Geburtsbericht: Ein würdevoller (Not-)Kaiserschnitt

 Franziska von Mama.Achtsam schreibt eigentlich selbst einen kleinen Blog über ihr Leben als hochsensible Mädchenmama. Heute darf ich einen Artikel über ihren (Not-)Kaiserschnitt bei Kind Nummer 2 veröffentlichen. Ein Artikel der einen Kaiserschnitt nicht verharmlost, aber doch zeigt, dass eine unbändige Ängsten vor dem nötig werden eines solchen auch nicht zwingend nötig ist. Auch ein ungeplanter Kaiserschnitt kann würdevoll ablaufen und vielleicht sogar wie in Franziskas Fall alte Wunden heilen.

 

Gastartikel: Ein Notkaiserschnitt in Würde.

Es gibt soviel Geburtsberichte im Internet. Viele sind erschreckend, viele wunderschön, jeder einzigartig auf seine Art und Weise. Mir fällt auf, dass die meisten Notkaiserschnitte dabei nicht gut wegkommen und auch mir machten sie Angst vor dem Eingriff. Auch der Umgang mit den Kaiserschnittmamis ist nicht oft wertschätzend und viele Mütter fühlen sich schlecht und haben das Gefühl versagt zu haben.

Wenn ich von der Geburt meiner zweiten Tochter spreche, dann bekomme ich oft einen bestimmten Spruch zu hören: Na hoffentlich war das medizinisch notwendig!

Sie wurde per (Not-)Kaiserschnitt geboren, durch eine vorliegende Nabelschnur (oder auch ein Nabelschnurvorfall – ich erkläre später den Unterschied). Und trotz dieser extremen Situation in die mein Mann und ich quasi hineingestolpert sind empfand ich diese Geburt schöner und angenehmer, als meine erste Natürliche – und sie heilte dennoch die seelischen Wunden der Ersten. Die Gründe dafür sind vielfältig und es gibt bereits viel zu viele Geburtsberichte über schief gelaufene Geburten. Um es kurz zu fassen:

Ich wurde über viele Stunden alleine gelassen, bekam viel zu früh Medikamente, die mich total ausknockten und die Wehen nicht stark genug werden ließen und am Ende half nur noch die Geburtszange. Meine Hebamme, die mich an diesem Tag begleitete, war wenig emphatisch und ich hatte den Eindruck, dass sie mich nicht mochte. Aber mehr dazu etwas später.

 

Ein Notkaiserschnitt in würde uns Achtsamkeit

Kommen wir zurück zu meiner Kleinen

Durch die Erfahrungen der ersten Geburt wusste ich, dass ich vieles anders machen wollte. Wir mussten in die gleiche Klinik gehen, wie beim ersten Mal, da es für uns aufgrund der Erfahrungen unserer Verwandtschaft/Bekanntschaft keine Alternative gab. Ich beschäftigte mich mit dem Thema Hypnobirthing, habe einen genauen Plan gemacht, was ich wollte und was nicht: Ich wollte nicht, dass mir Medikamente angeboten werden, sondern würde mich melden, wenn ich was brauchte, ich wollte nicht alle 30 min untersucht werden, wie weit wir sind, sondern nur wenn ich das Gefühl habe, dass es notwendig ist. Ich wollte kein CTG, bei dem ich mich nicht bewegen konnte, sondern ein Mobiles. Ich wollte auf jedenfall ambulant entbinden! Meine Nachsorgehebamme war toll. Außerdem informierte ich mich über die Möglichkeit eine Hebamme abzulehnen, sollte die Dame von vor 1 1/2 Jahren wieder dabei sein.

Die ersten Punkte wurden schriftlich festgehalten und mein Mann und ich freuten uns auf die zweite Geburt.

 

Alles sah gut aus- oder?

Drei Wochen vor dem Termin bestätigte mir meine Frauenärztin, dass das Köpfchen fest im Becken ist. Am Wochenende bekam ich die ersten Wehen und wir fuhren ins Krankenhaus, da ich mir sicher war, dass es losgeht. So sah es auf dem CTG auch aus und der Muttermund war ebenfalls offen (3cm). Und dann hörten die Wehen von jetzt auf gleich komplett auf, sodass wir wieder nach Hause gefahren sind, dadurch das wir noch so weit vor dem Termin waren. Eine Woche später war ich wieder bei der Frauenärztin – das Köpfchen war wieder abschiebbar. Sprich sollte die Fruchtblase platzen müsste ich wieder liegend transportiert werden.

Dieses ganze Spiel wiederholte sich bis in die Woche des Geburtstermins dreimal: Kopf wieder fest, Muttermund immer bei 3 cm, Wehen, Krankenhaus, Wehen wieder weg, Kopf abschiebbar. Mir kam das alles seltsam vor, denn ich dachte immer, dass sie sich nicht wieder hochdrehen können, wenn sie erst fest im Becken sind.

 

Ungewollten Manipulation

Bei meinem letztem Frauenarztbesuch, drei Tage vor dem Termin, war das Köpfchen wieder fest im Becken. Ich war bei einer anderen Ärztin aus der Praxis, da meine im Urlaub war und wir kannten uns bereits aus der vorherigen Schwangerschaft. Ich jammerte während der Untersuchung, dass mich dieses Hin- und Her echt fertig macht, da wir seit Wochen meine Eltern, die 100km Wegwohnen als Betreuung für meine Große (sie war gerade einmal 1 1/2 Jahre alt) bei uns hatten, weil ich wirklich kaputt war. Sie zeigte Verständnis und mit mal zwickte es arg während der Untersuchung und sie entließ mich mit den Worten, dass wir uns nächste Woche sicher nicht mehr sehen, denn bis dahin werde ich sie in den Armen halten.

Sie führte eine Eipollösung durch. Unabgesprochen und von mir absolut nicht gewollt! Unsere Tochter sollte kommen, wenn sie sich dafür bereit fühlt und nicht durch einen Eingriff ohne Sinn und Verstand. Als ich sie nach der Geburt darauf ansprach, sagte sie, dass sie mir einen Gefallen tun wollte. Ich fand es einfach nur übergriffig, beließ es aber dabei.

 

Es geht los

Am Abend nach dem Arzttermin ging es tatsächlich wieder los und wir machten uns nach einigen Stunden, als ich das Gefühl hatte, dass die Wehen nun wirklich nicht aufhören wollten, auf den Weg ins Krankenhaus. Es war gegen 3 Uhr morgens.

Eingangsbefund: starke Wehen in einem 4minütigem Abstand, Muttermund bei 4cm, Kopf weiterhin fest im Becken. Da wir das Spielchen aber schon kannten – ich hatte wieder die Hebamme, die wir bereits zweimal vorher hatten, hat man mich erstmal ins Bett auf Station verfrachtet, damit ich noch etwas entspannen kann und am Muttermund arbeiten konnte. Ich habe tatsächlich noch bis 7 Uhr dösen können, während mein Mann unbequem im Stuhl saß und mich beobachtete. Die Abstände wurden wieder geringer und wir machten uns auf den Weg in den Kreissaal. Mich begrüßte eine neue, mir unbekannte Hebamme, aber wir waren uns sofort sympathisch: Sie war über 40, kernig, kurz und knapp, dabei direkt und von der Art genau wie meine Nachsorgehebamme. Wir werden gut klarkommen.

Ich sagte, dass wir ruhig einmal schauen können, wie weit wir nun sind und sie legte mir das CTG an, leider kein mobiles, aber ich hätte es jederzeit abnehmen dürfen, wenn ich wollte.

Der Befund war: Muttermund bei 7,5cm, Kopf weiterhin fest im Becken und Wehen im 2min Abstand.

Juhu! Sie kommt und es geht los.

 

Schmerzmittel auf eigenen Wunsch

Die Schmerzen wurden stärker und ich bat einmal um Schmerzmittel, da mir die Wehen arg in die Beine zogen, ich aber auf gar keinen Fall komplett liegen wollte. Während der Wehen wollte ich stehen und mich etwas bewegen, dazwischen musste ich aber liegen, da mir die Beine so schmerzten.

Gegen 9 machte es Plopp – die Fruchtblase ist geplatzt und wir freuten uns auf die Endphase. Vor allem weil ich auch nicht mehr konnte.

Die Schmerzen wurden inzwischen weniger und ich ging davon aus, dass die Schmerzmittel nun wirkten. Der Blick aufs CTG zeigte was anderes: Die Wehen waren wieder weg und mir war zum Heulen zumute. In meinem Kopf habe ich bereits Wehenmittel bekommen und sah mich im OP, da es nicht voran geht. Durch die geplatzte Fruchtblase wusste ich, dass es wohl darauf hinauslaufen wird.

Die Hebamme beruhigte mich und schickte mich nochmal auf die Toilette und ein wenig durch die Gegend – das Köpfchen war bereits fest im Becken also durfte ich mich bewegen, vielleicht kommen die Wehen wieder. Sie untersuchte mich nochmal und sagte mir, dass unsere Tochter wohl die Frisur meines Mannes haben würde, denn sie spürt nur ein zartes Fläumchen Haare.

 

Weiterer Ablauf

Gegen 10:30 sprachen wir nochmal über die Möglichkeit eines Wehenmittels und ich sagte, dass ich gerne eine PDA haben möchte, da ich Angst habe, dass es zu stark anschlägt und ich einen Wehensturm bekommen. Sie bejahte, es kam ein Anästhesist und ich bekam die PDA. Vor dem Legen hatte ich echt Angst, aber noch mehr davor, dass Wehe um Wehe kommt und es am Ende doch wieder nur die Zange kommt, weil ich nicht mehr kann. Angenehm ist was anderes. Das Stechen ist wie ein Spritzenpieks und das Gefühl danach war wirklich unangenehm: Es breitete sich von den Beinen eine Kälte bis zum Unterleib aus, gepaart mit einem Kribbeln. Ich hatte überall noch Gefühl, aber auch nicht so richtig.

Anders als geplant und trotzdem würdevoll - ein Not Kaiserschnitt


Ich weiß, dass es komisch klingt, dass ich erst keine Schmerzmittel wollte und nun bereits zweimal aktiv nach fragte. Aber dies war MEINE Entscheidung, die ich alleine und aus der Situation heraus traf und nicht weil man mich einfach ruhigstellen wollte und mir immer wieder angeboten hatte, bis ich ja sagte.

Nach dem die PDA lag kamen auch leichte Wehen wieder und die Hebamme wollte mich gegen 11:50 nochmals untersuchen. Es war für mich eine surrealer Situation, wie ich auf dem Bett lag, sie den Muttermund abtastete und mich fragend ansah. An die Worte erinnere ich mich auch noch: Ich glaube ihr Baby ist wegZumindest komme ich nicht mehr an sie ranDas kann nicht sein. Ich hab doch vorhin noch das KöpfchenIrgendwieIch muss einen Arzt holen!.

 

Und plötzlich ist alles anders

Die Hebamme, die mir vorher noch kernig und standhaft vorkam war mit mal völlig durch den Wind. Für mich war es der Moment indem ich merkte, dass etwas nicht stimmt.

Es kam dann nicht nur ein Arzt, sondern drei. Wenn es vorher noch nicht ganz in meinem Kopf angekommen war, dass es nun ernst wird, dann spätestens jetzt. Ich habe gleich gesagt, dass ich nur von einem Arzt untersucht werden möchte und der Oberarzt untersuchte mich dann ziemlich lange (und schmerzhaft, da er eine freie Sicht auf den kompletten Muttermund brauchte).

Ich sagte in dem Moment schon: Gut wir machen einen Kaiserschnitt. Ich will nun keine Experimente mehr!, ohne zu wissen was eigentlich los ist.

Der Oberarzt erklärte mir, dass dies immer der letzte Weg sein wird, wenn es noch die Möglichkeit einer natürlichen Geburt gibt.

Und dann schüttelte er den Kopf und die Hebamme ging raus (und drückte den Kaiserschnittknopf, wie sie mir hinterher im OP erklärten). Er erklärte mir ganz ruhig, dass um den Kopf meiner Tochter wie ein Heiligenschein die Nabelschnur liegt und sie diese mit jeder Wehe abdrücken könnte. Noch kommt alles durch, aber ich muss nun das Becken hochlagern und sollte ich das Bedürfnis haben zu pressen muss ich dies unterbinden. Sie müssten sie zu ihrer und meiner Sicherheit holen. Es war ca. 12:15.

 

Kaiserschnitt

Das wars also. Das was ich als letztes wollte, auch wenn ich zwei Minuten vorher noch darum bettelte: Der (Not-)Kaiserschnitt. Und das heißt auch, dass ich nicht nach Hause kann zu meiner Großen. Wir waren bis dahin noch nie eine Nacht getrennt. Zum Panik bekommen war aber keine Zeit und ich wurde schon OP-fertig gemacht: rasiert, desinfiziert, Zugang gelegt, gefühlt 100 Zettel mussten unterschrieben werden und schon lag ich im OP. Ein Indiz, dass es wirklich schnell gehen musste: Ich bekam nichtmal ein OP-Hemd an und lag in meinem T-Shirt auf dem Tisch und man spritze mir die PDA hoch.

Ich war wirklich froh, dass ich mir die hab legen lassen, da es sonst unter Vollnarkose hätte laufen müssen. So bekam ich die Chance, aktiv dabei zu sein. Mein Mann war inzwischen verschwunden um sich fertig zu mache und neben mir erschien eine wirklich nette OP-Schwester, die mir sagte, dass ich ihr alles sagen kann, was ich möchte, wenn es mir nicht gut geht und sie mir genau erklärt, was nun mit mir gemacht wird. Das nun ein Katheter gelegt wird, da ich erst am nächsten Tag wieder aufstehen durfte. Ich äußerte den Wunsch, dass die Nabelschnur etwas länger gelassen wird, damit unsere Tochter soviel mitbekommt wie es nur geht und das mein Mann sich danach um die Kleine kümmert und ich sie so schnell wie möglich anlegen möchte. Sie nickte und mit mal war mein Mann an meiner Seite (der mit den Worten reinkam: So ich kann zu machen – ich habe alle Folgen Greys Anatomy gesehen!). Der Arzt fragte mich, ob ich was spüre und ich sagte nur, dass mir schwindlig ist, die Schwester stellte den Tropf neu ein und sagte mir, dass dort etwas nicht richtig eingestellt war und der Arzt nun schon angefangen hatte. Es ruckte und wackelte einmal und dann kam auch schon der erste Schrei! Mir liefen die Tränen über die Augen und man zeigte sie mir gleich und ich durfte sie kurz streicheln, dann ging mein Mann mit ihr raus. Ich habe ihm diese Zeit gegönnt mit seiner Tochter! Ich wusste, dass er sie kuscheln und knuddeln würde und ihr erzählen würde wo ich bin und dass ich gleich da sein werde.

Währenddessen wurde ich genäht und ich bekam tierische Kopfschmerzen und mir wurde wieder schwindlig. Schmerzen im Unterleib hatte ich keine. Der Arzt machte noch ein paar Witze und die nette OP Schwester erklärte mir, dass das Nähen solange dauerte, da er in mehreren Schichten nähen muss. Ich fragte sie ob es der Maus denn gut geht, oder ob sie sich bereits was abdrückte und sie fragte nach. Es war alles in Ordnung. Der APGAR lag bei 10/10. Keine Anzeichen für eine Schädigung. Ich weiss noch, dass ich die ganze Zeit erzählte, dass mir kalt ist, dass ich Kopfweh hatte und es mir anders geht als sonst, bis die OP-Schwester lachte und mir sagte: Sie haben gerade eine große Bauch-OP hinter sich und sind Mama geworden. Klar fühlen Sie sich anders! Es ist alles in Ordnung, wir sind für sie da.Ich fühlte mich sicher und dank der tollen OP-Schwester geborgen.

Unsere Maus kam um 12:32 zur Welt. Etwa 20 Minuten nachdem die Entscheidung gefallen wurde. Es ging so schnell, dass ich es erst viel später realisiert habe, dass dies alles auch furchtbar hätte schief gehen können.

 

Stillen und Bonding

Gegen 13 Uhr kam ich wieder in den Kreissaal wo mein Mann mit unserer Maus saß. Stolz wie Oskar und nur in ein Handtuch gewickelt hatte er sie ganz eng an sich gedrückt und wollte sie am liebsten gar nicht hergeben. Doch sie fing schon an zu schmatzen und kaum bei mir haben wir bereits unsere erste gemeinsame Stillmahlzeit gehabt. Nach den ganzen Stillproblemen bei meiner Großen ging ich ganz gelassen an die Sache und legte sie an, als wenn wir das schon 100mal so machten und sie trank gleich, als hätte sie nie was anderes gekannt. Wir stillen nun erfolgreich seit 16 Monaten und ich habe momentan das Gefühl, dass sie noch mit 7 stillen wird 😀

Es kam dann die nächste Hebammenschicht und die Hebamme, die mich so toll begleitet hatte bisher kam und verabschiedete sich mit den Worten: Also das war auch für mich heute eine Premiere mit der Nabelschnur. Das haben wir toll gemacht.

Als Ablöse kam die Hebamme rein, die ich bei der Großen hatte und begrüßte mich freundlich. Sie schien uns nicht erkannt zu haben und war freundlich und zuvorkommend als sie sich vorstelle. Ganz anders als in meinen Erinnerungen. Ich sagte ihr, dass wir uns bereits kennen von der ersten Geburt und an meinem Tonfall schien sie erkannt zu haben, dass es keine guten Erinnerungen waren. Sie fragte, ob wir uns über die Geburt nocheinmal unterhalten hatten, was ich verneinte. Mein Mann zog mit ihr zusammen unsere Tochter an und ich wollte nicht mit ihr reden, denn ich hatte noch gut einige Sätze von der ersten Geburt im Hinterkopf. Es war aber auch nicht mehr nötig, da ich kurz darauf bereits auf die Station kam.

Die Nacht über hatte ich kaum Schmerzen bis auf die Nachwehen die langsam einsetzten. Am meisten störte mich der Katheter, was aber eher daran lag, dass ich Angst vor dem Ziehen hatte. Diese stellte sich aber am nächsten morgen als unbegründet raus: Einmal Husten und es war vorbei. Das Ziehen der PDA war ebenfalls nicht so schlimm wie erwartet. Nur die Unsicherheit der Ärztin machte mir etwas Angst, denn sie kam direkt aus dem Studium und war sehr unruhig in ihren Bewegungen. Um 9 Uhr am Tag nach der Geburt stand ich das erste Mal auf den Beinen und habe unsere Tochter bereits abends selbst versorgen können. Die ersten Windeln mit dem Kindspech wickelte mein Mann und abends habe ich zur Sicherheit doch noch nach dem Nachtdienst geklingelt, da ich mich etwas wacklig fühlte. Meine Lieblingshebammehatte an diesem Abend Dienst und ich versuchte kein Wort mit ihr zu sprechen.

 

Aufarbeiten und alt Wunden heilen

Allerdings überraschte sie mich! Sie kam mit einer Kopie des Geburtsberichtes meiner Großen zu mir und wir redeten lange über die Geburt. Warum es so lief, wie es gelaufen ist. Warum sie sich nicht mehr verabschiedete (nach unserer Großen Tochter kamen innerhalb von wenigen Stunden 3 weitere Kinder – der Abend hatte es in sich). Es liefen ein paar Tränen auf beiden Seiten, denn sie war damals noch nicht lange ausgelernt und ihre Kollegin im OP bei einem Kaiserschnitt. Bei mir lief es nicht rund und es lagen noch zwei in Austreibungsphase in den anderen Sälen. Unsere Gespräche führten wir die nächsten Nächte weiter, denn unerwarteter Weise passte nun die Chemie zwischen uns (und das zuzugeben fiel mir wirklich schwer, denn ich habe mir nach der Geburt geschworen, dass ich mich niemals mit dieser Frau reden möchte).

 

Nabelschnurvorfall oder vorliegende Nabelschnur

Spannend war noch die Chefarzt-Visite, denn ich wollte wissen, warum die Nabelschnur im Weg war und ob sie dies schon die ganze Zeit tat und vielleicht ein Grund für dieses: Fest im Becken/Nicht fest im Becken war. Letztendlich kann man dies nicht mehr rausfinden. Es kann sein, dass sie sich bereits vorher um den Kopf kringelte und man es bei noch nicht vollständig offenem Muttermund nicht spüren konnte. Es kann aber auch sein, dass sich unsere Tochter wieder hochdrehte und sie dann bei den Laufversuchen um die Wehen anzutreiben vorfiel. Am wahrscheinlichsten ist es wohl, dass ein Teil immer vorlag und sie dadurch nie richtig fest im Becken war und sich so hochdrehen konnte. Genau weiß es niemand.

Der Unterschied zwischen einer vorliegenden und einer vorgefallenen Nabelschnur ist, dass eine vorliegende Nabelschnur bereits vor Einsetzen der Wehen und Blasensprung VORLIEGT, während sie bei dem anderen während des Blasensprungs VORFÄLLT und dies der Grund ist, weshalb man bei einem nicht festem Kopf im Becken bei einem Blasensprung liegend transportiert werden muss. Statistisch gesehen kommt es nicht häufig vor: Bei 0,3 Prozent unter allen Geburten in Deutschland. Die genaue Statistik kenne ich nicht, allerdings bin ich dankbar das alles gut ging und unsere Tochter kerngesund ist.

Ich bin dankbar, dass meine Hebamme so schnell reagiert hat und sich über einen Arzt absicherte. Dass sie mich nach dem Knopfdruck nicht mehr allein ließ während der OP-Vorbereitung und dabei trotz aller Hektik eine unglaubliche Ruhe ausstrahlte, trotz der vorherigen Verunsicherung. Auch wir zwei haben nach der Geburt nochmals darüber gesprochen und sie kann sich bis heute nicht erklären, was genau passiert ist. Sie sagte nur: Ihre Tochter scheint ein schlaues Mäuschen zu sein. Auf dem CTG sieht man einmal, dass die Herztöne bei einer Wehe runtergingen und kurz danach hörten die Wehen auf. Sie scheint sich wieder zurückgedreht zu haben, als es ihr nicht gut ging. Ich habe ja noch ihr Köpfchen gestreichelt kurz vorher!.

 

Es ist wie es ist.

Es kam alles anders als geplant. Für eine lange Zeit stand für mich fest, dass sollte es ein drittes Kind geben wird es ein Kaiserschnitt. Aber man kann beide Geburten nicht miteinander vergleichen, denn ich ging beide Geburten ganz anders an. Die erste unsicher, auf die Hebamme vertrauend mit viel Angst. Die Zweite zwar auch mit der Angst, aber auch mit dem Wissen, was passiert und das ich mir Vertrauen kann! Denn wir zwei – Töchterchen und ich – wissen was wir tun müssen. Es ist in uns verankert und wir müssen nur Vertrauen haben. Nicht in die Ärzte und in die Hebamme, sondern in uns selbst.

Auch wenn unser Weg nicht so war, wie ich es mir vorstellte und erhofft habe ist dies unser Weg gewesen, den wir gemeinsam gegangen sind. Die Hebammen und Ärzte und Schwestern haben uns begleitet und Sicherheit gegeben, sie waren ein Teil unseres Weges und unterstützen uns als es nicht mehr ohne sie ging. Und auch wenn es eine total fremdbestimmte Geburt war (denn auch ein Kaiserschnitt ist eine Geburt) so war es eine sehr schöne Geburt, bei der ich mich sicher und gut aufgehoben gefühlt habe. Wir werden die Dritte nochmals von vorne angehen lassen. Wenn die Narbe in Ordnung ist, dann werden wir es nochmals natürlich versuchen. Immer mit dem Wissne, dass ein Team bereit steht, dass uns unterstützt, wenn wir nicht mehr weiterkommen und uns nicht den schönsten Tag vermiesen wollen, nur weil etwas nicht rund läuft

 

Keine Angst vorm Sekundären Kaiserschnitt - er ist nicht immer schlimm

Sectio Wunde

Achja mal was lustiges am Schluss: Ich wurde schief zusammengenäht. Hier auf dem Bild seht ihr meine Narbe 2 Tage nach der Geburt und achtet mal auf die Linda Nigra 😉 Die Schwester sagte nur: Na typisch Mann. Beschwerden habe ich deshalb nicht und sie ist bisher super verheilt und man sieht kaum etwas.

 

 

 

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