Der verkümmerte Mutterinstinkt – es geht eben nicht nur nach Bauchgefühl!

Ich war am Samstag Gast bei Freefamily4Real in Berlin.
Die liebe Olivia , hat dort ein tolles Event auf die Beine gestellt was neben etwas exklusiver Mamazeit enormen Mehrwert und Inspiration geboten hat. Natürlich schon allein durch den Austausch ansich, aber eben nicht zu letzt auch durch die tolle Podiumsdiskussion mit Nora Imlau. Was ich aus dieser Diskussion mitnehmen konnte versuche ich heute für euch in einen Artikel zu bringen. Es geht um den verkümmerten Mutterinstikt und seine Tücken.

Hoch gelobtes Bauchgefühl

Aktuell, vor allen im Social Media Bereich liest man es zu Hauf. Aussagen wie: „Nicht nach Schema X oder Buch Y solltest du deinem Kind begegnen. Sondern nach deinem Bauchgefühl, deinem Mutterinstinkt, der wird dich schon richtig leiten.“
Und ich verstehe und mag den Gedanken dahinter. Es soll Mütter wieder näher zusammen bringen, Seele streicheln, sich gut anfühlen und bestärken. Genau so schwierig und leider schlicht falsch finde ich diese Aussage.

Mutterinstinkt oder doch erlernt?

Wir Menschen sind ziemlich kontrollierte Tiere, wir haben wenig Instinkte, die noch wirklich durch kommen, und auch der Mutterinstinkt ist sehr gering ungeprüft. Wir wissen instinktiv das wir uns um unser Kind kümmern müssen, ihm Milch geben müssen… und damit ist das Ende der Fahnenstange erreicht.
Alles was darüber hinaus geht, ja allein schon die Tatsache WIE wir unsere Kind Milch geben ist angelerntes Verhalten. Wir schauen es uns in unserem Umfeld ab, verinnerlichen es und denken dann “hey das ist unser instikt” … leider nein!
Uns die Tatsache dass das so ist, ist nicht per se schlecht. Sie macht uns flexibel. Nora sagte es so schön : sie macht das die Mama am Polarkreis lernt, sie muss ihr Kind alle paar Stunden stillen und warm einpacken und die Mutter in Afrika , dass sie ihr Kind bald alle 15 Minuten stillen sollte und Kleidung eher unwichtig ist. Das ist kein Instinkt, das ist erlernt!

Der Trugschluss

Und das bringt uns dann schon zu der Problematik mit der oben genannten Aussage. Denn wenn ich vorgelebt bekommen habe, dass Kinder weinen müssen, schlafen lernen müssen, nur alle 4 Stunden Nahrung bekommen dürfen, dann sind das die Infos, die auf unserem Bauchgefühl Memory Stick gespeichert sind und die dann angerufen werden wenn wir Kinder haben. Die ein oder andere Mama fühlt sich nicht wohl dabei, denkt dann aber das muss schon so sein. Und noch eine andere fängt sich aufgrund des Unwohlseins dann an um zu schauen. Bücher, Blogs und andere Quellen zu befragen- ob oder wie es anders gehen kann. Aber nur weil es auch viele Mütter gibt, die sich nicht unwohl fühlen dabei, die das ja für völlig normal halten, heißt es nicht, dass das auch gut oder gar das Beste für das Baby/Kind ist.

Und wer jetzt denkt, dass wir doch schon wieder weit davon weg sind, dass Kinder schreien gelassen werden, im eigenen Zimmer schlafen müssen oder nur nach der Uhr mit Nahrung versorgt werden dem muss ich leider die Illusion nehmen.
Ja wir sind auf dem Weg, auf einem Guten sogar. Aber noch lange, lange nicht so weit wie es zu wünschen wäre. Das erlebe ich leider jeden Tag.
In Städten ist es oft (nicht immer) schon etwas aufgeklärter… aber grade bei uns auf dem Dorf? Da steckt bei vielen noch das Schema F in den Knochen… einfach weil man es nur so kennt, nur so vorgelebt bekommen hat und viel schlimmer auch aktuell immer noch von den Eltern und/oder Großeltern gesagt bekommt.

Wie es dazu kommt, dass unsere Eltern und Großeltern diese Ansicht haben, und wie es denn eigentlich war, möchte ich im nächsten Beitrag berichten, das würde sonst den Rahmen sprengen.