Beziehungsorientierte Elternschaft – Mein Kind ist so viel Wert wie ich!

Beziehungsorientiert und bindungsorientiert ist leider noch lange nicht normal.

Unlängst wurden mein Mann und ich im Garten von unseren Nachbarn angesprochen. Sie würden sich immer freuen, wenn sie uns beim Umgang mit dem kleinen Bären beobachten können.

Hä?

Mein Mann fragte dann auch, wieso – bzw. was gemeint wäre?  Die Antwort war so simpel wie unerwartet. Es freut sie einfach zu sehen und zu hören wie höflich und wertschätzend wir mit ihm umgehen und sprechen.

Im ersten Moment war mein Gedanke:’Ja, ich finde es auch manchmal anstrengend hier in der Gegend anderen Eltern zu zuhören.‘ Allerdings kam dann recht schnell die Erkenntnis, was diese Aussage, abgesehen von der Wertschätzung uns gegenüber (Danke an dieser Stelle) , eigentlich vermittelt. Nämlich, dass es ganz offensichtlich in der Gesellschaft etwas besonderes oder aber zumindest nicht alltägliches ist, mit seinem Kind auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Was machen wir da eigentlich ?

Im Volksmund schimpft sich das ganze „unerzogen“. Das meint, dass man seine Kinder eben so nimmt wie sie sind. Sie nicht versucht zu Formen und durch Lob oder Strafe in vorgesehene Handlungsmuster oder Verhalten presst. Viel eher wird eben positiv vorgelebt. Bei Problemen Verständnis gezeigt und emphatisch begleitet.  Eben mit dem Kind ein Umgang gepflegt, wie man ihn selbst für sich auch möchte.

Ich persönlich finde den Begriff unerzogen in so fern ungünstig, als dass er allgemein immer mit schlechtem Benehmen assoziiert wird (was natürlich falsch ist). Daher wähle ich oft lieber den Begriff beziehungsorientiert, das erscheint mir weniger behaftet mit Vorurteilen.

In der Interaktion und Kommunikation mit meinem Sohn achte ich also darauf, dass ich ihn immer als Mensch, mit seinen Bedürfnissen und Wünschen wahr nehme. Ich nehme ihn ernst und behandle ihn so, wie ich in der selben Situation auch behandelt werden möchte bzw. ich auch meinen Partner behandeln würde. Ich bleibe dabei zu jedem Zeitpunkt authentisch und kommuniziere klar, wenn ich etwas nicht möchte. Ohne dabei allerdings unfair zu werden. Ist er dann frustriert zeige ich Verständnis und begleite ihn in seinem Frust. Ich stelle keine „Regeln“ auf weil „man“ etwas halt so macht. Ich bestraft nicht und ich erpresse auch nicht. Teilweise fällt mir das alles noch etwas schwer, was vor allem daran liegt, dass ich als Kind sehr wohl erzogen wurde und sich einige Aussagen oder Handlungen derart einprägen, dass man gern in solche zurückfällt. Ganz sicher bin ich auch keine Heilige und verliere auch mal die Geduld und sage meinem Sohn, dass ich so nicht mehr kann und möchte und das es zu viel ist für mich. Aber wie heißt es so schön, der Weg ist das Ziel. Und ich gebe mein Bestes einen guten Weg für uns zu finden.

Aus dem Familienkalender von Jesper Juul