Familie

Zwischen Selbstaufgabe und Selbstbestrafung- warum wir es uns selber nicht recht machen können.

Wir Mamas, wir Eltern, wollen das Beste für unsere Kinder. Beinahe jeder von uns, das ist es doch, was uns aus macht. Und genau deshalb schaffen wir es nicht, dass wir mir uns selbst zufrieden sind. Denn das Beste, was wir schaffen zu geben. Ist dann eben doch nicht gut genug. Nicht wenn es um unsere Kinder geht… oder vielleicht grundsätzlich nicht?

 

Du bist genug …

Hand hoch wer von euch diese Aussage, so oder so ähnlich aus seiner Kindheit und Jugend kennt. – Ich möchte nicht anmaßend sein, aber ich bin mir sicher, die Anzahl der erhobenen Hände ist gering. Woran liegt das?

Der Wunsch, dass Kinder das Beste bekommen, oder erreichen können ist nicht selten mit einem enormen Erfolgsdruck gekoppelt. Auch unsere Eltern wollten nur das Beste für uns. Aber grade deshalb haben wir gelernt, dass es immer noch höher, schneller und besser gehen muss. Wir wurden direkt, oder indirekt angetrieben immer mehr Leistung ab zu rufen. Und diese Erwartungshaltung hat sich so tief in uns verwurzelt. Sie überträgt sich auf das Bild was wir von uns selbst haben und so verlieren sich einige von uns schon im Job in Burn out und co, während Andere an der Elternrolle, an der Mutterrolle verzweifeln.

Stress

 

Selbstaufgabe – die Entfernung vom Glück

“Kinder bedürfnis- und bindungsorientiert begleiten, das sogenannte Attachment parenting führt dazu, das Mütter sich selbst vernachlässigen.“ – So oder so ähnlich klang eine reißerische Aussage in einem Blogartikel vor nicht all zu langer Zeit.

Bullshit. Sage ich. Das einzige, was zu dieser Vernachlässigung, dieser Selbstaufgabe führt ist der der „Erfolgsdruck“. Es ist so. Sobald wir unsere eigenen Bedürfnisse achten und uns um uns selbst kümmern, haben wir ein schlechtes Gewissen. Sich eine Auszeit zu gönnen, sich Gutes zu tun, dass ist in unseren Köpfen zu wenig Leistungsorientiert. SO können wir unseren Kindern nicht das Beste geben, denn wir sind ja nicht da, oder kümmern uns nicht ausreichend. Und so bekommen wir das Gefühl es geht nur eins… sich selbst achten und pflegen, oder eben dsd Beste für das Kind geben. So gerät das Leben in Schieflage und wir entfernen uns immer mehr von dem Gefühl glücklich zu sein, in dem wir uns immer mehr selbst aufgeben.

 

Der Schein trügt

Um das Beste für unsere Kinder geben zu können, müssen wir aber eben vor allem eins sein. Glücklich und ausgeglichen. Alles andere führt zu nichts. Zumindest zu nichts Gutem. Mit der Ausgebranntheit liegen die Nerven blank. Wir reagieren gereizt, auf Kleinigkeiten. Mit der Ausgebranntheit kommt die Gefühlskälte. „Ist mir doch egal“, oder „Mach doch was du willst“ sind in etwa so weit von bedürfnisorientierter Begleitung entfernt, wie sein Sonne vom Mond. Es ist eben nicht Laisser-faire , es ist eben nicht egal. Die Beziehung ist das Band, was unser Miteinander trägt und wir sollte es nicht kappen.

Gönn dir was.

Tu dir Gutes.

Nimm dir Auszeiten und sammle Kraft, lade die Akkus auf.

Auszeit für Mama

Viele Wege führen nach Rom … und zum Glück.

Mütter, oder besser Eltern sind auch Menschen. Und die sind bekanntlich verschieden. Es ist absolut individuell wie viel „me-Time“ nötig ist um ausgeglichen zu sein.  Während einer unbedingt wieder zurück in den Job möchte und dafür die Nachmittage mit Kind dann hoch qualitativ nutzt, reicht anderen ein Abend in der Woche, wo der Partner die Kinder ins Bett bringt.

Egal welches euer Weg ist, solange er für alle Begeiligten passt und ihr glücklich damit seid, ist er gut und richtig.

Niemand MUSS 24/7 mit dem Kind zusammen sein um eine gute Mutter zu sein. Gleichzeitig ist sind Bedürfnisse ab zu wägen. Was erlaubt grade noch etwas Aufschub, was muss sofort gestillt werden. Die Bedürfnisse von Babys dulden in der Regel wenig bis keinen Aufschub. Aber auch hier können durch Hilfe von Papa und anderen Bezugspersonen kleine Auszeiten geschaffen werden.

Je älter die Kinder werden, desto öfter können auch die eigenen Bedürfnisse wieder Vorrang haben. Natürlich so, dass weiter in Beziehung gegangen und Kommuniziert wird.

Alles hat seine Zeit.

 

Und wenn der Karren an die Wand gefahren ist?

Wenn wir dann doch mal uns vergessen und in der Konsequenz das Kind schlecht behandelt haben? – Dann hilft weder Selbstmitleid, noch das verharmlosen oder rechtfertigen. Und auch die Selbstbestrafung , in die wir doch all zu gern fallen (auch dadurch würden wir geprägt) ist eher destruktiv. Dann hilft nur die Ehrlichkeit sich selbst und dem Kind.

Hey das war echt nicht in Ordnung von mir, es tut mir leid.

Vorleben, dass auch mal was in die Hose geht und Entschuldigungen keine Schande sein. Und so dann schwups, doch schon wieder das Beste fürs Kind und seine Zukunft  geben.

Familie

Lob, die kleine Schwester der Strafe – Warum Kinder kein Lob brauchen.

Lob, als Mittel um das Selbstbewusstsein zu stärken. Als Wertschätzung, zum Ausdruck der Freude. Und Lob als positive Verstärkung, wenn ein erwünschtes Verhalten gezeigt wird.
Wir, oder zumindest die meisten von uns wurden bewusst oder unbewusst abhängig gemacht von Lob. Das ist der Grund warum wir noch heute danach lechtzen und uns nicht vorstellen können, wie unsere Kinder ohne leben und glücklich werden können. Genau hier sollten wir aber genauer hinschauen. in vielen Fällen ist Lob für den Ausdruck unserer Gefühle nicht nötig. Und für unsere Kinder ist es sowieso belanglos. Kinder wollen gesehen werden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und Kinder sollten sich frei entwickeln können, ohne das ihr Verhalten bewertet wird. Ohne das sie durch Lob dazu gebracht werden dinge zu tun, die „erwünscht“ sind. Denn unsere Kinder sind gut wie sie sind.

Warum ich nicht lobe
Leben ohne Lob und Strafe – Du bist gut wie du bist.

Warum Lob für uns so wichtig ist.

Die Meisten von uns wurden von klein auf gelobt. Immer wenn wir etwas getan haben, was in den Augen unserer Eltern, Großeltern oder sonstigen Bezugspersonen gut oder wünschenswert war, dann wurde gelobt. Lob ist für uns so eine Art der Wertschätzung geworden. Ein Ausdruck der Liebe. Und dies macht Lob für uns so unverzichtbar.
Werden wir nicht gelobt schwirrt da die Sorge in unserem Kopf etwas nicht gut genug (für wen denn eigentlich?) gemacht zu haben. Nicht ausreichend zu sein. Wir haben selbst verlernt, das was wir tun als wertvoll zu sehen und benötigen die Rückversicherung über Andere . Das ist der Grund, warum das Arbeitsklima deutlich schlechter ist, wenn wenig gelobt wird. Und das ist der Grund, warum wir den Gedanken nicht los lassen können, dass auch unsere Kinder diese Art Bestätigung benötigen.

 

Kinder wollen gesehen werden!

Dabei gibt es kaum etwas, was unseren Kindern, wenn sie frisch auf der Welt sind egaler ist, als die Tatsache was Andere von ihnen halten. Kinder entwickeln sich aus sich selbst heraus. Sie fangen an sich zu drehen, zu krabbeln, zu laufen, zu sprechen und auch auf die Toilette zu gehen gänzlich ohne das sie dafür eine Anerkennung erwarten würden. Sie machen das was sie machen einzig für sich. Weil sie sich entwickeln wollen, etwas erreichen wollen und uns nachahmen.

Das einzige, was wir als Eltern machen müssen, ist unseren Kindern vor zu leben, wie das Leben „funktioniert“. Das heißt nicht, dass sie sich sofort perfekt verhalten und einfügen. Es wäre vermessen das zu glauben. Und auch einfach eine viel zu hohe Erwartung an (klein-)Kinder. So wie jedes Kind laufen lernt, wenn es dazu bereit ist, wird sich auch das Verhalten unserer Kinder sich immer mehr anpassen. Stück für Stück, immer so weit, wie unser Kind dafür bereit ist.
Wenn wir unsere Kinder nicht loben und so ihr verhalten nicht durch Bewertung beeinflussen, werden sie sich zwar nach unserem Vorbild aber trotzdem frei und ihrer Persönlichkeit entsprechend entwickeln. Die Entwicklung fußt auf den Interessen und individuellen Stärken. Die Motivation kommt von innen heraus und liegt nicht darin begründet, dass eine Bestätigung von außen benötigt wird.
Kinder wollen gesehen werden. Das ist das einzige, was sie von Geburt an wollen.
Sie möchten sich sicher sein, dass wir, ihre Bezugspersonen ihnen Aufmerksamkeit schenken, sie auf ihrem Weg begleiten und für sie da sind.

 

Bedingungslose Liebe – der Schlüssel sie zu leben

Wir alle wollen unsere Kinder bedingungslos lieben. Viel mehr noch wollen wir alle sogar bedingungslos geliebt werden.
Aber was ist nun der Schlüssel? Wie können wir bedingungslose Liebe leben, so dass sie auch als solche an kommt?
– Wir verzichten auf Lob und Strafe.
Lob und Strafe, dass sind die immer wiederkehrenden Botschaften, die ausdrücken, dass die Liebe an ein bestimmtes Verhalten gekoppelt ist. Wir als Eltern wissen, dass wir unsere Kinder lieben, auch wenn sie schlechte Noten haben, oder sich im Supermarkt schreien auf den Boden werfen. Das Problem ist, dass uns dieses Wissen nichts bringt. Denn unsere Kinder wissen das nicht. Können es gar nicht wissen. Die einzige Option die Kinder haben, ist sich an Mimik, Gestik und Aussagen der Eltern zu orientieren.
Und dadurch zeigen wir ihnen mit Lob und Strafe, dass sie in manchen Situationen, für Manches Verhalten mehr geliebt werden als für anderes.
Das Resultat sind dann wir. Strebend nach dem Lob der Anderen, als Bestätigung dafür, dass wir gut (genug) sind.

Also dürfen wir nichts mehr gut finden, was unsere Kinder machen?

Doch, natürlich! Es ist einzig die Frage des Ausdrucks. Sätze wie:
„Oh, ich sehe du ….! “
“ Ich sehe, dass du das schon allein schaffst.“
“ Magst du mir das noch mal zeigen ?“
“ Du freust dich aber das du … !“
„Ich finde es schön, dass du sich so freust, dass du … !“
oder
“ Danke für … !“
Sind nur einige Beispiele, wie wir unseren Kindern wertschätzend begegnen können. Wir zeigen das wir sie sehen, aufmerksam sind sie auf ihrem Weg unterstützen.
Wenn wir dankbar für Hilfe oder Geschenke sind, dann dürfen wir, nein müssen wir, das sagen.
Nicht zu loben heißt nicht, zu ignorieren oder keinen freundlichen und liebevollen Umgang zu pflegen.
Und ja, auch die fand die Umstellung der Sprache am Anfang enorm schwer. Viele Sätze haben wir so verinnerlicht, dass sie über die Lippen kommen ohne das wir darüber nachdenken. Mir hat es enorm geholfen bewusster zu leben und zu kommunizieren. Oft beschreibe ich erst was ich sehe, bevor ich dann tiefer einsteige und mich mit meinem Kind gemeinsam freue. Einfach weil ich noch diese kurze Bedenkzeit benötige, um die richtige weitere Formulierung zu finden.

 

Aber wenn es später sowieso mit Bewertung konfrontiert wird…

…nein, auch dann ist es nicht egal. Gerade dann ist es doch die beste Basis, wenn unsere Kinder wissen, dass sie zumindest zuhause völlig ohne Wertung so angenommen werden wie  sie sind.
Nicht jeder muss meinem Kind so begegnen wie ich, wie wir zuhause es tun. Der Bär ist regelmäßig bei seinen Omas und die bekommen das mit dem Lob, allein schon mangels Routine auch nicht raus. Das ist aber in Ordnung. Es ist nicht mein Anspruch die ganze Welt so zu verändern, dass keine Stolpersteine im Weg liegen. Viel mehr ist es mein Wunsch, meinem Sohn die nötige Sicherheit mit ins Leben zu geben, mit diesen Stolpersteine umgehen zu können. Und das Wissen, dass er hier bei uns, in seinem sicheren Hafen, seinem Zuhause geliebt wird. Immer und bedingungslos.

Kinder sollen sich frei entwickeln und bedingungslos geliebt werden
Leben- aufwachsen ohne Lob und Strafe, ohne Bewertung ist noch immer ein Privileg.

 

 

Quellen / Literatur:
– Alfie Kohn – Liebe und Eigenständigkeit
– Danielle Graf – Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn

Blogs:
Mini and Me mit Wertschätzungszone

Familie

Du bist gut wie du bist – Ein Mantra

Du bist gut, ganz genau so wie du bist.
Ein Mantra, was wir uns nicht nur im Bezug auf unsere Kinder, sondern auch für uns selbst im Kopf behalten sollten. Denn wie sollen wir eine tolerante und offene Grundhaltung leben im Umgang mit Anderen, wenn wir uns selbst gegenüber nicht auch tolerant und offen sind.

Welt mit Kinderaugen sehen.
Kindheit genießen und entdecken was es zu entdecken gibt.

Anpassungsdruck

Es ist wie es ist. Die Mehrheit von uns ist unter enormem Druck aufgewachsen. Dieser Druck fußte auf der Annahme, dass Kinder wie André Stern es sagte die „null Version“ sind und erst zu etwas Gutem gemacht werden müssen. Also wurde fleißig ran gegangen Kinder in Formen zu pressen, die gesellschaftstauglich sind und sie durch Lob und Strafen zu beeinflussen und zu erziehen, bis sie das gewünschte Verhalten zeigen.
Diesen Druck haben wir verinnerlicht. Er ist ganz tief in uns drin und bring uns immer wieder dazu, dass wir uns anpassen (wollen).

Jeder ist ANders und trotzdem gut!

Die Wahrheit ist, dass auch wir gut sind wie wir sind. Auch schon gut waren, wie wir als Kind waren. Niemand muss mit den Trends gehen, weil er dann „dazu gehört“. Wir müssen uns nicht verbiegen. Viel mehr sollten wir Wert darauf legen achtsam zu sein, mit uns selbst gleichermaßen wie mit unseren Mitmenschen. Denn sich selbst zu akzeptieren wie man ist, hat nichts mit dem Motto „Ich tu das was mir gefällt schöne Grüße an den Rest der Welt!“ , zu tun.

Und auch unsere Kinder sind gut wie sie sind. Sie kommen gut und rein auf die Welt.Mit allem was sie für ein Leben benötigen sind sie in den Grundlagen schon ausgestattet.
(An dieser Stelle mag ich noch mal auf das Interview von Jeannine mit André Stern verweisen, denn da erklärt dieser die Tatsache so wunderbar: klick )

Es ist elterliche Aufgabe

Unsere Aufgabe als Eltern besteht darin, sie liebevoll ins Leben zu begleiten. Wir sollten ihnen die Leuchttürme auf ihrem eigenen Weg sein. Eine Art Wegweiser zurück in den sicheren Hafen. Wir sind dafür zuständig unsere Kinder zu schützen, wenn sie Schutz benötigen, ihnen zu Helfen, wenn sie danach fragen und für sie da zu sein.
Kinder erlernen vieles im Laufe ihrer Kindheit und Jugend. Ganz aus sich selbst heraus, denn jedes Kind hat seine Interessen in denen es sich selbst immer weiter bilden möchte. Kinder sind soziale Wesen, die ganz automatisch versuchen sich in einer Gesellschaft so zu verhalten, dass das Zusammenleben funktioniert. Es braucht keine starren Regeln, keine Strafen und auch kein Lob um sie dort hin zu bringen.
Wir müssen den Kindern nicht erst ihre Unzulänglichkeit erklären um uns über sie zu erheben und ihnen deutlich zu machen, dass unser Verhalten das vermeintlich bessere ist.
Unsere kleinen Freigeister schauen sowieso zu uns auf und uns an. Sie nehmen sich uns als Beispiel, als Vorbild. Unser Leben, unser Alltag den wir mit unseren Kindern leben wird ihnen der größte Lehrer sein.

Wenn wir für uns mitnehmen, dass wir gut sind und es schon immer waren. Dann fällt es uns leichter auch unsere Kinder so zu sehen. Gerade weil uns selbst in der Kindheit unsere Eltern ein solches Vorbild waren, fällt es und heute schwerer alte Strukturen los zu lassen bzw. zu durchbrechen. Sicherlich ist das auch ein langer Weg. Aber vielleicht hilft uns an dieser Stelle einfach das Wissen, dass wir es unseren Kindern so später einmal einfacher machen werden.

Familie

Eigene Grenzen machen uns das Leben schwer

Grenzen, wir haben sie alle. Und irgendwann sind sie bei jedem von uns erreicht, bei manchen früher, bei anderen später. Auch unsere Kinder haben Grenzen, die in der Regel noch deutlich schneller erreicht werden, als die von uns erwachsenen, das liegt einfach daran, dass unsere Kinder noch nicht über so viele kompensations Möglichkeiten verfügen wie wir.
Ich möchte heute aber über die Elterlichen Grenzen schreiben. Wie wir dem vorbeugen können, dass sie schnell erreicht werden, wie wir damit umgehen können wenn wir sie wahren und was für Möglichkeiten wir haben wenn wir nicht weiter wissen. Ich berichte dabei aus meinem Erfahrungsschatz und möchte euch einfach perspektiven und Ideen liefern.

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Ein Spaziergang sorgt oft für Auslastung und (innere) Ruhe.

 

Vorbeugen

Damit wir ausreichend nervliche und körperliche Kapazitäten haben um unseren Kindern und ihren Bedürfnissen gerecht zu werden ist es unerlässlich, dass wir uns auch unseren eigenen Bedürfnissen widmen. Wir müssen auf unser Wohlergehen achten. Denn mittelfristig ist niemand, der nicht gut zu sich selbst ist in der Lage gut zu Anderen zu sein.
„Es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind groß zu ziehen.“ Diese Aussage bezieht sich weniger auf die verschiedenen Meinungen und Erfahrungen, als viel mehr auf die Unterstützung. Denn wenn wir immer und ausschließlich für unsere Kinder da sind, dann droht ein Erschöpfungszustand des in den meisten Fällen einen unfairen und nicht (mehr) bedrüfnisorientierten Umgang mit den Kindern mit sich bringt. Sicherlich ist es so, dass es für manche Eltern einfacher ist, da sie ein gutes Netzwerk aus Familien und Freunden schon um sich haben. Aber grundsätzlich steht allen die Möglichkeit offen sich ein solches Netzwerk zu erschaffen. Oftmals müssen wir die Hilfe die uns angeboten wird nur sehen (wollen).

Je älter die Kinder, desto mehr Freiheit gibt es auch wieder für die Eltern. Selbst wenn die Kinder zuhause sind, spiele sie evtl zeitweise allein oder zumindest selbstständig, so dass wir als Eltern uns eine kleine Auszeitgönnen können. Solche  Inseln im Alltag sind aber oft auch schon umsetzbar, wenn die Kinder noch ganz klein sind. Die Möglichkeiten sind vielfältig und reichen vom Hörspiel über Kopfhörer während der Einschlafbegleitung, über die Tasse Kaffee  auf dem Balkon während das Baby im Tuch schläft bis hin zum Sport mit Baby im Tuch/der Tragehilfe oder im Kinderwagen/Buggy. Diese Kleinigkeiten sind Booster für uns und unsere Nerven.

 

Grenzen wahren

Manchmal, aber glaubt mir deutlich seltener als wir meist im ersten Moment denken, gibt es persönliche Grenzen die nicht überschritten werden sollen. Diese Grenzen werden wir nur finden, in dem wir reflektieren und immer wieder hinterfragen. Denn das meiste, was wir im ersten Moment für einen solche persönliche Grenze halten, ist in Wahrheit dann doch nur ein anerzogener Glaubenssatz.   Wenn wir dann aber nun doch an eine dieser Grenzen gestoßen sind, wie können wir sie wahren?

Das A und O hierbei ist die Kommunikation, wir können unseren Kindern sagen, dass wir etwas nicht möchten. Und wir können uns selbst schützen. Ertragen wir eine Lautstärke zum Beispiel nicht, dann können wir mit Ohropax oder Kopfhörern arbeiten. Oder wir verlassen einfach den Raum. Und manchmal da müssen wir auch einfach kommunizieren, dass etwas so bitte nicht gemacht wird. Dies sollte allerdings wirklich äußerst selten der Fall sein. Wir können auch hier wieder kurz erklären warum. Gerade Kleinkinder können diese Erklärung aber selten wirklich nachvollziehen und werden mit Trauer oder Wut reagieren. Das ist normal und in Ordnung. Auf keinen Fall sollten wir diese  Emotionen klein reden oder unseren Kindern das Recht absprechen so zu empfinden. Unsere Aufgabe ist es in diesen Fällen unsere Kinder liebevoll und emphatisch zu begleiten und für sie da zu sein.

 

Auswege

Und trotz allem werden wir (vermutlich) immer wieder an den Punkt kommen, an dem wir sprich wörtlich kurz davor stehen uns zu vergessen. Vielleicht waren die letzten Tage besonders anstrengend. Vielleicht haben wir vergessen oder nicht die Möglichkeit gehabt uns ausreichend um uns selbst zu kümmern. Egal wie oder warum. Es ist an uns als Eltern die Situation zu lösen OHNE uns zu vergessen.

Jesper Juul Zitat

Wege gibt es da vielfältige. Manchmal reicht es eine kleine, kurze Meditation zu machen, bei der man sich von dem „Wirbelsturm“ los macht und sich ruhig im Auge des Orkans sammelt. Manchmal hilft es auch den Raum kurz zu verlassen oder gleich mit samt Kind in eine Andere Situation zu gehen. Von drinnen nach draußen, aus dem Wohn- ins Kinderzimmer, von Zuhause auf den (indoor-)Spielplatz. Dies sorgt in der Regel effektiv für Entspannung der Lage. Vielleicht habt ihr aber auch einfach eine Freundin die ihr anrufen könnt nur um euch bei ihr aufregen und von ihr beruhigen lassen zu können.

 

Wenn es doch mal in die Hose geht…

und wir unfair werden unsere Kinder anranzen oder laut werden. Dann bleibt uns nur der Weg uns zu entschuldigen, ehrlich und authentisch. Wir haben etwas getan, auf einen Art regiert die nicht richtig ist. Die wir in unserem Umgang miteinander nicht haben wollen und das können wir unseren Kindern auch ruhig so sagen. „Entschuldigung, dass war nicht richtig von mir. Es tut mir leid!“  – Auch so leben wir unseren Kindern gutes Miteinander vor. Fehler passieren und es ist richtig und wichtig sich dann auch zu entschuldigen.

Familie

Kinder wollen Kooperieren

Kinder sind und waren schon immer auf ihre Eltern, auf Erwachsene, angewiesen um zu leben und zu überleben. Und das wissen Kinder. Sie wissen um diese Abhängigkeit und sind allein schon auf dieser Grundlage gewillt zu Kooperieren und ein gutes Miteinander zu fördern.

Father and son
Kooperieren ist immer ein aufeinander zugehen

Kooperation ist niemals einseitig

Der Ein oder Andere mag nun mit den Augen rollen. “Und warum macht mein Kind dann so oft nicht das was ich will?” – Tja, das ganze ist etwas komplexer.
Kinder haben nämlich noch etwas, was den meisten von uns erfolgreich aberzogen wurde. Sie wollen vor allen Dingen das es Ihnen gut geht und sie glücklich sind.
Dafür ist es zwangsläufig nötig zu versuchen die eigenen Bedürfnisse und Wünsche um zu setzen.

Kinder wollen, können und dürfen nicht die Verantwortung für unser Wohlergehen tragen. Wenn mein Kind für mich zu laut ist darf ich das kommunizieren, aber gleichzeitig ist es meine Aufgabe dann dafür zu sorgen, dass ich vor der Lautstärke geschützt werde – Raum verlassen, Ohropax oder ähnliches. Wenn man anderswo zu Besuch ist kann man natürlich etwas vermitteln, und alternativen bieten, grade dann sollten sie Kinder aber die Möglichkeit haben, sich auszuleben und auszuprobieren.
Leben ist lernen und je mehr wir unsere Kinder einschränken, desto mehr werden sie in ihrer Entfaltung und ihrer Möglichkeit zu lernen beschnitten.

Kinder sind ganz von sich aus in vielen Fällen bereit zu Kooperieren. Helfen im Haushalt, reichen Gegenstände an, lassen sich um oder anziehen auch wenn sie ihnen der Sinn vielleicht gar nicht wirklich erschließt. Leider ist es in unserer Gesellschaft so, dass diese kleinen alltäglichen Kooperationen gar nicht wahrgenommen werden, viel mehr werden sie grundsätzlich erwartet und als selbstverständlich betrachtet. Wir erwachsenen leben unser Leben und unseren Alltag und schleppen, salopp gesagt, unsere Kinder einfach mit. Wie viel Kooperation das von ihnen abverlangt wird über sehen, stattdessen wird immer mehr und mehr verlangt. Aber auch Kinder sind mal „satt“ und können nicht mehr, wollen nicht mehr. Kinder müssen auch noch Kinder sein, spielen, Spaß haben und sich entfalten.

Wie oft wir Kooperation als selbstverständlich nehmen

Der typische Tag eines Kleinkindes beginnt damit, das es geweckt wird und unter Zeitdruck fertig gemacht wird für den Tag. Wie gern es noch im Bett gekuschelt oder eine Runde gespielt hätte ist egal. Dann geht es in die Kita , dort gibt es viele Regeln, permanenten muss sich mit anderen ausgetauscht und Rücksicht genommen werden. Klar, es gibt viele Spielmöglichkeiten aber es ist eben doch stressig. Mittags soll dann geschlafen werden, wann eben die Schlafenszeit ist, nicht wenn man das Kind müde ist, ruhig hinlegen ist obligatorisch. Mittag gibt es was bestellt wurde, ist halt so. Nachmittags wenn die Kinder heim gehen dürfen Sie Zuhause spielen, aber bitte nicht so laut und nicht so wild. Alles mögliche ist gefährlich oder kann kaputt gehen und am Abend wollen Mama und Papa mal Feierabend haben und darum geht es bitte zeitig ins Bett.

Bevor ihr aufschreit, ich habe es absichtlich etwas überspitzt, damit allen klar wird was ich meine.
Kinder stehen quasi 24 Stunden unter dem Anspruch zu Kooperieren und sich an zu passen. Und Kinder wollen Kooperieren, wirklich! Aber es funktioniert nicht unter diesem enormen Anspruch. Kann es gar nicht denn das was auffällt ist immer das negative, dann wann es nicht klappt. Fast nie aber haben wir den Blick für die etlichen Kooperationen die unsere Kinder täglich leisten.

Sehen wollen

Versucht eure Aufmerksamkeit mehr auf das positive zu lenken als auf das negative. Seht eure Kinder, seht wirklich hin und erkennt wann eine Auszeit nötig ist. Bietet Möglichkeiten fürs freie Ausleben, Zuhause ist nicht nur ein Ort wo wir uns wohl fühlen sollen, sondern auch unsere Kinder. Wir leben da gemeinsam, es sollte für alle angenehm sein. Das startet bei einer Ja-Umgebung und hört bei Wahl wie viel Kleidung wir tragen wollen noch lange nicht auf. Lebt und lasst leben. Und vergesst am Ende nicht, das auch Kooperation auf Gegenseitigkeit beruht, wir können nichts von unseren Kindern erwarten, was wir Ihnen gegenüber nicht auch leben.