Familie

Geburtshausbericht – wo Baby Nummer 2 geboren wird.

Nach der Geburt des kleinen Bären war relativ schnell klar, dass ich unzufrieden war. Mit den Möglichkeiten die ich nicht hatte, mit der Betreuung und resultierend daraus auch mit den ergriffenen Maßnahmen. Recht lange war diese Unzufriedenheit recht abstrakt, denn mir war keine Alternative bewusst. Eine Hausgeburt ist mir persönlich zu unsicher, da der Weg, falls eben doch was ist recht weit ist. Seit nun etwa einem Jahr formte sich aber langsam immer mehr der Gedanke in einem Geburtshaus entbinden zu wollen und ganz wichtig, es aus eigenem Sicherheitsbedürfnis auch zu können und mich dabei wohl zu fühlen.

Geburtshausbericht
Vor der Tür des Geburtshauses in der 16. Schwangerschaftswoche. Mein erster Termin.

 

Meine Gründe für eine Entbindung im Geburtshaus

Ich hatte es ja bereits angesprochen. Mir war eine Hausgeburt zu unsicher. Das liegt allerdings nicht daran, dass ich an dem Können und der Einschätzung der Hebmme zweifle. Es ist nur einfach so das es selten, aber eben doch manchmal zu Verlegungen kommt. Ich hab das ganze recht nüchtern durch gerechnet – bis bei und nach Alarm ein RTW ist dauert es 10 Minuten mindestens. Und der braucht selbst mit Sonderrechten zum nächsten Krankenhaus mit Kinderklinik gut 25 Minuten. Nein das war mir tatsächlich einfach zu lang. Das Geburtshaus ist in der Stadt, von Alarm bis in die Klinik dauert es dort nicht mehr als 20 Minuten, das ist mit meinem Sicherheitsbedürfnis einfach deutlich besser zu vereinbaren.

Aber warum nicht wieder ins Krankenhaus? Einfach ein anderes? – Nein. Es ist ziemlich egal wo, die Hebammen sind in jedem Kreißsaal unterbesetzt. Ich möchte nicht darauf spekulieren, dass eventuell am Tag der Entbindung wenig los ist, so dass ausreichend Zeit für eine Adäquate Betreuung bleibt. Was ich mir wünsche ist eine 1 zu 1 Betreuung. Auf die habe ich regulär im Krankenhaus quasi keine Chance. Außerdem möchte ich, dass mir die Möglichkeiten offen stehen und ja aktiv angeboten werden. Zum Beispiel möchte ich dieses Mal unbedingt in die Wanne. Dazu bekam ich beim Bären nicht die Möglichkeit. Und ich erwarte, dass Alternativen wie Massage, Akkupubktur, Homöopathie und co dem Griff zum Schmerzmittel vorgezogen werden. Irgendwie war das auch mi Krankenhaus damals mein Gedanke. Aber sagen wir mal so, ich hätte es besser wissen müssen.

Abgesehen von den ganzen Punkten möchte ich mich wohl und geborgen fühlen, eben ein bisschen wie zuhause. Das ist im Krankenhaus für mich einfach nicht möglich. Und tatsächlich für die meisten anderen werdende Mütter auch nicht. Gemütlichkeit erzeugen die farbigen Wände in der sterilen Umgebung kaum und der Geruch nach Desinfektionsmittel ist einfach nicht sehr heimelig.

 

Geburtshausbericht- wie es mir gefallen hat.

Das Geburtshaus befindet sich bei uns in einer kleinen Altbauvilla. Es gibt einen Wintergarten mit Blick in den kleinen dazugehörigen Garten. Weiterhin befinden sich im Erdgeschoss zwei Kursräume, ein Untersuchungsraum sowie eine kleine Küche. Nach dem Betreten würde ich geben die Schuhe aus zu ziehen, alternativ wurden mir warme stoppersocken angeboten. Es fühlte sich direkt an wie ein heimkommen. Über eine   breite Treppe sind wir dann ins Obergeschoss gekommen. Dort gibt es neben einem „Gäste“ und ein nem Mitarbeiter Bad einen weiteren Untersuchungsraum sowie zwei verschieden gestaltete Geburtsräume. Beide Geburtsräume haben ein direkt angeschlossenes Badezimmer, so muss während der Entbindung die Frau nicht erst über den Flur zur Toilette gehen. In beiden Bädern befinden sich ausreichend große Wannen um darin zu entspannen oder auch zu entbinden. Über der Wanne hängt in beiden Bädern ein Tuch zum reinhängen, ebenso im Zimmer Ansich. Auch finden sich in beiden Zimmern wunderschöne große Betten mit vielen Kissen und natürlich die obligatorische Wickelkommode mit Wärmelampe, Waage und allem was später zur U1 benötigt wird. Die beiden Räume unterscheiden sich hauptsächlich in ihrer Farbe, während der eine in einem Orange/Apricot eher warm gehalten ist und eine ovale Wanne besitzt, ist der andere in Grau und Türkies eher kühl und hat eine 4eckige Wanne. In letzteren Raum habe ich mich, wohl vor allem wegen der Farben direkt verliebt. Direkt nach dem Betreten war klar: ja, hier möchte ich entbinden.

 

Die Betreuung

Während der Schwangerschaft gehe ich nur zu den drei großen Ultraschalluntersuchungen sowie dem Glucose Test zum Frauenarzt. Die anderen Vorsorgeuntersuchungen werden von der Hebamme im Geburtshaus gemacht. Das ist gut und sinnvoll, damit wir uns gut kennenlernen und ich mich im Geburtshaus auch wirklich bald wie zuhause fühle. Außerdem hat so die Hebamme, die auch die Geburt begleitet gleich einen überblick über den Verlauf der Schwangerschaft. Drei Vorsorge Termine im Geburtshaus sind übrigens Pflicht, wie der Rest aufgeteilt wird obliegt jedem selbst.

Ab der 37. Woche hat die betreuende Hebamme bis zur 42. Woche Rufbereitschaft. Das heißt ähnlich wie bei einer Hausgeburt wird die Hebamme angerufen wenn es los geht. Der Unterschied ist, dass sich dann alle am/im Geburtshaus treffen für die Entbindung. Die Hebamme ist während der ganzen Geburt an deiner Seite, natürlich immer so diskret oder aktiv wie grade nötig. Niemand wird unter der Geburt allein gelassen. Weder die Gebärende, noch der oft viel hilflosere Mann dazu.

 

Möglichkeiten und Grenzen

Im Geburtshaus können alle Möglichkeiten die   Geburt natürlich zu unterstützen und die Schmerzen natürlich zu lindern ausgeschöpft werden. Das Repertoire reicht von der Wanne über Homöopathie, Massage und Ölanwendungen bis hin zur Akkupunktur. Was es im Geburtshaus nicht gibt, sind „harte“ Schmerzmittel. Diese wirken sich in einigen Fällen auf den Geburtsverlauf und/oder das Kind aus und das ist nicht erwünscht.

Dafür wird die natürliche Entbindung unterstützt. Viel stehen oder Hocken, entspannen, sanft bewegen. Es wird versucht, dass möglichst alle Frauen stehend oder hockend entbinden, denn dies ist die anatomisch günstigste Position. Niemand wir hier zum entbinden auf den Rücken gezwungen. Sollte der Damm unter der Geburt  reißen, so kann er im Geburtshaus genau so wie auch im Krankenhaus genäht werden.

Es gibt außerdem kein dauerhaftes oder ständiges CTG. Natürlich wird immer mal wieder nach den Herztönen geschaut, aber bei weitem nicht so wie im Krankenhaus, wo ich teilweise das Gefühl hatte, das CTG nie mehr los zu werden. Eine Verlegung ins Krankenhaus passiert unmittelbar, wenn Gefahr für Mutter und/oder Kind besteht. Ist aber auch sonst möglich, wenn die Gebärende feststellt, dass sie das doch unbedingt möchte und ohne Schmerzmedikation nicht schafft.

 

Finanzielle Belastung

Die Geburt als solche wird auch im Geburtshaus von der Krankenkasse finanziert. Damit haben wir als Kunden auch gar nichts zu tun, das wird direkt von Hebamme und Krankenkasse abgerechnet. Ein Kostenpunkt den es im Krankenhaus nicht gibt ist allerdings die Pauschale für die Rufbereitschaft. In unserem Geburtshaus beträgt sie 500 Euro. Das ist aber immer unterschiedlich, daher fragt dort unbedingt nach. Die Krankenkassen stellen ihrerseits meist ein gewisses Budget für „sonstige Schwangerschaftsleistungen“ zur Verfügung. Wie hoch das ist variiert von Kasse zu Kasse, aber dieses Budget kann auch zum (Teil-)Finanzieren der Rufbereitschaftspauschale genutzt werden. Allerdings muss das Geld dafür erst ausgelegt werden und kann dann von der Krankenkasse zurück geholt werden. Bei uns zahlt die Krankenkasse zum Beispiel 250,- Euro, somit ist die Hälfte schon mal abgedeckt. Weiter werden wir uns zur Geburt statt unnötigem Zeug einfach Geld wünschen. Ihr seht, es ist also finanziell absolut machbar.

Geburtshaus

Familie

Schwangerschaft- wie übersteht man die ersten 3 Monate (nach erlebten Fehlgeburten)

Ich bin Schwanger. Ein Satz voller Freude. Und trotzdem ein Satz, der so viel Angst in sich tragen kann. Für viele Frauen sind die ersten drei Monate der Schwangerschaft eine Zeit der Angst. Vor allem für die, die schon eine oder gar mehrerer Fehlgeburten erleben mussten.
Aber diese Angst betrifft nicht nur die Mamas, auch Väter werden oft von ihr heimgesucht. Was also können wir tun um mit ihr um zu gehen und so auch das erste Trimester der Schwangerschaft zu genießen?

Die ersten drei Monate der Schwangerschaft überstehen.
Wenn die erste Freude von Angst verdrängt wird.

Die Zeit vergehen lassen

Nein, zaubern können wir alle nicht, aber jeder kennt die Situation des Wartens. Plötzlich scheint die Zeit zu kriechen. Die Welt dreht sich nur noch halb so schnell und die Stunde, die sonst so schnell um ist zieht sich wie Kaugummi.

Heißt also, raus kommen aus dem Warten. Grade wenn man im Beschäftigungsverbot oder krank geschrieben ist, ist das gar nicht so einfach. Aber es liegt an uns. Es gibt eigentlich immer was zu tun. Einkaufen, Haushalt auf Vordermann bringen, Freunde treffen, den Balkon oder Garten herrichten. Um dekorieren. Akten und Papierkram ausmisten und auf Vordermann bringen. Je mehr zu tun ist, desto schneller vergeht die Zeit. Das ist einfach so.

 

Den Frauenarzt auf seiner Seite haben

Grade bei Frauen, die schon eine oder mehrere Fehlgeburten erlebt haben sind Ärzte im ersten Trimester oftmals bereit, etwas häufiger zu schauen ob alles ok ist. Nach zu fragen ob ihr bis zur 12 Woche alle 2 Wochen rein kommen könnt kostet erstmal nichts. Und meist trifft man auf Verständnis.

Aber auch anders rum kann es gehen. Die Ultraschall Termine machen dich völlig nervös? Bitte deinen Arzt nur in der 7. und 12. Woche ein mal zu schallen, auch das ist absolut ausreichend, wenn du dich damit besser fühlst.

 

Von der Möglichkeit der Selbstkontrolle

Es gibt auf dem Markt so genannte „Taschendoppler“, das sind Geräte die wir meist dann durch unsere Hebamme kennenlernen. Mit ihnen kann mittels einer Art kleinen Ultraschallkopfs der Herzschlag des Babys gehört werden. Das kann eine riesige Beruhigung sein, wenn man sich grade Sorgen macht.

Aber Vorsicht, auch diese Geräte haben ihre Tücken. Vereinzelt finden Frauen den Herzschlag schon um die 9. Schwangerschaftswoche damit. Häufiger dauert es aber einfach auch bis etwa zur 12. Woche. Und dann ist die Zeit der großen Angst für die Meisten bereits vorbei. – Auch kann es sein, dass man aufgrund einer ungünstigen Lage den Herzschlag mal nicht findet, obwohl er zwei Tage zuvor gut hörbar war. Auch das kann unnötig Sorgen Schüren. Daher sollte jeder für sich vorher gut abwägen ob ein solcher Doppler wirklich sinnvoll und hilfreich sein kann.

 

Die Hebamme – eine gute Seele

Ab dem Zeitpunkt, wo ihr von der Schwangerschaft wisst, steht euch auch die Betreuung durch eine Hebamme zu. Aufgrund der prekären Lage dieses Berufs ist eh zu empfehlen so früh wie möglich eine Hebamme zu suchen, damit man überhaupt eine bzw. eine findet, mit der man sich sympathisch ist und vertraut.

Eine gute Hebamme steht euch auch in den ersten drei Monaten mit Rat und Tat zur Seite. Sei es um Beschwerden zu lindern oder euch die Sorgen etwas zu nehmen.

 

Vertraut in euren Körper

Ich hätte niemals erwartet, dass ich einen solchen Satz mal sagen werde. Aber es stimmt. Die meisten (frühen) Fehlgeburten liegen in einem schwerwiegenden genetischen Defekt begründet. Diese Kinder wären in der Regel nicht, oder nicht lange lebensfähig. Es sind defekte, bei denen im Verlauf, wenn es soweit käme sogar späte Abbrüche angeraten werden würden. Der Körper, die Natur regelt es daher oft vorher von ganz allein.

Das ändert nichts an dem schmerzhaften Verlust des eigenen, gewünschten Babys den  wir in einer solchen Situation erleben. Aber tatsächlich empfinde ich persönlich den Gedanken tröstlich, dass die Natur dem Kind und wohl auch den Eltern so weit größeres Leid erspart. Und auch eines wird klar- an einer Fehlgeburt seid nicht ihr schuld! Das ist etwas, was damals für mich so schwer zu verstehen war. Ich habe so lange den Fehler bei mir gesucht. Das verletzt in dieser Situation unnötig nur noch mehr.

 

Redet!

Es hilft die Ängste zu verbalisieren. Am ehesten bietet sich das mit dem Partner an, denn wie oben erwähnt, werden auch sie oft von den selben heimgesucht. Alternativ gibt es neben Arzt und Hebamme aber auch noch die Freundinnen- oder zumindest die Beste. Die eigenen Mutter oder Schwiegermutter. Oder auch anonym Foren, die einen Austausch möglich machen. Austausch tut gut. Egal ob es nur das raus lassen der eigenen Sorgen ist, oder ob durch Erfahrungen von Anderen auch gleichzeitig Mut gemacht wird.

 

Mini Meilensteine

Grade wenn ihr nach vorherigen Fehlgeburten am Anfang engmaschiger Untersucht werdet hilft es oft, sich gedanklich kleine Meilensteine zu setzen und das erreichen jedes einzelnen, bringt einen näher ans Ziel. Das kann zum Beispiel so aussehen: 1. Fruchthülle, 2. Fruchthülle + Dottersack, 3. Fruchthülle, Dottersack + Embryo, 4. Embryo mit Herzschlag . Und wenn das Herzchen schlägt, dann verringert sich das Abortrisiko schon mal um etwa die Hälfte. Das ist schon ein sehr großer Meilenstein auf dem Weg, die ersten 12 Wochen zu überstehen.

Familie

GEBURTSBERICHT – Eine Krankenhaus Geburt mit Höhen und Tiefen

Da ich nun Hier schon beschrieben hatte, dass ich meine nächste Geburt lieber in einem Geburtshaus erleben möchte, wollte ich euch nun noch einen Einblick gewähren. In meine Geburtsreise. Die Geburt die weder besonders schlimm, noch besonders schön war. Absoluter Durchschnitt und von außen betrachtet vielleicht sogar langweilig?

Ich nehme euch mit – auf meine Geburtsreise im Sommer 2016.

Meine Schwangerschaft war alles andere als entspannt und komplikationslos. Ich habe von Hyperemesis, über retroplazentares Hämatom mit Blutungen und vorzeitigen Wehen ab der 25. Schwangerschaftswoche bis zur vorzeitigen Muttermundsöffnung um die 32. Woche alles mit genommen. Meine Hebamme sagte in der 35. Woche zu mir, dass sie anfangs gar nicht damit gerechnet hat, dass ich überhaupt so lange schwanger sein werde. Und wir haben auch ab diesem Tag quasi jeder Zeit mit dem Geburtsbeginn gerechnet.

Los ging es dann aber erst bei 38+6 ganz unverhofft mit einem Blasensprung. Ich hatte nie damit gerechnet, dass es so los gehen würde. Da ich ja immer schon Wehen hatte und eigentlich dachte, dass diese sich eines Tages einfach verstärken würden. Den ganzen Tag hatte ich schon einen starken Druck nach unten und konnte schließlich gegen Abend kaum noch die Treppe gehen. Und das obwohl wir am Abend noch mit Freunden Pizza essen und EM gucken wollten. Tja Pustekuchen. Zack, war es passiert und meine Hose nass.

Der Göttergatte schlief noch auf dem Sofa (wahrscheinlich war, dass Intuition, dass er sich vorbereiten wollte… denn die Nacht zuvor hatte er Nachtschicht gehabt und am Morgen war er trotzdem schon um 11 Uhr auf). Also habe ich die Zeit genutzt und meine Kliniktasche, die seit 10 Wochen fertig gepackt auf dem Schrank stand, noch mal aus und wieder ein zu packen und zu schauen ob wirklich nichts fehlt.Anschließend weckte ich den Mann, gab den Eltern und meiner besten Freundin bescheid, polsterte das Auto mit Handtüchern und dann ging es los. Bisher hatte ich (ausnahmsweise) keine einzige Wehe gehabt … und auch die 30 Minuten Autofahrt zum Krankenhaus blieb es ruhig.

Angekommen bekam ich dann leichte, sehr leichte Wehen. Vom CTG wurden sie nicht aufgezeichnet und der Muttermund war auch erst nach wie vor 2-3cm geöffnet. Das hatte ich bei der letzten Vorsorge durch die Hebamme schon, also nichts Neues. Ich bekam sogar schon alle Formulare, weil sofern ich innerhalb von 24 Stunden keine Wehen bekommen würde mit Cytotec eingeleitet werden sollte. (Haha die Frau mit den vorzeitigen Wehen bekommt dann keine wenn das Baby raus soll/will … das wär ja ein Witz gewesen!)Im Anschluss stand direkt noch mal ein Ultraschall an. Die Wehen wurden derweil stärker und die Ärztin bemerkte das schon beim Schallen. Sie versicherte mir, dass mein Baby sicher schon da sein würde,bevor die erste Antibiotika gabe (12std. Nach Blasensprung) nötig ist. Der kleine Bär wurde noch mal vermessen und auf 53cm und 3760gramm geschätzt

Ich durfte erst mal mein Zimmer beziehen, ein zweibett Zimmer in dem das zweite Bett leer war. So durfte auch mein Mann einfach mit im Zimmer bleiben. Ich richtete mich unter stärker werdenden Wehen ein, nebenbei lief im TV tatsächlich das EM-Spiel, ich wollte es meinem Mann nicht vorenthalten!

Zur Halbzeit waren meine Wehen so stark geworden, dass ich nicht mehr wusste welche Position ich noch einnehmen konnte oder wollte. Also gingen wir wieder in den Kreißsaal. Dort angekommen, sollte erst mal wieder CTG geschrieben werden, ich sagte direkt, dass ich mich aber nicht hinlegen werde weil ich das nicht aushalten würde. Also wurde im Stehen CTG geschrieben. Nach knapp 45 Minuten Minuten kam die Hebamme dann endlich zurück. Auf dem CTG waren die Wehen inzwischen Sichtbar. Sie tastete nach dem Muttermund- das Ergebnis war niederschmetternd. 3cm – es hatte sich quasi nichts getan, ich war frustriert. Sie fragte ob ich etwas gegen die Schmerzen brauche, das lehnte ich ab. Wir wurden wieder aufs Zimmer geschickt wo mein Mann das Spiel zu Ende an sah, meine Hand hielt und beruhigend mit mir sprach.

Als das Spiel endlich zu Ende war kapitulierte ich. Ich konnte nicht mehr. Ich wollte nun doch etwas gegen die Schmerzen – oder eine schnelle Geburt. Muttermund Befund – immer noch 3 cm, so wird das nichts , also was gegen die Schmerzen. – Bekommen hab ich ein Opiat in den Po Muskel. Und das spritzen war furchtbar schmerzhaft. Gegen den Wehen Schmerz half es auch null Komma gar nicht. Es sorgte nur dafür, das ich zwischen den Wehen ohnmachtsähnlich in den Schlaf fiel. Das war für mich uncool und für meinen Liebsten mehr als unheimlich.

So überstanden wir die nächsten 4,5 Stunden zwischen Wehen und Schlaf. Dann war meine Kraft erschöpft.  Ich war mir sicher, dass der kleine Bär doch nun langsam bereit sein müsste. Also gingen wir wieder in den Kreißsaal. 30 Minuten CTG später schwor mein Mann Stein und Bein, dass ich ihm fast den Daumen gebrochen hätte. Der Muttermund war inzwischen bei läppischen 4cm ! – 5 Stunden für einen cm ? Das war meine Info zum durch drehen. Ich verlangte einen Kaiserschnitt… – echt wie im Film. Ich war am Ende! Die Hebamme brachte stattdessen einen paracetamol Tropf. Na super – der half quasi gar nicht. Schon beim anschließen stellte ich fest, das ich eine PDA möchte. Diese würde ich bekommen sobald die Anästhesie Zeit hat sagte sie.

Um 6 (!) wurde ich in einen anderen Raum gefahren , weil laufen nicht mehr ging – zu wenig Kraft! Eine letzte Kontrolle vor der PDA – 5cm Muttermundsöffnung und Wehen weiter stark vorhanden. Kaum Wehenpausen. Auch die Herztöne waren nicht mehr die besten. Ich bekam eine Wehenhemmer, damit die PDA in Ruhe gelegt werden konnte und ich habe mich gefühlt wie im Paradies. Endlich mal eine Pause. Nach dem PDA legen ging dann alles ganz schnell. 15 Minuten lang Kontrolle der Vitalzeichen. Und dann wieder Kontrolle des Muttermunds. Vollständig , 10cm . Yeah ! Party ! Jetzt ging es ans Pressen, die Hebamme die nun die Frühschicht hatte wär super und begleitete mich toll. Ich sollte in den 4 Füßlerstand , was mir recht war denn alles war besser als hilflos auf dem Rücken zu liegen.

Meine Pressphase war lang und Mühsam. So empfand ich sie zumindest. 1 Stunde und 45 Minuten waren es etwa, die wir bräuchten, bis ich schließlich 3690gramm pures Glück auf die Brust gelegt bekam. Super hätten wir das gemacht, keine Geburtsverletzung. Alles tip top.

Nun waren wir also eine Familie.

Wir haben uns noch die Plazenta angeschaut, die Nabelschnur wurde auspulsieren lassen vor dem durchtrennen und der kleine Bär wurde direkt angelegt ! Alles wie es sein sollte.

Der einzige Wehmutstropfen ist, dass ich auf Opiat und PDA zurückgegriffen habe. Das wünsche ich mir anders beim nächsten mal. Dann vielleicht mit besserer Begleitung einer Hebamme durch die Zeit der Wehen!