Familie

Fremdbetreuung für Kleinkinder ist nicht sinnvoll- aber ist Betreuung immer gleich Fremdbetreuung ?

Kein Kind unter (+/-) 6 Jahre sollte Fremdbetreuung erfahren. 

So jetzt hab ich wohl erstmal die Aufmerksamkeit, genau das wollte ich erreichen. So ziemlich jedes Kind wird in Deutschland früher oder später fremd betreut. Spätestens dann, wenn sie mit (+/-) 6 Jahren in die Schule kommen. Denn in Deutschland gibt es die Schulpflicht und in Grundschulen keine Eingewöhnung mehr.

Eingewöhnung, die ist heute das Schlüsselthema in meinem Artikel. Warum? – Weil diese darüber entscheidet, ob ein Kind fremdbetreut wird, oder nicht.

2017 in Deutschland. Kaum jemand kann sich mit einem Alleinverdiener ein gutes Leben sichern. Für die aller meisten von uns ist nach einem, spätestens aber nach 2 Jahren Elternzeit das Ende der Fahnenstange erreicht und beide Elternteile müssen wieder arbeiten. Meist einer Vollzeit und einer mindestens 20-Stunden Teilzeit. Gleichzeitig arbeiten wir immer länger und haben daher nicht die Option unsere Kinder von Oma und/oder Opa betreuen zu lassen. Oder diese wohnen nicht mal in der Nähe. Das Ergebnis ist, dass die meisten Kindern mit 1 Jahr außerhalb ihrer Familie betreut werden. Einige dann mit 2 Jahren und so gut wie alle anderen dann mit 3 Jahren. Familien die Kindergartenfrei leben gibt es kaum.

Betreuung bei unter 3 Jährigen außerhalb der Familie/des Clans

Obwohl ich denke, dass die Diskussion darum, ob außerfamiliäre Betreuung in einer Gruppe mit mehreren Kindern bei unter 3 Jährigen nun gut oder schlecht ist müßig ist. Einfach weil es für viele gar nicht anders möglich ist. Möchte ich ein zwei Sätze dazu loswerden.

Kinder unter 3 benötigen keine besondere Forderung oder Förderung, wie sie so oft für Kitas angepriesen wird. Denn sie entwickeln sich von ganz allein, in ihrem Tempo, wenn sie von ihren Eltern dabei liebevoll begleitet werden. Und ihnen der Raum und die Möglichkeit dazu gegeben wird.  Dazu habe ich auch hier noch etwas geschrieben. Das Gras wächst eben nicht schneller, wenn man daran zieht! Und das ist in einer Gesellschaft, in der Depression und Burn out an der Tagesordnung sind tatsächlich auch gar nicht sinnvoll. Der Druck wächst eh noch früh genug.

Was Kleinkinder primär benötigen, sind ihre Eltern und den Aufbau einer grundsoliden Bindung. Für Kleinkinder bedeutet die Betreuung in einer Gruppe, egal ob Kita oder Tagesmutter immer ein erhöhtes Stresslevel, was nicht zu vernachlässigen ist. Sofern es also keine Gründe für eine außerfamiliäre Betreuung von Kleinkindern gibt, ist meiner Meinung nach, die Betreuung durch Mutter oder Vater immer vor zu ziehen.

Nun aber zurück zum eigentlichen Thema. Das kein (Klein-)Kind fremdbetreut werden sollte. Gleichzeitig aber der Feststellung, dass die deutliche Mehrheit der unter 6 Jährigen außerfamiliär in Kita, Krippe, Kindergarten oder bei der Tagesmutter betreut werden. Und auch mein Sohn voraussichtlich mit spätestens 3 Jahren auf diese Art betreut werden wird. Wie ist das nun vereinbar ?

Keine Fremdbetreuung und trotzdem Kita

Der Schlüssel ist die Eingewöhnung. Denn während mein Sohn uns Eltern, seine Großeltern und Patentante mit Mann als feste Bezugspersonen sieht, gibt es durchaus Kinder, die neben den Eltern vor allem ihre „Erzieherin“ als Bezugsperson haben. Und die Großeltern die sie aufgrund eventueller räumlicher Trennung nur 1-2 mal im Jahr sehen als Fremde empfinden. Die Voraussetzung dafür, dass wir unsere (Klein-)Kinder also guten Gewissens in eine andere Betreuung geben können ist, dass sie dort eine Bezugsperson, einen sicheren Hafen haben. Eine Person zu der sie Vertrauen haben. Die sie Trösten und in Sicherheit wiegen kann.

Die Bindung an eine Person ist kein Ding von 1 Woche, viel mehr dauert es mindestens 1 Monat bis hin zu 6 Monaten, je nach Kind, bis dieses zarte Band geknüpft ist. Uns als Eltern obliegt es, eine Einrichtung zu finden, die eine langsame Eingewöhnung im individuellen Tempo des Kindes ermöglicht und unterstützt. Zu dem müssen wir als Eltern Vertrauen in die Einrichtung sowie die Mitarbeiter haben. Und unser Kind muss sich wohlfühlen. DAS alles zu finden ist die wirkliche Mammutaufgabe für uns Eltern wenn es um die Betreuung unserer Kinder geht.

Wenn wir dann die Eingewöhnungsphase egal ob 1 oder 6 Monate erfolgreich hinter uns gebracht haben, dann ist dann anfängliche Problem mit der Fremdbetreuung gelöst. Denn dann geht unser Kind zur Betreuung nicht zu Fremden, sondern schlicht zu einer anderen Bezugsperson ähnlich wie zur Oma oder zur (Paten-)Tante/Onkel. Für mich persönlich ist nur sehr  wichtig, dass 1 Jährige ebenso wie 2,3 oder 4 Jährige erst eingewöhnt werden, bevor sie zur Betreuung bei jemandem gelassen werden. Egal ob Tagesmutter, Kindergarten oder Babysitter. Die Kinder sollten immer einen Bezug und eine Bindung zu ihrer Betreuungsperson aufgebaut haben, ehe sie mit dieser allein gelassen werden. Nur so können sie sich wohl und sicher fühlen und haben nicht das Gefühl von ihren Eltern allein gelassen zu werden.

Kind und Hund
Bei Oma und Opa. Familieninterne Betreuung.
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Die Sache mit der Fremdbetreuung

Eins möchte ich, bevor die Stimmen laut werden vorweg nehmen. Es gibt Eltern, Mütter und Väter, die nach 1 Jahr oder gar 0,5 Jahr beide wieder Arbeiten gehen möchten und ihr Kind deshalb in die Fremdbetreuung – z.b Krippe oder zur Tagesmutter geben. Auch wenn ich persönlich das nicht nachvollziehen kann (muss ich ja aber auch nicht), ist das völlig legitim, wenn das für die betreffenden Eltern und ihr Kind gut funktioniert. Dieser Artikel soll eher Bezug auf die Situation nehmen, wo die Eltern das nicht möchten, oder das Kind nicht bereit dafür ist. Die haben dann nämlich in vielen Fällen ein Problem!

Trotz des Jahrelangen Kampfes für die Emanzipation gibt es sie auch noch heute, die Mütter, die gern bei ihrem Kind oder ihren Kindern zuhause bleiben möchten, zumindest die ersten (2-5) Jahre. Gerade die Möglichkeit, diese Entscheidung frei zu treffen, sollte Teil der Emanzipation sein. Genau genommen sollte ich das sowieso anders Formulieren, (…) es gibt sie immer noch, die Eltern, die ihre Kinder zumindest die ersten 3 Jahre selbst zuhause betreuen möchten. Denn an dieser Stelle ist es egal ob Mama oder Papa die Betreuung übernimmt, es geht schlicht um den Wunsch sein Kind nicht vor dem 4. Lebensjahr fremdbetreuen zu lassen.

Kaum jemand kann sein Kind zuhause betreuen.

Die Umsetzung dieses Wunschs hapert zu meist am finanziellen Aspekt. Es ist gesetzlich erlaubt, 3 Jahre in Elternzeit zu gehen, so lange muss einem der Job „freigehalten“ werden, so dass man nach dieser Zeit dann wieder einsteigen kann. Grundsatz erst mal eine tolle Regelung – auch Papa darf diese 3 Jahre Elternzeit nehmen, man sie sich als Familie aufteilt, ist jedem selbst überlassen. Im nächsten Schritt kommt aber schon der erste Harken ans Licht. Das Elterngeld bekommt man nämlich für maximal 2 Jahre ausgezahlt. Wie man es dreht oder wendet, das dritte Jahr säße man auf dem trockenen. Dass sich die Vielzahl der Familien das nicht leisten kann dürfte schnell klar sein. Aber nicht mal zwei Jahre daheim zu bleiben ist für die meisten möglich. Denn Elterngeld wird nicht in voller Höhe (69% vom Lohn) für zwei Jahre ausgezahlt, sondern es wird dann gesplittet – man bekommt monatlich also nur noch 34,5% von seinem Lohn. Wie viel das noch ist, kann man sich recht einfach errechnen. Für viele ist es nicht genug um über die Runden zu kommen. Wenns auch noch der Papa ist der daheim bleiben möchte kommt noch das Problem dazu, dass die Männer meist noch immer mehr verdienen als Frauen und somit gleich mal das Haupteinkommen wegfällt. Für kaum jemanden möglich!

Trotzdem kaum ausreichend gute Betreuungsplätze.

Dann wird halt in den sauren Apfel gebissen – 1 Jahr zuhause bleiben und dann zumindest Teilzeit wieder Arbeit und das Kind in die Fremdbetreuung ( oder wenn finanziell möglich das gleiche mit 2 Jahren und dann Teilzeit). Steht man vor den nächsten Problemen. 1. Es gibt schlicht und ergreifend nicht ausreichend Betreuungsplätze für die kleinen. Und der Ausbau ist teuer. Einfacher und vermutlich günstiger wäre es die Eltern finanziell besser zu unterstützen, damit sie ihr Kind länger zuhause betreuen können. Aber Nada. Alle möglichst schnell wieder an die Arbeit kriegen ist die Devise. Aber Kinder brauchen wir ja auch … der Trend geht zur Vollzeit arbeitenden den Gebärmaschine wenn es nach dem geht was der Staat möchte. Dass es einige Eltern gibt, die auch (viel) Zeit mit ihren Kindern verbringen möchten fällt da einfach hinten runter. Tatsächlich ist mir auf die Frage warum jemand keine Kinder hat/ bekommt durchaus die Begründung „Wir können es uns nicht leisten. Wir müssten beide weiter Vollzeit arbeiten und um dann keine Zeit für mit meinem Kind zu haben bekomme ich keine Kinder.“ Durchaus geläufig.

Das nächste Problem ist dann, dass Tagesmütter am liebsten nur Ganztagskinder haben möchten (macht aus deren Sicht finanziell ja auch Sinn), und vor allem, der Preis der für die Betreuung zu zahlen ist. Das sind hier bei uns etwa 350-400 Euro pro Monat. Und dafür geht man dann halbtags für 750,- Euro netto arbeiten und lässt sein Kind fremd betreuen, dass man dann den Großteil in diese , ja eigentlich gar nicht gewünschte Fremdbetreuung steckt. Wunderbar. So funktioniert Motivation.

Wie das dann noch mit einem Geschwisterkind aussieht, davon will ich lieber gar nicht sprechen. Auch nicht von dem Elterngeld beim zweiten Kind sollte man dies nach 2 Jahren bekommen und zwei Jahre in Elternzeit gewesen sein… das füllt einen weiteren Artikel.

Auf der Suche nach Lösungen.

Fakt ist, dass ein Umdenken dringend nötig ist, damit werdende Eltern und junge Familien Sorgenfreier in die Zukunft blicken können und vielleicht auch Kinder bekommen wieder attraktiver ist. Ich für meinen Teil bin erst mal zwei Jahre zuhause. Das ist knirsch aber geht irgendwie. Das dritte Jahr daheim wäre mein großer Wunsch, daher baue ich mir jetzt eine kleine Selbstständigkeit auf , Mawiba – Das neue Mama-Baby Tanzkonzept und ich bin Trainerin. Aktuell läuft es schleppend an, aber ich hoffe, dass es sich im kommenden Jahr hier noch gut etabliert und mir finanziell den Weg öffnet.