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Familie

Brainsmart – Wie das Gehirn unbewusst Verhalten beeinflusst

Kindliches Verhalten beeinflussen
Was so ziemlich alle Eltern gemeinsam haben ist, dass sie früher oder später ihr Kind anschauen und etwas in der Art denken wie “Was ist denn nur in dich gefahren?” ( und das ist noch die Nette Formulierung. Wir würden unser Kind gern verstehen, können uns aber keinen Logischen Reim auf SO EIN Verhalten machen.
Wenn wir verstehen, wie das Gehirn unbewusst das Verhalten unserer Kinder ( und übrigens auch unser eigenes) beeinflusst, bringt uns das eine empathischen Reaktion oft sehr viel näher.
Wir können unserem Kind adäquat(er) helfen die Situation zu bewältigen. Und ihnen sowie uns so die Zukunft erleichtern.

Was das kindliche Gehirn prägt

Ich lese immer wieder, dass Lotus-Babys ruhigere und ausgeglichenere Kinder sind.
Ich denke, dass das weniger an der Trennung bzw. nicht Trennung von der Plazenta liegt, als an der Geburt und Geburtsatmosphäre.
Wusstet ihr zum Beispiel, dass sich Stress und Angst der Mutter auch auf der Gehirn des ungeborenen auswirkt?
Vor allem Stress unter der Geburt spielt nachweislich eine große Rolle, was das kindliche Gemüt betrifft.
Ich möchte damit nicht behaupten, dass Kinder die zuhause in Ruhe und guter Begleitung geboren werden per se ruhiger sind, als solche denen durch eine interventionsreiche Klinik Geburt auf die Welt geholfen wurde.
Denn Kinder sind Menschen – und Menschen sind nun mal verschieden.
Die einen ruhiger, die anderen aktiver. Das ist gut und wichtig.
Unabhängig vom grundsätzlichen Charakter beeinflusst pränataler Stress aber die Fähigkeit des Gehirns postnatal mit Stress um zu gehen.
Und ehrlich gesagt ist so eine Neugeborenen Situation verdammt stressig: plötzlich hell, plötzlich laut, plötzlich kalt – Hunger, Durst, ich muss mal.
Wat’n Stress!
Ein Limbisches System im Gehirn, was schon vor der Geburt immer wieder massivem Stress ausgesetzt war, wird nun also auch postnatal empfindlicher auf Stressoren reagieren.
Das liegt auch daran, dass der zuständige Bereich im Gehirn die Amygdala durch lange Reizung sogar bis auf die doppelte Größe anwachsen kann.
Faszinierend.
Und beängstigend.
Denn letztlich kann ich für die Umstände unter denen ich meine Schwangerschaft erlebe manchmal nichts.
Und für den Ablauf der Geburt meist noch weniger.
Schade ich also vielleicht meinem Kind?
Das gute ist, dass unser Gehirn auch lernen kann, verschiedene Situationen nicht mehr als Gefahr oder Stressor zu sehen.
Es lernt den Umgang damit nicht zuletzt auch durch unsre Hilfe.
Und so interessant ich das Wissen finde, in wie weit die Zeit VOR der Geburt eine Rolle bei der Stressanfälligkeit spielt.
So sehr denke ich, das wir uns als Eltern immer darauf konzentrieren sollten was wir verändern und beeinflussen können.
Manches mal KANN das der Stress sein, den wir in der Schwangerschaft oder unter der Geburt ausgesetzt sind.
Oft ist es aber vor allem der Umgang mit unserem Kind, dem wir helfen können mit Stressoren besser um zu gehen.

Der Mensch ist ein gewohnheits Tier

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An dieser Aussage ist mehr dran, als wir uns oft eingestehen wollen.
Wege die wir oft gehen sind gut begehbar.
Andere eher zugewachsen.
Je öfter wir sie gehen, desto besser werden sie für uns begehbar.
So ist es bei den etlichen Trampelpfaden im Wald bei uns.
Und auch in unser aller Alltag mit verschiedenen Verhaltensmustern.
Jemand der täglich abends durch das Waschbecken wischt, tut das so routiniert, dass es kaum mehr auffällt oder aktiv wahrgenommen wird.
Genau so ist es bei jemandem, der immer seine Wäsche quer durchs Haus herum liegen lässt.
Und das gilt auch für Kinder.
Ein kleines Kind, was hinterlaufen als ein Fang-Spiel kennt, wird auch auf die Straße Laufen wenn wir versuchen es durch schnelles heran eilen genau davon abhalten wollen.
Und wer verinnerlicht, dass sofortiges Schreien hilft mit Stress umzugehen, wird dies durch sein leben tragen.

Verhalten verändern ist normal

Es gibt immer wieder Muster und Aktivitäten die für uns eine Zeit lang passen. Und dann vielleicht irgendwann nicht mehr.
Als Single 1x pro Woche auf zu räumen und sonst alles liegen zu lassen wo man geht und steht mag funktionieren. Mit Familie ist das der Garant dafür, im Chaos zu versinken.
Genau so ist es auch für unsere Kinder.
Beim Aufräumen, den Arbeiten im Haushalt, beim einschlafen oder Umgang mit Stress.
Und während für viele das Einschlafstillen oder Einschlaftragen lange ein fester Bestandteil ist, kommen die meisten eines Tages an den Punkt, an dem das aus Sicht der Eltern nicht mehr möglich oder gewollt ist.
Dann wird es Zeit für einen anderen Trampelpfad.
Mal links abbiegen statt rechts.
Sich auf diesem neuen Weg vor zu kämpfen kostet vermutlich beim ersten Mal Zeit, Kraft und Nerven.
Ist schließlich sehr verwuchert.
Aber von mal zu mal wird es besser.
Bis ihr nach einer Woche spielerisch den rechten Weg nehmt und links schon erste Ranken über den ehemaligen Trampelpfad wachsen.
Wie wir das Verhalten unserer Kinder durch brainsmarte Kommunikation beeinflussen können

Wie wir “neue Trampelpfade” – anderes Verhalten etablieren

“Denk nicht an den Rosa Elefanten!”
Oder – warum die Formulierung ein wichtiger Baustein ist.
Wann immer wir beschwörend und eindringlich unseren Kindern „tu dies nicht und tu das nicht“ ins Ohr flüstern, durch den Raum brüllen oder vor unterdrückter Wut zischen, vielleicht aber auch Kur völlig normal sagen passiert etwas ähnliches.
Und dabei ist tatsächlich das Alter des Kindes weniger wichtig.
Wir legen den Fokus auf ein unerwünschtes Verhalten. Holen dieses – meist unterbewusste Handeln so immer wieder ins Bewusstsein und sorgen so dafür (unabsichtlich, klar!), dass die Kinder genau dieses Verhalten immer und immer wiederholen.
Schlicht darum, weil es in ihrem Kopf so präsent gehalten wird- und das NICHT aus der Anweisung irgendwo im Hintergrund verschwimmt.
Als Widerstand und Absicht oder Ignoranz gewertet führt es dann oft zu Rüge oder Strafen.
Bei reflektierten sehr gefassten Eltern vielleicht aber mindestens zu Verzweiflung und Selbstzweifeln.
In der Theorie ist die Lösung so simpel – im Alltag bedeutet sie allerdings oft viel Bewusstsein und Reflexion.
So hilft es unseren Kindern, wenn wir ihnen statt dessen immer wieder das Verhalten sagen, was wir uns von ihnen wünschen.
Das funktioniert mit „bitte sag Bescheid wenn du Hilfe brauchst“ statt „Schubs deinen Bruder nicht einfach weg” beim Bären übrigens ebenso gut, wie mit “du kannst etwas zu essen oder zu trinken haben” statt “ich möchte jetzt nicht stillen” beim Igel.

Und das funktioniert?

Nein, grundsätzlich sind Kinder Menschen und somit kleine Individuen. Sie funktionieren nicht. Es gibt keine Bedienungsanleitung und es gibt weder eine Garantie – noch wird das gleich beim ersten Mal funktionieren. Aber die Erwähnung dessen, was die bessere Alternative ist, wird sich durch die Wiederholungen immer mehr verinnerlichen. Und dann auch (besser) funktionieren.
Wir malen quasi so, jedes mal den Pfeil beim Abzweig der Trampelpfade an den neuen “besseren” Weg. und können so das Verhalten der Kinder beeinflussen.
Quelle: Als Grundlage für diesen Text diente mir folgendes Buch Hirnzellen lieben Blindekuh von Anette Prehn*

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