Loading...
Familie

Eine “JA-Umgebung” schaffen

Es ist so weit, das Baby wird mobil und wir sind furchtbar stolz. Vor allem auf uns selbst schließlich hatten wir nach dem dieses Bündel plötzlich in unseren Armen lag vor allem erstmal angst, dass wir etwas kaputt machen oder uns nicht gut genug kümmern.
Jetzt haben wir es aber tatsächlich bis hier hin durch gebracht und es ist eine Art beginnende Selbstständigkeit zu erkennen.
Abgefahren!
Was zum Teufel das nun mit der “Ja-Umgebung” auf sich hat und warum sie für Eltern und Kind wichtig ist möchte ich hier näher beleuchten. Und wer nach dem ersten Kind denkt “alles gar kein Thema, kann ich ja schon” wird sich, wie ich beim zweiten umgucken, wenn da plötzlich überall kleinteiliges Spielzeug vom älteren Kind rum fliegt.
Wie da die Balance finden, zwischen den verschiedenen Bedürfnissen der Kinder?

Mein Garten, mein Hof, mein Haus …

Wir Frauen haben es in 80 % der Fälle echt gut. Unser Partner lässt uns was Deko und Einrichtung angeht oft schalten und walten wie wir wollen.
Luxus.
Das Problem: kommt da dann plötzlich so ein kleiner Mensch dazu, dann verändert sich das ein bisschen. Dieser hat an die Räumlichkeiten nämlich etwas andere Ansprüche.
Das heißt nicht, dass er unsere Kerzen bestückten Laternen und die vielen Pflanzen nebst Playstation und co. nicht auch super findet.
Aber eben auf eine andere Art als wir. Für die kleinen Menschen ist ALLES erst mal Spielzeug, was es zu entdecken gilt.
Kinder sammeln auf diese Art Erfahrung, nicht zuletzt auch darin, wie Gegenstände wirklich zu benutzen sind. Daher ist dieser Forscherinstinkt richtig und wichtig.
Nur leider kostet das meist unsere Deko das Leben und ist im Zweifel auch nicht ganz ungefährlich für unser Kind.
Wir müssen uns davon verabschieden, dass nur wir hier bestimmen wie es aussieht. Auch unser Kind wohnt hier mit uns, und das war immer UNSERE Entscheidung, dass das so sein wird.
Also müssen wir auch schauen, wie das vereinbar ist.

Nein, Nein, lass das

Wir können natürlich unseren Tag- unsere nächsten Tage, Wochen und Monate damit verbringen, ständig “Nein” zu sagen.
Am Ende sind wir genervt und unser Kind frustriert.

Wir sind genervt, weil wir permanent in “Hab-Acht” Stellung sein müssen, um unsere Einrichtung vor dem Kind und das Kind von den Gefahren der Einrichtung zu schützen.
Und unser Kind ist frustriert, weil es in seinem natürlichen Entdecker Drang eingeschränkt wird und nichts tun darf was “Spaß” macht.

Diese Situation belastet unsere Beziehung und ist für niemanden förderlich.

Nein – als bedeutungsloses Wort

Es ist völlig egal, wie oft ich zu einem 6 Monate alten Kind “nein” sage, es versteht schlicht und ergreifend nicht, was gemeint ist.
Nein ist erstmal nur ein Wort, ohne Bedeutung.
Das Nein heißt, dass das Kind etwas nicht machen soll, lernt es erst dadurch, dass wir es in dieser Situation synchron mit dem “nein” auch von dem was es tut entfernen/es unterbinden.

Hat es später die Bedeutung des Wortes gelernt, hört es aber im 10 Minuten Takt immer wieder, verliert es wiederum an Bedeutung, denn es wird inflationär genutzt. Wenn dann ein “Nein” wirklich wichtig ist, wenn es zum Beispiel darum geht nicht auf die Straße zu laufen, wird es “überhört” weil die Bedeutsamkeit des Wortes verloren gegangen ist.
Lange Rede kurzer Sinn – wir tun gut daran, andere Lösungen zu suchen, denn letztlich haben wir uns ausgesucht Kinder zu bekommen und teilen unser Haus mit ihnen – also sollten auch sie sich möglichst frei dort bewegen können. In fremden Umgebungen gibt es dann ja schon wieder genug, worauf Rücksicht genommen werden muss. Und die Kooperationsfähigkeit von Kindern ist schlicht begrenzt ( Kinder wollen kooperieren).

Lösung – die “Ja” Umgebung

Es ist an uns Lösungen zu entwickeln um die Situation für uns und unsere Kinder zu entspannen.
Wir schaffen eine sogenannte “Ja -Umgebung”, das heißt wir gestalten die Wohnung/ unseren Aufenthaltsbereich so, dass unsere Kinder sich frei bewegen können.
Wenn wir das kurzfristig noch nicht so gut umsetzen können, dann reicht den Kindern oft auch erstmal ein abgetrennter Bereich vom Raum (allerdings bitte mehr als ein Laufstall), bis sie etwa 1 Jahr alt sind. Dann aber wollen sie auch mehr erkunden und sollten die Möglichkeit dazu bekommen.

Wie mache ich es Kindersicher?

Ehrlich gesagt, sind unsere Kinder da die besten Detektive finde ich.
Bei allem wo wir sonst “Nein” sagen würden müssen wir entsprechend handeln, es sichern, wegstellen, abschließen.

Im Groben lässt sich sagen:

  • Steckdosen sichern
  • Pflanzen wegstellen
  • Laternen, Kerzen und co außer Reichweite räumen
  • Schranktüren sichern ( es gibt tolle Kindersicherungen für innen, die von außen gar nicht sichtbar sind)
  •  Fernseher außer Reichweite stellen/Hängen, oder zumindest vor Umkippen sichern
  • Spielkonsolen im Schrank verstauen, oder statt unter dem TV darüber lagern (außer Reichweite)
  • Treppen und Kamin mit Gitter absichern
  • ggf Türen schließen/mit Gitter versehen
  •  Kleinteile weg räumen – z.b in einen gesicherten Schrank

Wenn es eine Schranktür oder Schublade gibt, die dem Kind zur Verfügung steht zum ausräumen ist das klasse. Viele nutzen dafür die berühmte “Tupper Schublade”. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es auch einfach eine mit dem Kinderspielzeug sein kann, das hat den positiven Nebeneffekt, dass man dies auch abends direkt wieder schnell und unsichtbar verstauen kann. Denn manchmal möchte man abends einfach kein Spielzeug mehr im Blick haben. So geht es mir zumindest. Und die Idee alles im Kinderzimmer zu haben ist erfahrungsgemäß ziemlich utopisch.

Da fällt mir ein, in meiner Auflistung fehlt sicher dem ein oder anderen der Eckenschutz für Tische und Schränke. Ob man das nutzen möchte, finde ich sehr individuell, hier wurden diese netten “Stoßdämpfer” binnen 30 Minuten wieder demontiert vom Kind und wir leben daher ganz gut ohne. Es ist aber natürlich eine mögliche Gefahrenquelle.

Spannend ist was Mama und Papa machen

Kinder sind von Natur aus darauf gepolt, das sie von uns lernen und nachahmen. 
Darum ist für sie all das spannend (sehr viel spannender als ihr Spielzeug), was wir im Alltag nutzen. 
Fernbedienung, Handy, Kabel, Kamera, aber auch Kochgeschirr und so weiter. 
So verständlich es ist, dass Eltern nicht ihr Handy oder die TV-Fernbedienung dem Baby zum voll sabbern geben wollen, so klar ist es auch, dass die kleinen aber genau das wollen.
Lösungen gibt es zwei. Entweder ich nutze diese Dinge nicht vor meinem Kind, was grade beim Kochen wirklich schwierig wird – und abgesehen davon auch da wenig sinnvoll ist, denn woher sollen Kinder das mit dem Kochen ohne Vorbild lernen?! Oder ich suche mit passende Alternativen, die ich meinem Kind anbieten kann. Ein Kabel was niemand braucht, eine alter Fernbedienung, einen alten Kochlöffel und Kochtopf. 

Aber wenn sie zuhause alles dürfen …

dann machen sie es ja überall, auch wenn zum Beispiel die Steckdosen nicht gesichert sind.
Nein. Das stimmt so nicht ganz und zwar aus zweierlei Gründen. 
Zum einen verlieren Dinge mit der Zeit ihren Reiz, wenn sie ausreichend erforscht und erkundet wurden, dann sind sie nicht mehr (so) spannend.
Zum anderen haben Kinder wie schon erwähnt ein gewisses “Kontingent” an Kooperantiosfähigkeit und Willen. Wenn wir diese nicht schon zuhause aufbrauchen können Kinder in Fremder Umgebung besser auf uns eingehen und sich anpassen.

Zuhause einen Raum zu schaffen, wo auch unsere Kinder sich wohl fühlen und ausleben dürfen, das ist es, was damit gemeint ist wenn wir von der JA-Umgebung sprechen. Und Hand aufs Herz, auf unser Leben betrachtet, ist es doch ein wirklich überschaubarer Zeitraum, in dem wir so besser auf ausschweifende Dekoration verzichten. 

Ja Umgebung und ältere Geschwister

Die Freiheit des einzelnen endet dort, wo die des anderen beginnt. Das empfinde ich als guten Leitsatz im Familienleben. Das bedeutet in dem Konkreten Fall Spielzeug im Wohnzimmer(-Schrank) von beiden Kindern. Aber eben von dem älteren nur die Dinge, die nicht verschluckbar sind, also keine Gefahr für das Baby darstellen und den kleinen Weltentdecker entsprechend nicht in seiner freie Bewegung einschränken. Beziehungsweise dafür sorgen, dass ich ständig meine Augen überall haben muss.

Kleinteiliges Spielzeug liegt also nun oben im Spielzimmer. Das war ein guter Weg, alle Wünsche und Bedürfnisse zu (be-)achten.

Könnte Sie auch interessieren:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere