Downphase um den 6. Monat- der “Abstill-Schub”

Ich hatte diese Phase schon wieder vergessen. (Ja genau dafür ist die Mamademenz nämlich gut.) Die fiese Zeit um den 6. Lebenamonat des kleinen Bären. Laut „Oh je ich wachse!“ Findet in dieser Zeit der Schub der Beziehungen statt. Er zeigt sich oft durch folgende Anzeichen: das Baby weint öfter und schneller, es verlangt mehr Zuwendung, es ist launisch, es ist nur sehr selten zufrieden und (das ist nun der wichtigste Punkt!) es schläft und isst schlechter.

Wie es für uns war…

Das Baby schläft also schlechter… plötzlich gibt es viel zu verarbeiten. Die Babys fangen in diesem Schub an ihre Umwelt räumlicher wahr zu nehmen. Sie stellen fest, dass sie selbst nur ganz klein sind und viele Dinge die sie vielleicht sehen oder anfassen wollen noch unerreichbar sind. Das alles wird von Babys zu meist abends oder in der Nacht verarbeitet. Das Ergebnis ist, dass sie häufiger wach werden, Abends sehr schlecht in den Schlaf finden oder sogar im Schlaf weinen.

Gleichzeitig sind bei Mama die „Hallo Baby „- Hormone inzwischen nicht mehr so stark vorhanden und der Schlafmangel fällt deutlich mehr ins Gewicht als in den ersten Lebensmonaten. Viele Mamas sind kurz vorm verzweifeln. Nicht umsonst ist Schlafentzug auch eine erfolgreiche Foltermethode. Ich erinnere mich noch gut wie ich , als überzeugte BLW und Still Mama in dieser Zeit überlegt habe einen Abendbrei einzuführen. In der Hoffnung, der kleine Bär würde dann besser ein- und länger am Stück schlafen. Tatsächlich habe ich es sogar probiert – mit einer Kombination aus Haferflocken und Obstpüree, geholfen hat es nicht.(Wen wunderts) stattdessen wurden abends 150g „Brei“ mit Hingabe gefuttert und anschließend wurde bis zu 2 Stunden Einschlafgestillt und dann etwa alle 1,5 bis zwei Stunden. Die ganze Nacht durch.

Wenn man es im Nachhinein bedenkt ist das auch wenig verwunderlich. Denn Tags betrug unsere Stillzeit pro Mahlzeit selten mehr als 2 Minuten, dann waren schon wieder andere Dinge wichtiger. Das ist also der zweite wichtige Punkt…

Sie essen schlechter.

Unter Stillberatern heißt diese Phase auch gern mal „Brust Schrei Phase “ und kennzeichnet sich dadurch, dass die Brust sobald sie ausgepackt wird angebrüllt wird, statt wie sonst einfach daraus zu trinken. Die Babys wollen einfach so viel sehen, lernen und in sich aufnehmen, dass sie „keine Zeit“ zum Stillen haben. Beim Stillen sieht man als Baby viel zu wenig, es ist zu langweilig… darum wird erst mal geschrien. Die Lösungsmöglichkeiten sind vielfältig. Die einen stillen in einem Dunklen und ruhigen Zimmer wo das Kind nicht den Anreiz hat, anderes entdecken zu wollen. Die Anderen, wie ich zum Beispiel wandern stillend mit dem Kind durch die gegend. Ich habe zu der Zeit – abgesehen von nachts fast ausschließlich laufend gestillt. In der Wohnung hatte ich ihn dabei im Arm und lief quer durchs Erdgeschoss, wenn ich draußen unterwegs war hatte ich ihn im Tragetuch und habe ihn so im Tuch gestillt während wir spazieren gegangen sind.

Per se ist dieses Verhalten also eine Phase und kein Abstillgrund. Deshalb war es mir so wichtig diesen Artikel zu schreiben. Ich kenne einige Mütter, denen diese Zeit noch bevor steht. Jetzt bald oder auch in etwa einem halben Jahr. Und es ist kein Abstillgrund und euer Baby hat sich dann auch nicht „allein abgestillt“ wie es so gern online dargestellt wird. Wenn es euch aber einfach nicht mehr gut geht mit dem Stillen dann steht es natürlich jedem frei abzustillen. Das sollte nicht verurteilt werden und jeder der 6 Monate gestillt hat kann schon sehr stolz darauf sein. Für mich persönlich kam Abstillen allerdings nie in Frage. Warum weiß ich selbst nicht genau. Es war einfach immer der Gedanke „so lange mein Baby Milch möchte und benötigt wird gestillt“ – als gäbe es keine Alternative. Und aktuell bin ich da auch (noch) sehr froh drüber!