auch im ganz normalen Krankenhaus.

Trotzdem werde ich meine nächste Geburt im Geburtshaus anstreben.

 

 

Wenn auch ihr eure Erfahrungen los werden möchtet – anonym oder sonst kein Sprachrohr habt, dann kommentiert gern unter dem Beitrag dann melde ich mich bei euch und ich veröffentliche für euch eure Beiträge zu diesem wichtigen Thema.