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Achtsam mit mir selbstFamilie

Die Sucht nach dem gesehen werden – wie soziale Medien vermeintlich Defizite ausgleichen

soziale medien und unser alltag

Romy schreibt einen berührenden Artikel darüber, wie wir unsere Zeit verschwenden. Und warum das unsere Elternschaft stört. Soziale Medien sind allgegenwärtig und fesseln uns. Ich möchte heute darüber schreiben WARUM wir unsere Zeit so verschwenden.

“Schon seit einigen Jahren plädiere ich für Entschleunigung und ein achtsames Familienleben {Slow Parenting}. Hauptsächlich deswegen, weil wir uns und unseren Kindern so unfassbar viel Energie und Frieden rauben, wenn wir weiterhin versuchen, mit diesem absurden Tempo in dem sich unsere Welt dreht, Schritt zu halten. Immer wieder zeige ich voller Verständnis und Mitgefühl liebevolle Wege auf, wie wir aus der Terminfalle flüchten und Energiefresser verbannen können.
Aber über einen der größten Energievampire – neben Menschen, die uns nicht gut tun – habe ich bisher zu viel geschwiegen. Die Zeit. Zeit, die wir angeblich nicht haben, aber zunehmend im Internet verbringen.” – Romy im Mothering journey Blog

Hast du mal gezählt, wie oft du in der Stunde zu deinem Smartphone greifst? Hast du einen Tag lang mal das selbige komplett aus geschaltet? Oder übermannt dich beim Gedanken daran schon leichte Panik?
Weist du noch wie es ist, nicht immer erreichbar zu sein? Erinnerst du dich noch an die Zeit ohne soziale Medien ( zu denen ich auch what’s *pp zähle)?

Eigentlich ist das nichts schlimmes und trotzdem fühlt es sich für uns so an.
Wenn wir auf eine Nachricht eine Stunde nicht antworten fühlen wir uns schlecht und der Klick auf die Social Media App ist schon so in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir wenn wir eine andere App an den Platz schieben, wo sie sonst ist ständig automaitsch dort drauf klicken.
Absurd.
Vielen helfen auch Zeitcoaching Apps nur wenig – zu schnell verstellt man einfach die Parameter und weiter geht’s.

Das Trauma der Kriegskinder

Neulich sah ich ein Plakat. Vortrag über das Trauma der Kinder der Kriegskinder.
Moment, wieso haben deren Kinder denn nun ein Trauma?
Ich habe den Vortrag nicht gehört, aber Tatsache ist, dass wir alle unser Packerl tragen.
Genau so ist es leider Tatsache, dass wir dazu neigen dies zumindest zu einem gewissen Teil an unsere Kinder weiter zu geben. Den wir spulen oft entweder nahezu automatisch Verhaltensmuster ab, die uns vorgelebt wurden und die wir erlernt haben. Oder wir versuchen derart massiv in die genau andere Richtung zu gehen, dass es auch schon wieder negativ ist.

Über die Erziehung der Kriegskinder wissen wir dank Büchern von Frau Haarer ja so einiges. Aus gebrochenen Kindern wurden brechende Eltern. Und so wird Generation für Generation ein Trauma transportiert. (Wenn gleich die Intensität wohl von Generation zu Generation abnimmt. Denn einiges wird immer durch neue Erkenntnisse mal verändert.)

Und so haben auch wir – du und ich heute unseren Anteil Trauma. Ganz egal ob wir uns das eingestehen oder nicht.

Welche Rolle spielen Traumata im Bezug auf Medien und soziale Netzwerke

Was hat das jetzt alles mit sozialen Medien und im speziellen sozialen Netzwerken zu tun? Nun, diese haben ein gewisses Suchtpotential. Denn sie arbeiten mit Dopamin Ausschüttung (Belohnungssystem). Grundsätzlich ist das nicht weiter schlimm. Aber um anfällig zu sein, für potenzielle Suchtmittel braucht es nur ein Defizit im Beziehungsbereich. Wir versuchen etwas aus zu gleichen dich den Konsum des Suchtmittels.

Wer von uns hat kein Defizit? Selbstbewusstsein, Selbstliebe, Selbstvertrauen.

Es wurde anerzogen, dass wir Bestätigung von außen brauchen. Lob brauchen.

Wir wurden klein gehalten, Dinge nicht sagen, am besten nicht mal denken.

Wenn wir los gehen, in die Social Media Welt, bekommen wir was wir brauchen. (Und was wir fürchten.) Es regnet „likes“, Lob, Anerkennung. Wir können uns die Bestätigung holen, nach der wir so sehr lechzen.
Aber wir müssen etwas dafür tun. Und es raubt Zeit.

Wir können sagen was wir denken und uns trotzdem verstecken. Wir können ne Menge bewirken, doch gleichzeitig kann uns niemand so wirklich was.

Und gleichzeitig baut sich dieser Druck auf. Warum hat der mehr Freunde/Follower, warum wurde mein Post heute weniger geliked. Das selbe System von Lob und „Strafe“ bzw. Rüge unserer Kindheit holt uns wieder ein und fesselt uns. Fesselt uns an die sozialen Medien. Setzt uns unter Druck.

soziale Medeien bestimmen unseren Alltag immer mehr. Eine Art Suchtverhalten entwickelt sich und unsere Kinder leiden darunter.

Bewusstsein

Der Wunsch nach dem gesehen werden ist so groß, dass wir so viel dafür tun würden.

Gesehen werden. Seht her, hier bin ich.
Auch unsere Kinder wollen gesehen werden. Von uns. Ohne ein Bildschirm vorm Gesicht. Wollen wahrgenommen werden, gehört werden, wichtig sein – ohne ständig warten zu müssen, ohne an zweiter Stelle hinter dem leuchtenden Display zu stehen.

Es wird Zeit, das wir uns selbst heilen (lassen), damit wir unsere Kinder nicht auch zerstörten. Damit sie nicht auch anfällig werden, für Suchtmittel um zu kompensieren. Damit sie nicht auch nach Anerkennung online suchen, die sie in der Realität nicht erfahren. Und damit wir nicht auf diesem Wege wieder den Teil unseres Traumas weitergeben an unsere Kinder.

„Es ist leichter, gesunde Kinder groß zu ziehen, als kaputte Erwachsene zu reparieren“. – Nicola Schmidt

Wer online arbeitet darf nicht kritisieren?

Heuchlerisch, wenn man online und mit sozialen Medien arbeitet, diese Ansicht zu teilen? Gar nicht. Finde ich. Einerseits heißt, um Dinge zu wissen nicht, dass man sie automatisch besser macht. Andererseits und vor allem ist es doch oft eine Frage des WIE. Online ist nicht per se negativ. Social Media macht nicht immer süchtig. Es ist immer eine Frage dessen, wie anfällig wir dafür sind, wie bewusst wir Dinge nutzen.
Ich weis, dass ich anfällig bin.
Darum arbeite ich mit Zeitmanager und drehe nicht an den Parametern.
Es gibt Zeitfenster zum arbeiten – und solche, da haben die Kinder vorrang.
Und künftig soll es einen Internet freien Tag pro Woche geben.
– Ich bin auf dem Weg und klage mich selbst genau so an.
Kommt ihr mit auf den Weg?

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