Bedingungslose Liebe muss gelebt werden

Bedingungslose Liebe – egal welche Eltern wir fragen, wir würden doch nahe zu überall die Antwort bekommen, dass das (eigene) Kind bedingungslos geliebt wird.
Und trotzdem wird diese Liebe, dann im Alltag an so vieles geknüpft. Es wird ein bestimmtes Verhalten erwünscht und erwartet und um unsere Kinder dazu zu bewegen, werden sie mit dem höchsten Gut erpresst. Unserer Liebe zu ihnen.

Du bist gut wie du bist.

Bedingungslose Liebe!

Die Realität

Wenn ich auf dem Spielplatz in der Krabbelgruppe oder sonst wo zu meinem Sohn sage : „wenn du xy nicht tust, dann hat die Mama dich nicht mehr lieb“, dann würde ich (zum Glück!) wohl inzwischen viele empörte Blicke ernten. Durch das System, wie die meisten Familien (noch) funktionieren, ist eine solche Aussage allerdings überhaupt nicht nötig um dem Kind aber genau das zu suggerieren.
Wird ein erwünschtes Verhalten gezeigt, wird gelobt, freundlich interagiert und reagiert. Wird unerwünschtes Verhalten gezeigt, gibt es einen Tadel, wird sich zurück gezogen, folgen emotional abgekühlte, oder unterkühlte Interaktionen.
Es zeigt dem Kind nonverbal, dass es nicht, oder nicht so sehr geliebt wird.

Vor ein paar Tagen habe ich bei Mini and Me auf dem Blog ein tolles Interview mit André Stern gesehen. Dieses Interview hat mich, zugegeben in einem emotionalen Moment erwischt, einige Tränen vergießen lassen. Denn noch nie war mir davor so deutlich klar geworden, woher meine Unsicherheit, die ich in mir trage rührt und noch nie war mir so deutlich geworden, worin ein großes Problem meiner Kindheit und Jugend lag.
„Du bist gut so wie du bist“, ist eine der Kernaussagen des Interviews. Unseren Kindern genau das zu vermitteln, zu zeigen, es zu leben, dass ist neben dem Vorbild sein unsere Hauptaufgabe als Eltern.
Und genau da liegt der Hase im Pfeffer.

Sagen und Leben ist ein Unterschied

Es gab, in meiner Zeit als Teenager, etliche Gespräche die immer wieder darauf endeten, oder damit anfingen, dass ich meinen Eltern vorwarf mich nicht zu lieben, oder nicht genug zu lieben. Gleichzeitig bestritten diese das vehement.
Heute, viele Jahre später weis ich, dass beide Standpunkte ihre Berechtigung hatten, oder haben.
So waren sich meine Eltern, wie so viele andere Eltern früher und heute, ihrer Liebe zum Kind bzw. zu den Kindern absolut bewusst. Ihnen selbst war klar, dass sie ihre Kinder lieben werden, ganz egal was passiert.
Transportiert wurde aber das genaue Gegenteil.
Um die Kinder zu erziehen, um ein gewünschtes Verhalten oder eine gewünschte Leistung hervor zu rufen wurde, zumindest non verbal immer wieder signalisiert, dass die Liebe an bestimmtes Verhalten geknüpft ist. Es ist dabei völlig egal, wie oft verbal etwas beteuert wird, was dann aber im Alltag völlig anders gelebt wird.

Wie ihr seht, ich lebe noch. Dennoch wäre ein gleiches Verhalten mit der Aussage „hat mir ja auch nicht geschadet“ mehr als falsch. Und wenn ich mich hier, heute so umschaue, dann sind viele die das behaupten nur noch nicht bereit, selbst die Augen zu öffnen um zu sehen, was die Erziehung wirklich so bewirkt und mit uns gemacht hat. Vielleicht auch zum eigenen Schutz? Wer weiß.

Was möchte ich für mein Kind?

Für mich bleibt aber die Frage, was ich nun für mein eigenes Kind möchte. Was möchte ich ihm mit auf den Weg geben, welches Gefühl möchte ich vermitteln?
Die Antwort ist klar! Bedingungslose Liebe, genau so gelebt, genau so transportiert. So, dass es nicht nur „leere Worte“ sind, sondern das diese Liebe greifbar ist, für ihn. Das er sich ihrer sicher sein kann!
Und das ist, könnt ihr mir glauben, gar nicht mal so einfach wie gedacht. Zumindest für mich nicht. Denn man selbst, ich selbst, bin auch durch meine Kindheit und durch vorgelebtes Verhalten geprägt.
Und in Situationen, die stressen, da rutschen manche solcher über Jahrzehnte vorgelebte Verhaltensmuster einfach durch. Und dann hinzusehen und sich selbst, so wie dem eigenen Kind ein zu gestehen, dass das nicht das Verhalten ist was man an den Tag legen möchte, es falsch war so zu reagieren, das kann wirklich weh tun. Aber gleichzeitig ist es ehrlich und authentisch. „Diese Verhalten, war nicht meins, war nicht wie ich bin und wer ich sein möchte, es war der Spiegel meiner Kindheit und es tut mir leid!“

Wir können, sollten, ja wir müssen uns sogar bei unseren Kindern entschuldigen, wenn wir etwas anders gemacht haben als wir es wollten. Nur so können sie verstehen, dass unser Verhalten unbeabsichtigt war. Und nur so können wir ihnen vorleben dass auch das Menschlich ist und es gut, richtig und wichtig ist, damit offen umzugehen, sich Fehler einzugestehen und andere Menschen um Verzeihung zu bitten.

Liebe dein Kind dann am meisten, wenn es das (nach landläufiger Meinung) am wenigstens verdient hat. – Denn zum einen braucht es diese Liebe dann am meisten. Und zum Anderen schaffst du es so am ehesten, auch wenn du es selbst anders erlebt hast, deinem Kind auch in diesen schwierigen Situationen mit spürbarer, bedingungsloser Liebe zu begegnen.