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Erfahrungsberichte

Gewalt und Bloßstellung im Kindergarten in der DDR

Leen von Aufbruch zum Umdenken schreibt über ihre Kindergartenzeit in der DDR. Geprägt von Bloßstellung und psychischer Gewalt. In dem Artikel Auch ein Ost deutsches Kind hat ein Recht auf gewaltfreie Begleitung berichtet sie auf ihrem Blog außerdem davon, wie sie in ihrem Umfeld auch heute noch mit Gewalt in der Erziehung konfrontiert wird. 

 

Gewalt im Kindergarten
www.aufbruch-zum-umdenken.de

Kinderbetreuung in der DDR

Wie haben wir unsere eigene Kindergartenzeit erlebt? Ich habe auch schöne Erinnerungen, aber leider auch sehr einprägsame, die ich heute, mit meinem Wissen, schrecklich finde.

Ich bin 32 Jahre alt und war ein Kind, welches in Ostdeutschland in den Kindergarten ging.

Meine Mama brachte mich mit einem halben Jahr eine Woche in die Krippe, bis ein neues Gesetz kam und Lehrer*innen ihre Kinder doch ein Jahr zuhause lassen durften. Sie sagte mir, dass ich jeden Morgen weinte und sie auch, während sie mit der Schwalbe zur Schule fuhr. Sie höre mich bis vor die Tür schreien. Wir weinten also beide. Eingewöhnt wurde ich, aber leider wohl zu kurz.

Jedenfalls war ich dort eine Woche und dann durfte ich doch noch ein halbes Jahr bei meiner Mama bleiben.

Sie selbst wurde mit 8 Wochen in die Krippe gebracht. Wir reden oft darüber, meine Mama und ich. Ihr könnt euch vorstellen, dass es keine Gespräche der größten Freuden sind.

Im Kindergarten war ich nicht gern.

Nun gut! Ich war also ein Kind, dass die letzten DDR-Jahre im Kindergarten verbrachte mit einer Oma, die selbständig war und von zuhause aus arbeitete. Also war Ich viel bei ihr, wenn ihre Zeit es zuließ. Ich sah ihr zu, wenn sie schneiderte und sortierte Köpfe nach Farben oder brachte mir das zählen bei. Und Ich liebte diese Knöpfe, das Schneidern von ihr und die Menschen, die jeden Tag in ihre Stube kamen. Ich hatte dadurch guten Kontakt zu vielen Menschen im Dorf.

In der Kita war ich nicht gern. Ich habe noch so einige Erinnerungen an diese Zeit. Wie gesagt, es gab auch gute Erinnerungen, aber die schlechten tuen bis heute weh.

Ich erinnere mich auch an die jungen und lieben Kindergärtnerinnen, aber diese waren irgendwie nicht bei mir. Heute weiß ich warum, denn ihre Kinder sind so alt wie ich und sie waren einfach auch in ihren Elternzeiten. Meine Schwester ist jünger als ich und wurde von diesen Frauen begleitet und hat ganz wunderschöne Erinnerungen an ihre Kindergärtnerinnen. Diese sind auch jetzt noch vor Ort tätig und haben das Herz definitiv am rechten Fleck. Es ist jetzt ein richtig schöner Kindergarten.

An mir wurde ein Exempel statuiert

Ich hatte damals leider eine biestige Kindergärtnerin im mittleren Alter. Sie war herrisch und in meiner Erinnerung lachte sie nie. Ich habe mir so oft gewünscht, dass Oma Erika mich abholt und wir zusammen den Tag verbringen. Mittagskind wollte ich immer sein. Meine Oma hat Kinder niemals angeschrien oder war böse zu ihnen. Als ich erwachsen war sagte sie mir: „Man darf Kinder niemals anschreien, denn das verkraften ihre Seelen nicht so gut.“

Zurück zur Kita. Die biestige Frau verpasste mir jedenfalls ein ordentliches Trauma. Ich erinnere mich oft und gut an diese Situation. Ich redete als Kind schon gern und viel und hatte es oft schwer, in den Mittagsschlaf zu finden. Um an mir ein Exempel zu statuieren, musste ich, weil ich redete, in der Mittagsschlafzeit barfuß auf dem Steinboden neben meinem Bett stehen, während mich die gesamte Kindergruppe ansah oder um mich herum einschlief. Diese Situation hat sich in meinen Kopf gebrannt. Aufessen musste ich auch immer, gemaßregelt wurde ich und an eine liebevolle Begleitung erinnere ich mich nicht. Ich bin sehr sensibel und mich vor z.B. anderen vorzuführen oder das Übertreten meiner persönlichen Grenzen zu erzwingen, ist eine Qual für mich. Ich mag es respektvoll und achtsam und das schon als Kind.

Meine Schwester aß als Kind sehr langsam. Sie musste bei einer Kindergärtnerin immer sitzen bleiben, bis sie alles aufgegessen hatte. Ich musste dann an ihr vorbei gehen, um in den Waschraum (ich glaube es war der Waschraum) zu gelangen, während sie allein am Tisch saß und saß und saß, bis ihr Teller leer war (als erzieherische Methode vermute ich mal). Am liebsten hätte ich sie hochgezogen und mitgenommen, doch das traute ich mir nicht. Mein schlechtes Gewissen war aber riesengroß, dass ich meiner kleinen Schwester nicht geholfen habe. Kleine Soldaten und Soldatinnen heranziehen, die massenkonform sind und spuren, wenn z.B. Erwachsene reden, das konnte die DDR.

Ich sage aus eigener Erfahrung – doch es hat geschadet

Aber auch andere Kinder hatten es schwer. Wir hatten ein Kind in der Gruppe, welches im Schlaf seine Ausscheidungen nicht kontrollieren konnte. Statt dieses Kind zu integrieren, wurde es vor der gesamten Gruppe vorgeführt. Es wurde laut vor dem Kind gesagt, dass wenn man in der Mittagszeit nicht ruhig sei, dass man dann neben diesem Kind schlafen musste. Sauber gemacht wurde das Kind in meiner Erinnerung dann auch nicht, sondern erst, wenn wir alle wieder aufstanden. Mir tat das damals schon unendlich leid, aber ich hatte nicht den Mut etwas zu sagen. Niemand wollte mit diesem Kind spielen oder daneben schlafen. Oft hat der Raum dann gerochen, wenn Mittagsschlafzeit war. Das ist einfach nur furchtbar. Die Kindergärtnerinnen haben das Kind als Druckmittel genutzt, damit wir über die Mittagsschlafzeit ruhig waren.

Wenn ich jetzt diese Zeilen schreibe, kullern mir Tränen über die Wangen, weil mir das alles so leid tut. Fütterungen, Bloßstellungen, Maßregelungen, Misshandlungen – Machtausübungen an Kindern – Macht des Gehorsams!

Wenn ich heute Menschen sagen höre „Das hat uns auch nicht geschadet“ oder „Ein Klaps ist kein Schlag.“ oder „Iss auf, so lange du deine Füße unter diesem Tisch hast.“, dann kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass es schadet. Es schadet sogar sehr. Mir persönlich hat schon die Bloßstellung gereicht, um emotional angegriffen zu sein und mich mein Leben lang damit herumzuschlagen. Wie muss sich nur dieses arme Kind gefühlt haben, was konsequent misshandelt und gedemütigt wurde?

Wir haben 2018. Es ist mir ein Anliegen, euch davon zu erzählen, denn ich möchte von Herzen, dass unseren Kindern solche Dinge nicht mehr passieren. Das wünsche ich mir wirklich sehr. Jede*r Erwachsene hat die Pflicht unsere Kinder zu schützen! Unsere Gesellschaft hat umgedacht und muss weiter umdenken, damit unsere Kinder gewaltfrei aufwachsen dürfen.

Ein passendes Lied

Sind so kleine Hände, winz’ge Finger dran.
Darf man nie drauf schlagen, die zerbrechen dann.

Sind so kleine Füsse, mit so kleinen Zeh’n.
Darf man nie drauf treten, könn‘ sie sonst nicht geh’n.

Sind so kleine Ohren, scharf und ihr erlaubt.
Darf man nie zerbrüllen, werden davon taub.

Sind so schöne Münder, sprechen alles aus. Darf man nie verbieten, kommt sonst nichts mehr raus.

Sind so klare Augen, die noch alles seh’n.
Darf man nie verbinden, könn’n sie nichts versteh’n.

Sind so kleine Seelen, offen und ganz frei.
Darf man niemals quälen, geh’n kaputt dabei.

Ist so’n kleines Rückgrat, sieht man fast noch nicht.
Darf man niemals beugen, weil es sonst zerbricht.

Grade klare Menschen, wär’n ein schönes Ziel.
Leute ohne Rückgrat, hab’n wir schon zuviel.

(Bettina Wegner, 1976, Liedermacherin in der DDR Das Lied findet ihr in diesem Link)

Eure Leen

Danke Mama, dass du dich für mich eingesetzt hast und zu der Kindergärtnerin gegangen bist, nachdem ich es dir erzählt hatte. Danke, dass du dich als „brave DDR-Bürgerin“ getraut hast. Danach war mit dem Bettstehen Schluss. Du hast dich für meine Rechte stark gemacht und das ist bis heute sehr wichtig für mich. Ich hab dich lieb

31 comments
  1. Lieselotte Kruse

    Ich finde es unmöglich alle Erzieherinnen in der DDR über einen, diesen Kamm :”Gewalt und Bloßstellung im Kindergarten in der DDR” zu ziehen. Ich wurde in der DDR als Erzieherin ausgebildet und habe auch als solche gearbeitet. So etwas gab es in unserer Einrichtung nicht. Mit den uns anvertrauten Kindern wurde liebevoll und einfühlsam umgegangen, liebevoller als es einigen Eltern machten. die Kinder kamen gerne zu uns. Bei uns wurden die Kinder nicht fixiert, so wie ich es im letzten Jahr über eine Einrichtung in den alten Bundesländern gehört habe, kein Kind mußte so lange sitzenbleiben bis es aufgegessen hatte, obwohl die anderen schon draußen spielten, so wie es sich in der schon gesprochenen Einrichtung zugetragen hat. Auch gab es in unseren Einrichtungen keine sexuellen Mißhandlungen von KInderrn u.s.w. Man sollte eben sehr vorsichtig sein wie man seinen persönlichen Unmut über eine Person äußert und damit die ganze Berufsgruppe unter Generalverdacht stellt. Hinterher sagen, man hätte das nicht so gemeint… hilft dann auch nicht mehr. Erst Gehirn einschalten und dann reden bzw. schreiben. Unsere Kinder sollten was lernen und sich entwickeln und nicht zu Duckmäuser werden.

    1. a_babywearingmom

      Es tut mir leid, das Ihnen der Artikel aufstößt. Und mit nichten, sollen hier alle über einen Kamm geschoren werden. Es handelt sich bei dem Artikel um einen subjektiven Erfahrungsbericht von einer Person, aus einer Einrichtung. Und genau das soll auch daraus hervor gehen. Nicht weniger. Aber eben auch nicht mehr. In keiner Form, soll dieser Artikel bedeuten, dass es überall so war. Mit freundlichen Grüßen Anja

  2. Bruennhild

    Ich wurde ebenfalls im DDR Kindergarten mishandelt. Ich bin jetzt 36.

    Es wird Zeit, dass das mal thematisiert wird!

    Ich war ein stilles Kind aber mir viel es schwer, beim Nachmittagsschlaf einzuschlafen, also lag ich ruhig da – aber habe eben nicht geschlafen. Daraufhin wurde ich öfters mal mitsamt meiner Liege in den Toilettenraum gebracht (“um die anderen nicht zu stören…”). Dann durfte ich dann eine Stunde neben den Toiletten liegen! Wie gesagt, ich habe keinen einzigen Ton abgegeben! Diese ekelhafte “Erzieherin” hat mit ihrer Hand auf meine Augen getascht um zu sehen, ob ich schlafe oder nur so tue! Als ob ein Mensch auf Kommando einschlafen könnte! Da werde ich gleich ganz aufgeregt und wütend wenn ich mich daran zurückerinnere!

    1. a_babywearingmom

      Es tut mir sehr leid, dass auch die eine solche Misshandlung erfahren haben.
      Wenn gleich schmerzhaft, ist es heilsam zumindest darum zu wissen, wie falsch ein solcher Umgang war/ist. Nicht Sie waren schuld. Kein Kind ist schuld.
      Alles Gute für die Zukunft.
      Ich würde mir wünschen, mehr Menschen erzählen ihre Geschichte und distanzieren sich von psychischer und physischer Gewalt an Kindern jeglicher Intensität. Denn leider ist diese noch viel zu oft Alltag.

  3. Sandra

    Ich habe auch eine traumatische Erfahrung in der DDR Kita gemacht. Ich wurde oft gezwungen Milch zu trinken, auf der sich bereits Haut gebildet hat. Weil mich das ekelte, erbracht ich danach die Milch. Als Strafe wurde mir die Tasse erneut vollgegossen und ich wurde gezwungen erneut alles zu trinken. Ich kann bis zum heutigen Tag keine Vollmilch trinken, geschweige denn riechen. Es gab noch weitere Demütigungen gegenüber den Kindern meiner Gruppe. Man war dem so ausgeliefert. Es war als Kind kaum zu ertragen.

    1. a_babywearingmom

      Hallo Sandra,
      deine Erlebnisse tun mir sehr leid.
      Es gibt einfach Menschen, deren Haltung und Verhalten ich nicht im Ansatz verstehen kann.
      Soetwas gehört absolut dazu.
      Ich wünsche dir, dass du einen Weg findest, damit ab zu schließen.
      Alles Liebe

  4. Julia

    Hallo!

    Ich (36 Jahre, aus Ostberlin) kann vieles hier auch aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Auch bei uns gab es die Milch mit der dicken Haut, vor der man sich ekelte und die man trinken musste.
    Beim Mittagessen wurden wir gezwungen, alles aufzuessen, auch das Fleisch aus der Suppe. Vor dem Fleisch ekelte es mich besonders, weil es oft sehnig oder fettig war. Trotzdem musste man es irgendwie herunterwürgen, sonst wurde man vor der ganzen Gruppe bloßgestellt. Ich konnte bis ins Erwachsenenalter nicht unbefangen Fleisch essen.
    Es gab in meinem Kindergarten auch einen Jungen, der noch nicht sauber war, was ihm ständigen Spott der Erzieher und entsprechende Bloßstellungen vor den anderen Kindern einbrachte. Besonders erinnere ich mich auch an die Liegen für den Mittagsschlaf. Als wir vor dem Schlafen zu heftig darauf tobten, ging bei meiner Liege die Schlaffläche halb raus und hing schräg zum Boden. Natürlich musste ich zur Strafe darauf schlafen, soweit ich das konnte. Während ich das hier schreibe, kommt mir immer mehr hoch. Es gab genau so auch Erzieherinnen und Einrichtungen, die anständig mit den ihnen anvertrauten Kindern umgingen und ich würde nie alle über einen Kamm scheren. Aber ja: Gewalt und Bloßstellung trifft es in meiner Erfahrung ganz genau!

    Viele Grüße!

    1. a_babywearingmom

      Hallo Julia,
      danke für deine Schilderungen.
      Auch für dich tut es mir sehr leid, dass du diese Erfahrungen machen musstest.
      Vielleicht kannst du dieses “hoch kommen” nutzen und die Themen von damals noch mal ne be- und verarbeiten um dann damit ab zu schließen.
      alles Liebe

  5. Lu

    Hallo,

    Auch ich habe solche Erfahrungen im Kindergarten gemacht, bin heute 32. Ich kann mich an nicht mehr viel erinnern, aber das was ich noch weiß, hat sich eingebrannt.

    Eine Situation war beim Mittagsschlaf. Ich konnte nicht schlafen und 2 “Tanten” saßen die ganze Zeit neben mir, eine links und eine rechts. Sie redeten permanent (laut!) auf mich ein, so das alle anderen Kinder, die schon in ihren Betten lagen es mitbekommen haben mussten. Sie drohten mir an, dass wenn ich nicht endlich schlafen würde (so wie die anderen), sie mich in den Keller schleppen und dort einsperren würden. Ich versuchte dann so zu tun, als würde ich schlafen, aber vor lauter Angst flackerten meine Augenlider. Das haben die beiden Frauen natürlich mitbekommen und dann packten sie mich beide, zerrten mich von der Liege und wollten mich wegschleifen. Ich habe gefleht und gebettelt das sie es nicht tun, danach weiß ich nichts mehr, ich glaube sie waren gnädig mit mir..

    Die 2. Situation an die ich mich noch erinnere knüpft an die erste an. Und zwar war es im Dezember. Das weiß ich noch, weil an dem Tag wieder Mittagsschlaf gehalten wurde und mir die Erzieherinnen androhten das wenn ich dieses Mal nicht schlafen würde, mich der Nikolaus nicht beschenken und sie mich diesmal wirklich in den Keller stecken würden. Mein Selbsterhaltungstrieb hat mich dann einfach dazu gebracht, jedesmal beim liegen die Arme vor die Augen zu legen, damit sie das flackern der Lider nicht sehen können. Das hat – zumindest an diesem Tag – funktioniert und sie ließen mich in Ruhe..

    Danach kann ich mich an so gut wie nichts mehr aus dieser Zeit erinnern, alles schwarz. Ich denke mal ich hab auch vieles verdrängt.. Bruchstückhaft weiß ich aber noch das die Frauen uns auch regelmäßig angebrüllt haben wenn der Raum in dem gespielt wurde unordentlich war, also wenn überall Spielzeug rumlag. Dann haben sie uns zum aufräumen verdonnert, immer weiter geschimpft und wegen jeder Kleinigkeit wurde man (verbal) gemaßregelt. Im Grunde war es auch egal wie man sich verhielt, sie gaben einem eigentlich permanent das Gefühl “falsch” und ein Versager zu sein. Heute frage ich mich oft – warum?! War es Überforderung im Beruf? Frust? oder Sadismus? Oder vielleicht von allem etwas? Fakt ist – nichts davon rechtfertigt auch nur im entferntesten solch einen Umgang mit Kindern. Da lief etwas ganz gewaltig schief in dieser Zeit – und nicht nur in der DDR sondern deutschlandweit (siehe Verschickungsheime/Kuren)!

    Naja und das mit dem Aufessen zu Mittag da kann ich auch ein Lied von singen. Einmal hatte ich in der riesigen Aula nen Teller Kohlsuppe vor mir stehen, die so ekelhaft roch, als wäre sie aus einer Mülltonne geschöpft worden. Ich hab sogar noch diesen widerlichen Geruch in der Nase. Tja, und die sollte ich nun aufessen. Das habe ich dann auch versucht, aber schon nach wenigen Bissen, wurde mir übel, später habe ich mich dann übergeben. Seitdem habe ich eine sehr zwiegespaltene Beziehung zum Essen. Mit 14 wurde ich magersüchtig, kam in stationäre Behandlung. Mittlerweile sehe ich Essen noch als ein notwendiges Übel. ich esse halt um zu leben, mit Genuss hat das für mich nichts zu tun,

    Naja soviel zu meinen Erfahrungen, hat ganz gut getan sich das mal von der Seele zu schreiben. Ich hab mich damals niemandem anvertraut, also Respekt an dich und deine Mom das ihr da gegen vorgegangen seid. Vieles von dem was in der Kindheit passiert, prägt sich fürs ganze Leben. Und schlechte Erfahrungen wiegen leider oft schwerer als gute, vor allem dann wenn man es nicht schafft sich zu öffnen. Deshalb ist es umso wichtiger einen Umgang damit finden und sich notfalls auch therapeutische Unterstützung zu suchen, reden hilft! Das rate ich jedem der damit zu kämpfen hat. Ich wünsche allen Betroffenen viel Kraft und Alles Gute für die Zukunft.

    Viele Grüße

    1. a_babywearingmom

      Vielen Lieben dank, für deinen Bericht. Es tut mir sehr leid, dass auch du solche furchtbaren Erfahrungen hast machen müssen.

  6. FaKo

    Ich kann ähnliche Erinnerungen berichten. Ich war auch ein Kind dass viel sprach, sehr lebhaft war und beim Mittagsschlaf nie schlafen konnte. Meine hohe Stimme als Kind mochten die Erzieherinnen nicht und sagten oft ich solle aufhören zu piepsen. Darum nannten mich einige der Kinder immer wieder Piepmatz. Wenn ich zu laut und aufgedreht war, wurde ich auch mal zur Strafe ins Bett gesteckt. Übrigens war das auch eine Strafe zu Hause…ins Bett müssen war die schlimmste aller Strafen…so isoliert von allem und entmachtet. Die Betten beim Mittagschlaf waren harte Holzliegen mit Klappfüssen und einer dünnen Wolldecke auf der harten Liegefläche…darauf dann das Laken, Decke und Kissen. Darauf musste man still liegen und die Augen geschlossen halten. Ich konnte nicht still liegen weil ich einfach Bewegungsdrang hatte und weil das Teil so unbequem war und wurde oft ausgeschimpft dass ich nicht so wühlen soll. Hatte man die Augen offen wurde man angemeckert dass man die Augen zu machen soll. Nicht schlafen zu können war für mich gleichbedeutend, ein unartiges Kind zu sein….gute Kinder schlafen brav und liegen still. Auf Toilette zu müssen, war für die Erzieher ein Aufbegehren gegen die Schlafordnung…entsprechend unfreundlich waren sie und manchmal durfte man auch nicht gehen. Wenn ich nicht schlafen konnte und zu viel gewühlt habe dann musste ich auch manchmal länger liegen bleiben und durfte erst aufstehen wenn die anderen schon am Kaffeetisch saßen. Einmal hatte ein Junge in die Hosen gemacht und die Kinder mussten sich im Kreis um ihn aufstellen und ihn auslachen. Diese Eriziehung mit dem Schlafzwang kannte ich auch von meinem Elternhaus. Hatte ich Abends mit meiner kleinen Schwester noch geflüstert und gelacht musste ich raus und im Flur in der Ecke stehen. Furchtbar fand ich die warme Milch zum Frühstück in der Kita….man musste sie trinken und vor der Haut habe ich mich so eekelt. Aufessen musste man auch sonst durfte man nicht aufstehen.Diese Erziehung war in vielen Elternhäusern normal .mein wester Freund wurde noch mit 15 von seiner Mutter…ins Bett gesteckt. Die Eltern hatten immer Recht. Nein heisst nein. Es wird gemacht was,man gesagt bekommt usw… ich erinnere mich noch an eine Autofahrt wo meine El6geraucht hatten im Auto…als ich sagte dass mir davon schlecht wird sagten sie, dass sie sich von uns Kindern nicht das Rauchen verbieten lassen würden…..Ich leide noch heute unter dieser Behandlung und hadere mit meinem Selbstwertgefühl.

    1. a_babywearingmom

      Du hast absolut recht, diese Behandlung war leider keine Seltenheit.
      In vielen von uns ist das Trauma so tief vergraben, dass wir das Verhalten lieber für richtig halten, als es zu reflektieren.
      Ein ganz normaler Schutzmechanismus.
      Trotzdem ist es gerade darum wichtig, hin zu schauen um für unsere Kinder etwas verändern zu können.
      Auf stärkere Selbstwertgefühle für alle!

  7. Susanne

    Ich war in einer Wochenkrippe, habe heute keinen Kontrakt mehr zu meiner noch lebenden Mutter, die leider sehr unreflektiert unser beider Bindungslosigkeit verdrängt, zu keiner Antwort auf meine vielen Fragen bereit ist … sie ist Lehrerin!!!
    Ich fühle mich bis heute in Gruppen mehr als unwohl, ertrage es nicht. Auf Bevormundungen, Einengung reagiere ich (54) mit großen Ängsten und empfinde Dauerdruck.
    Im Kindergarten im Alter von 4 Jahren, nur um ein Beispiel beizutragen, musste ich während des Mittagsschlafes auf die Toilette. Die Erzieherinnen waren erbost und zwangen mich bei geöffneter Tür ‚mein Wässerchen zu lassen‘: „Und wehe, du musst nicht wirklich!“… Vor lauter Angst kam nichts und ich wurde bestraft mit Strafstehen barfuß auf dem Steinfußboden neben der Liege, bis die anderen Kinder ihrem Mittagsschlaf beendet hatten. Außerdem wurde ich natürlich auch vor den anderen Kindern als schlechtes Beispiel gedemütigt. Bis heute habe ich große Blasenprobleme, die nichtorganisch sind!
    Es gab viele nette ErzieherInnen und LehrerInnen, aber auch zahlreiche, die die ihnen anvertrauten Schützlinge auch emotional misshandelten. Psychische Misshandlung kann erwiesenermaßen mindestens ebenso große Schäden anrichten wie physische.

  8. Jörg Lange

    Ich habe an den Kindergarten auch fast ausschließlich negative Erinnerungen. Es gab definitiv liebe Erzieherinnen, die ich auch mochte, bei denen war ich aber nie in der Gruppe.
    Unsere Erzieherin muss definitv gestört gewesen sein. Grundsätzlich lief ja schonmal alles militärisch geordnet und streng ab, Lächeln oder irgendwelche liebevollen Gesten gab es nicht. Für mich als relativ sensibler Mensch war die Kälte förmlich greifbar und in der Erinnerung sehe ich unsere Gruppe irgendwie immer als kleine, blasse, ernste Schicksalsgemeinschaft. Wie kleine Soldaten.
    Das Essen wurde notfalls mit dem Finger in den Hals geschoben (wäre heutzutage vermutlich Körperverletzung), meistens versteckte ich die fetten Fleischstücken dann in meiner Schürze um sie nicht essen zu müssen. Wenn man vor Ekel kotzen musste, war das kein Grund… Mittagsschlaf war ein einziges Drama (wie schon von vielen hier beschrieben) und Bloßstellungen waren normale Erziehungsmethoden. Auf Toilette wurde nach Zeitplan gegangen, nicht nach Bedürfnis. Wenn man sich in die Hosen machte weil man eben schon musste, bevor der Zeitplan es vorsah, wurde man vor den anderen runtergemacht. Ich habe bis heute ein gestörtes Verhältnis zu dem Thema und fühle mich auch als Erwachsener nur sicher, wenn ich weiß, wo die nächste Toilette ist.
    Einmal wurde ich auf dem Klo eingesperrt und vergessen – da wurde dann aber nur drüber gelacht. War nicht der Rede wert.
    Der Gipfel war: unsere Erzieherin zwang uns immer, beim Mittagsschlaf ausschließlich auf der Seite und mit den Händen unter der Wange zu liegen. Beim Elternabend erklärte sie, das müsse so sein, denn wenn man Kinder auf dem Rücken mit freien Händen schlafen ließe, würden sie onanieren! Wir waren damals 4 Jahre alt!!! Ich nehme es meinen Eltern bis heute übel, dass sie solche Äußerungen zwar seltsam fanden, aber niemand den Mumm hatte, mal gegen diese Erzieherin aufzustehen.
    Auch aus kreativer Sicht wurde irgendwie nie auf die Kinder eingegangen. Ich war z.B. sehr technisch interessiert und habe als Junge gern Autos, Züge oder Flugzeuge gemalt. Es wurde aber immer vorgeschrieben, was wir zu zeichnen hatten – einmal habe ich dann trotzdem ein Auto gemalt und es gab ein Mega Drama – völlig dumm und lächerlich aus heutiger Sicht. Einmal habe ich mich beschwert, dass es als Nachtisch immer nur Äpfel gab… das kam in dem bekloppten Kindergarten einem mittleren Volksaufstand gleich. Das Ziel war eben tatsächlich, einen beschissenen kleinen Soldaten zu basteln. Ich bin bis heute (das merkt man wahrscheinlich) voller Hass auf diesen dummen, autoritären, kleingeistigen und menschenverachtenden Mist – und das, obwohl ich auch eine antiautoritäre Erziehung ablehne. Kinder brauchen Regeln und eine gewisse Führung – aber sie sollen auch Kinder sein und keine Soldaten.
    Ich bin mir absolut sicher, dass es in der DDR viele (vermutlich die Mehrheit) tolle Erzieherinnen gab, die ihren Beruf mit Liebe ausgeübt haben. Leider bot das System aber keinen Schutz vor besonders widerlichen Vertretern dieser Art und zumindest in meiner Kita wurde es bewußt toleriert.

  9. *Greta*

    Hallo, ich bin so froh, auf Deinen Artikel gestoßen zu sein und muss mich leider hier mit einreihen.
    Ich bin heute 45 Jahre alt.
    Auch ich habe nur furchtbare Erinnerungen an meine DDR Krippen- und Kindergartenzeit! Auch ich konnte mittags nicht schlafen (wie denn auch auf diesen brettharten Holzliegen) und habe vor mich hin geflüstert, was die Erzieherinnen störend fanden und mir daraufhin den Mund mit Heftpflaster zugeklebten. Und auch ich musste mir das Spottgedicht: „Ätsche, ätsche schäme dich, alle Leute sehen dich…“ anhören (hierbei mussten alle Kinder mitmachen). Und ja, auch mir kullern heute noch hier beim Schreiben die Tränen runter! Und ich bin froh, dass es unseren Kindern heute 1000mal besser geht und ich wünsche niemandem, solche Erfahrungen machen zu müssen! Heute gehe ich selbstbewusst durchs Leben, was aber nicht immer so war!

  10. Julia

    Hallo an Euch,
    auch ich bin heilfroh, diesen Thread gefunden zu haben. Mitten in der Corona-Krise ging es mir auf einmal so schlecht. Ich konnte das gar nicht zuordnen. Ich habe mir schnell professionelle Hilfe geholt und auch gefunden. Gott sei Dank.
    Wir sind ziemlich schnell mit unseren Gesprächen auf meine Krippen- und Kidnergartenzeit gestoßen. Es gibt euren Berichten eigentlich nichts hinzuzufügen: die Milch mit der Pelle, Aufessen müssen, in der Ecke stehen und, und, und. Auch der Mittagschlaf war traumatisierend!
    Ich wollte es erst nicht glauben, als meine Therapeutin sagte, ich wäre traumatisiert. Wovon denn ? War doch alles normal.
    Aber jetzt, wo ich sehe, wie sehr auch andere darunter gelitten haben und leiden, fühle ich mich nicht mehr damit allein. Mein Schmerz hat endlich eine Berechtigung gefunden.
    Ich werde versuchen, mehr darüber zu reden und auch anzuklagen. System hin oder her. Niemand darf Kindern diese (und auch keine andere) Gewalt antun.
    Passt auf Euch auf!

    1. Anja

      Hallo Julia,
      wie schön. dass wir helfen konnten, dass du dich nicht mehr allein fühlst.
      Leider ist Gewalt und Machtmissbrauch gegenüber Kindern noch immer Alltag in vielen Familien und sogar Einrichtungen.
      Ich bin froh , dass es voran geht. Aber die Mühlen malen langsam.
      Zu lang sind solche Strukturen schon verinnerlicht und wie du sagst, als normal gesehen.
      Traurig.
      Und um so schöner, dass eigenen Probleme, so hart das ist- uns heute hilft, nicht zu behaupten “es hat doch nicht geschadet” und zur Veränderung für unsere Kinder und Enkelkinder aktiv zu sorgen.

      Alles Liebe für dich !

  11. Katja

    Hallo, ich bin erschüttert von diesem Artikel und schreibe nun zum ersten Mal jemals einen Kommentar unter etwas im Internet gelesenes. Erschüttert und dankbar. Ich dachte immer, nur in unserem Kindergarten wäre es so schlimm gewesen. Ich bin jetzt 38 Jahre und noch immer stark in meinem täglichen Leben eingeschränkt – größtenteils durch meine traumatischen Erfahrungen.

    Bei uns wurde tagtäglich Gewalt ausgeübt. Körperliche, wie Zusammenknallen der Köpfe zweier Kinder (mein “Partner” wurde mal Ohnmächtig und einfach liegen gelassen), Schläge mit dem Schrubber, im Sommer barfuß auf dem sehr heißen dunklen Beton stehen, einsperren im dunklen Keller (vorher bekamen wir gesagt, die Gespenster kommen uns fressen – noch heute, als zu rationalem Denken fähige erwachsene Frau habe ich panische Angst im Dunkeln). Seelische Gewalt. Wir seien nichts wert. Eine Last. Schmutzig. Oft mussten wir Verdorbenes essen.

    Das alles ist furchtbar, ja. Noch schlimmer allerdings: die Eltern waren teilweise anwesend und befürworteten alles. Es sei schon richtig, so wie die respektierten Erzieher vorgingen.

    Als ich, damals bereits erwachsen, einmal mit meiner Mutter darüber gesprochen habe wurden ihre Augen erst panisch, dann traurig und schließlich sagte sie mit abwesendem Blick nur, das sei halt damals so gewesen. Ich habe ja davon profitiert (haha).

    Da meine eigenen Kids nun im Kitaalter sind ist das Erlebte und seine Folgen aktuell sehr brisant. Ich habe damit abgeschlossen, lebe im Jetzt und nicht im Damals. Meine Eltern sind auch nur Kinder ihrer Zeit gewesen. Sie wussten es nicht besser. Ich arbeite so gut es geht Alles auf.

    1. Anja

      Hallo Katja,

      es tut mir sehr leid, was du erleben musstest. Das Bewusstsein, dass das Handeln der PädagogInnen damals falsch war, ist der erste wichtige Schritt- und wie du sagst : aufarbeiten so gut es geht. Damit es unseren Kindern anders ergeht.

      Alles Liebe für dich

  12. Henrike Krüger

    Hallo, ich bin 36 und in Ost-Berlin in die Krippe und Kita gegangen. Ich habe dort leider auch emotionale Vernachlässigung erfahren. Ich wurde oft gezwungen Rosenkohl aufzuessen, während die anderen Kinder schon draußen spielten. Weil ich bis heute keinen Rosenkohl mag, erbracht ich den dann.
    Beim Mittagsschlaf auf den harten Holzpritschen konnte ich auch nicht wirklich zur Ruhe kommen. Ich fing an zu quatschen und habe, damit ich ruhig bin, mit voller Gewalt einen Apfel in den Mund gestopft bekommen. Danach war ich erst recht nicht mehr ruhig sondern habe geweint und musste vor die Tür

  13. Rike

    Ich hab mal in der Kita während des Mittagsschlafes Nasenbluten bekommen (einfach so) und das ganze Kopfkissen war schon rot. Ich musste tatsächlich vor allen anderen Kindern mein Bettzeug abziehen und neu beziehen und das dreckige Kopfkissen hab ich mit nach Hause bekommen zum Waschen…

  14. Susanne

    Diese Erfahrungen kann ich leider nur bestätigen. Ich dachte immer, dass ich diese Zeit nur so schrecklich wahrgenommen habe. Es war Horror und Panikattaken begleiten mich heute noch.

  15. KH

    Hallo,
    ich kann das so gut nachvollziehen! Mit 1 Jahr kam ich in der DDR in die Kinderkrippe. Wenn ich etwas “falsch” gemacht habe, wurde ich in einen dunklen Raum ohne Fenster gesperrt. Ich weiß nicht mehr für wie lange – ich weiß nur, dass jede Sekunde zu viel war und dass ich jahrelang Angst vor Dunkelheit hatte. Im Kindergarten wurde mein Cousin, der medizinisch bedingt eingenässt hat, sobald er lag, vorgeführt: er diente als schlechtes Beispiel, weil er sich deshalb natürlich nicht hinlegen wollte. Wenn er beim Mittagsschlaf geredet hat, wurde ihm ein Pflaster auf den Mund geklebt und es gab unendlich viele Tränen. Ich kann nur hoffen, dass den Erzieherinnen (in meinem Fall ausschließlich Frauen) nicht bewusst war, was sie anrichten. Und noch mehr hoffe ich, dass es den Eltern, die ihre Kinder dort “abgaben”, nicht egal war oder ist.
    Ich wünsche dir von Herzen alles Gute und dass du erwachsene Strategien findest, um diese Erlebnisse zu verarbeiten. Vielleicht kannst du das beschämte und verletzte Kind irgendwann beruhigen und trösten. Pass gut auf dich auf.

  16. Janine

    Hallo,
    ich bin jetzt 36 und wie manch andere hier in einer Kita im Ostteil von Berlin gewesen. Und ich habe mit erleben müssen, wie Kindern ein Pflaster auf dem Mund geklebt wurde, wenn sie etwas böses gesagt haben. Ich selbst musste außerdem einmal “Nachschlafen”, als ich keinen Mittagsschlaf gemacht habe bzw. weil ich meine Augen geöffnet habe. Also haben sie mich samt meiner Liege nach draußen in die Garderobe gestellt. Ich habe so geweint. Es war schrecklich.

    Ein anderes Mal wurde ich beim Mittagessen gezwungen Leber zu essen, obwohl mir die Leber nicht geschmeckt hat. Ich musste so lange am Tisch sitzen, bis ich aufgegessen hatte. Ich kann mich bis heute noch an den Namen der Erzieherin erinnern, die mir das angetan hatte.

  17. Kathi

    Nun was soll ich sagen, mich erschreckt es das ich so viel erkenne. Auch ich musste erfahren was es heißt im Kindergarten der DDR nicht zu funktionieren. So lange sitzen bleiben bis man aufgegessen hat, notfalls wurde man gefüttert. Schlafen im Toillettenraum. Tücher aufs Gesicht gelegt zu bekommen wenn man beim Schlafen geblinzelt hat. in der Ecke stehen. wenn man zu viel geredet hat wurde der Mund mit Klebeband zugeklebt. Die anderen Kinder wurden aufgefordert einen auslachen zu dürfen! Es gab auch schöne Zeiten im Kindergarten, ich erinnere mich leider mehr an die Schlechten. Mein Mann war in einem anderen DDR Kindegarten berichte die gleichen Sachen. Es gab bestimmt auch liebevollere Einrichtungen, wie man aber sieht waren das wohl Ausnahmen. Psychische Gewalt und Druck ausüben war wohl der Leitsatz im Kindergarten der DDR.

  18. Steffi

    Hallo Zusammen

    Ich bin 34 Jahre alt, geboren in Rostock und ich befinde mich gerade in einer schwierigen gesundheitlichen Lage. Im Zuge dessen bin ich mit meiner Mutter auf das Thema Kindheit und mögliche Traumata gekommen. Erst jetzt habe ich erfahren, dass es in meiner Krippe zu (mindestens) seelischen Misshandlungen gekommen ist, auch hier ging es um den Mittagsschlaf. Meine Mutter arbeitete damals nebenan im Kindergarten und wurde von einer befreundeten Erzieherin panisch dazugeholt, weil man mir die Decke über den Kopf drückte und mit Gewalt zuhielt. Ich habe wohl geschrien, banaler Grund dafür war: ich störte das Milieu indem ich wach war. Meine Mutter erhielt eine Abmahnung (!) weil sie den Vorgang unterbrach. Dinge, die ich hier lese, wie z.B der Rosenkohl, die Milchhaut kommen mir irgendwie bekannt vor, jedoch habe ich absolut keine Erinnerung mehr an die Krippe und kaum welche an dem Kindergarten. Ich bin nun durch Recherche auf euch gestoßen und bin froh und erschüttert zugleich eure Zeilen zu lesen.
    Ich erinnere mich an die Schulzeit, trotz guten Freundeskreis, das ich mich immer anders gefühlt habe, weniger unbeschwert, eben anders..
    vielleicht ist das ein Erklärungsansatz? Es ist schwierig etwas zu fühlen ohne es greifen zu können.

    Danke für diese Einträge hier!

  19. Sophia

    Leider habe ich ganz ähnliche Erfahrungen gemacht und an die Kinderkrippenzeit keine guten Erinnerungen. Das Ganze ist jetzt wieder aufgekommen, da ich nun selbst einen 4 Monate alten Sohn habe und überlege ab wann ich ihn in die Krippe gebe.
    Am Wochenende hatte ich meine Mutter gefragt, ab wann wir, mein Bruder und ich, in die Krippe gekommen sind. Sie meinte mein Bruder ist damals schon mit 16 Wochen und ich mit einem Jahr in die Krippe gekommen. Mir zerreißt es das Herz, dass mein Bruder damals genauso alt war wie mein Sohn heute. Es wäre für mich ein absoluter Albtraum, wenn ich meinen kleinen Sohn jetzt schon an Fremde überlassen müsste. Ich fragte daraufhin meine Mutter wie es ihr damals damit ging. Ihre Antwort überraschte mich, denn sie zeigte keine Reue. Sie äußerte nur mit beiden Kinder überfordert gewesen zu sein, da mein Vater auch vollberufstätig war und keine Zeit hatte. Er selbst ordnete die Krippenzeit nicht kritisch ein. Die Aussage war, es haben ja alle damals so gemacht.

    Leider erging es mir dann mit 1 Jahr genauso wie es bereits oben beschrieben worden ist. Vom Aufessen-Müssen bis Mittagsschlafen-Machen-Müssen. Ich weiß noch einmal hatte ich keinen Hunger mehr, sollte aber den Teller leer essen. Die anderen Kinder waren schon fertig und räumten ihre Tische weg um für den Mittagsschlaf die Liegen hinzuräumen. Ich saß also alleine im Mitten des großen Raumes, alle starten mich an und ich musste mir daraufhin das Essen reinzwängen. Daraufhin erbrach ich alles auf dem Teller und konnte dann auch endlich aufstehen. Doch das war noch nicht das Schlimmste.

    Einmal meinte meine Mutter kam ich sogar mit roten Striemen auf dem Rücken nach Hause. Ich denke auch, dass die Kinder, wenn sie nicht hörten systematisch geschlagen worden. Die Striemen waren sichtbar, ich möchte nicht wissen, wie viele davon auch unsichtbar geblieben sind. Leider zeigten das meine Eltern nicht an, was ich bis heute nicht verstehe, zumal auch zum Schutz der anderen Kinder. Selbst in der DDR wäre das strafbar gewesen. Die Entschuldigung war dann, dass es wohl eine Art “Aussprache” mit der betroffenen Erzieherin gegeben hätte.

    Mit 18 erkrankte ich dann an einer Depression und ich hatte in der Schule Probleme mich durchzusetzen und Freundschaften zu knüpfen. Daraufhin bin ich eine Psychotherapie gegangen.
    Auch jetzt bin ich mit meinem Partner in einer Paarberatung und auch der Psychologe stellte bei mir ein mangelndes Selbstwertgefühl fest. Ich glaube es ist selbsterklärend, woher das kommt.

    Ich denke, wäre ich damals nicht in eine DDR-Krippe in Jena gekommen, wäre ich heute ein anderer Mensch. Ich habe das Gefühl, dass es mich leider ein Leben lang verfolgen wird. Wie sagte, der Psychologe: “Jeder hat sein Päckchen zu tragen”.

  20. Anke

    Meine Mutter erzählte mir heute, dass ich vor Angst und Aufregung eine Zeitlang vor der Kita, also auf dem Weg dorthin, erbrechen musste. Sie hat zwar gefragt ob was vorgefallen sei, hat sich aber schnell abwimmeln lassen.
    Ich und auch meine Schwester haben noch nie gut über unsere Zeit im Kindergarten gesprochen, allerdings waren wir selbst nie direkte Opfer dieser Tyrannei. Wir haben uns angepasst, um nicht aufzufallen. Was das letztlich mit uns gemacht hat, ist mir erst jetzt langsam klar. Das mit dem Erbrechen hab ich vergessen. Warum? Weil niemand auf dieses klare offensichtliche Leid eines Kindes eingehen wollte oder konnte. Aussagen wie “früher war alles besser” oder “hat uns nicht geschadet” zeugen von der Macht dieses beschissenen System, welches bis heute nachwirkt.
    Ich kann mich erst jetzt bei Gesprächen mit dominanten Personen, die solche Methoden gutheißen, auflehnen und standhaft bleiben. Ich bin 41 und erst jetzt bin ich in der Lage meinem inneren Kind beizustehen und es zu beschützen. Und wie oben beschrieben war ich nie direktes Opfer, aber allein die Aussicht auf diese Behandlung hat mit mir was gemacht. Ich habe tiefes Mitgefühl für diejenigen, die das direkt erfahren haben.

  21. Antje

    Ich bin mit 6 Wochen in ein Wochenheim gekommen. Bis zum 3. Lebensjahr. Samstags holte mich mein Vater. Das Heim lag 400 Meter entfernt von meinem Elternhaus.
    Meine Eltern mussten beide arbeiten, was in der DDR nicht unüblich war.
    Meine Schwester, 2 Jahre älter, wurde täglich nach Hause geholt.
    Durch eine langjährige Analyse habe ich mich teilweise erinnern können.
    Gefühle aus dieser Zeit haben mich geprägt. Heute weiß ich, dass alle betroffenen Kinder bewusst zu einem Typus Mensch erzogen wurden. Das Thema fehlende Bindung spielt eine große Rolle. Zudem hat das ständige Überschreiten der eigenen Grenzen traumatische Folgen.
    Die DDR wusste schon Anfang der 60er Jahre von der Fehlentwicklung der Kinder …
    Auch waren meine Kindergartenjahre unangenehm. So wie es hier in all den Berichten geschildert wird. Ich kann alle Schilderungen nur bestätigen. Demütigend. Tag für Tag. Zudem keine Unterstützung durch die Eltern.
    Das hörte ja auch mit dem Schuleintritt nicht auf.
    Heute bin ich Großmama und liebe meine Kleinen. Ich gönne ihnen alles Gute. Nur mein inneres Kind, das ruft noch heute nach Trost.
    Das Ziel der Erziehung in der DDR war nicht die Stärkung des Einzelnen sondern die Schaffung eines Sozialistischen Menschens. So musste der Wille gebrochen werden, damit man in der Gesellschaft funktionierte. Ich wünsche allen, die hier mutig ihre Meinung sagen, alles Gute.

  22. Anne

    Ich bin 39 und DDR Krippenkind. Auch ich kann die Schilderungen bestätigen. In der Krippe habe ich mich anfangs noch heulend “gewehrt” gegen die Trennung von meiner Mutter. Danach habe ich resigniert und aufgehört zu sprechen und zu spielen. Gekümmert hat es niemanden. Warum redet das Kind nicht? wurde meine Mutter gefragt. Von Demütigung über Mittagessen aufessen müssen über Bloßstellungen….Erinnerungen haben sich eingebrannt, wie ich zum Beispiel heulend vor dem Teller saß ohne auch nur einen Bissen runterzubringen, während die anderen Kinder spielen durften. Ich kann mich nur an schlechte Erfahrungen aus dieser Zeit erinnern. Das war seelische Gewalt und dunkelste Pädagogik. Mein Leben ist geprägt von Überanpassung und Schuldgefühlen. Aktuell leide ich an Depressionen und versuche zu lernen mein inneres Kind zu trösten. Bis vor 1 Jahr konnte ich keine Kitabilder ansehen. Ich dachte, ich wäre Schuld, weil ich nicht richtig bin. Dabei war es dieses grausame System.

  23. Katrin

    Ich bin in manchen Situationen gefühlskalt. Mir gegenüber, meinem Bruder gegenüber, Freunden gegenüber und meiner Mutter gegenüber. Das habe ich erst in letzter Zeit hinterfragt, warum das so ist. Ich hatte doch eine “normale” Kindheit. Mir war nichts bewusst, was mir Schlimmes passiert sein sollte. Ich kann mich an nichts wirklich Schlimmes erinnern. Ich habe nur manchmal die Erinnerung daran, dass ich bereits als Kind eine Traurigkeit in mir trug und ich mich stets angepasst habe. Ich hatte auch als Kind schon eine panische Angst vor dem Tod. So dass ich, wenn ich mich reingesteigert habe, mit einem Satz aus dem Bett gesprungen bin, Licht anmachen musste, Radio eingeschaltet habe, um mich abzulenken. Zudem wurde bei mir im Jugendalter eine Neurose festgestellt. Ich fand mich zu dünn, gewisse Körperteile fand ich nicht schön. Ich fand mich einfach nicht schön und liebenswert, ich fand mich anscheinend irgendwie falsch, irgendwie nie so richtig dazugehörig, war aber durch meine Anpassungsfähigkeit doch in der Lage immer irgendwo dazuzugehören. Ob ich mich dann dabei wohl fühlte, war eine andere Sache. Diese Worte, die ich hier gerade niederschreibe, sind eine vage Beschreibung dessen, wie es mir wohl damals ging. Ich habe das bisher nie so gesehen, da ich es nie analysiert habe. Damals empfand ich es wohl als ein Normal-Zustand, weil ich es nicht anders kannte. Ich erlebte aber manchmal bis ins Erwachsenenalter Situationen bzw. Gefühle/Unwohlsein, die ich nicht beeinflussen konnte… sie überkamen mich plötzlich. Ich habe mich fremd gefühlt, da wo ich gerade war. Das eigenartige Gefühl kann ich bis heute nicht beschreiben. Nur das es sehr unangenehm war. Seit ein paar Jahren habe ich es nicht mehr. Ich bewege mich anscheinend nun in einem zu mir passenden Umfeld oder ich habe mich verändert.

    Ich bin nun 47 Jahre alt und habe vor ca. einem Jahr ganz beiläufig von meiner Mutter erfahren, dass ich in der ehemaligen DDR mit ca. 6 Wochen in die Kinderkrippe gebracht wurde. Mein 2,5 Jahre älterer Bruder wurde erst mit 1,5 Jahren in die Krippe gebracht. Mein Vater wollte es wohl so, war die Antwort meiner Mutter, als ich sie daraufhin fragte, warum ich so früh in die Krippe musste. Meine Mutter sollte wieder arbeiten gehen. Ich meinte zu ihr, dass sie sich hätte wehren können. Das konnte man wohl bei meinem Vater nicht. Sie meinte, sie wäre nicht in der Lage dazu gewesen.

    Ich kann mich an nichts wirklich erinnern, was in der Krippe war. Es gibt einen kleinen Ausschnitt, der manchmal aufkommt. Ich schmiere meinen Kot an ein Krippengitterbettchen und an die Wand. An mehr kann ich mich nicht erinnern. Meine Mutter erzählte mir auch, dass ich mit 6 Monaten eine sehr schwere Lungenentzündung hatte und für über 3 Monate ins Krankenhaus musste. Allein …. ohne meine Mutter. Heute stellt sich mir die Frage, wie das geschehen konnte mit der Lungenentzündung – lagen wir nass im Bettchen oder waren wir draußen im Winter an der frischen Luft nicht genug wärmend angezogen oder ohne Decke?. Das werde ich niemals beantwortet bekommen.

    An meine Kindergartenzeit im Kindergarten nebenan von der Krippe (Neubaugebiet) kann ich mich auch nur bruchstückhaft erinnern. Ich sitze vor einem Teller mit Milchnudeln. Da ich Milch nicht getrunken habe, da sie mir nicht schmeckte, musste ich solange vor dem Teller ganz allein sitzen, bis ich diese Milchnudeln in mich hineingewürgt hatte. Ehrlich gesagt weiß ich nicht mehr, ob ich mich übergeben habe oder nur gewürgt habe, ob ich es alles aufgegessen habe …. keine Ahnung. Jedenfalls saß ich ganz allein und alle anderen durften raus zum spielen.
    Bis ich diese Seite hier heute gesehen habe, hatte ich zwar immer mal wieder diese Erinnerung, aber ich habe diese Situation nicht weiter bewertet. Ich kann mich schemenhaft an mich oder andere Kinder mit nackten Füßen in Baderäumen in einer Ecke stehend erinnern. Auch das “Strafe-Stehen” vor den Schlaf-Pritschen im Kindergarten wird mir gerade bewusster, als ich eure Zeilen gelesen habe. Fettwürfel in Suppen, die man essen musste, obwohl man sich davor ekelte usw. An körperliche Misshandlungen kann ich mich nicht erinnern. Auch habe ich bis heute die mir anscheinend widerfahrenen Sachen nicht als seelische Misshandlungen betrachtet.

    Nun sitze ich hier und mir wird bewusst und ich begreife allmählich, dass vielleicht diese Vergangenheit der Grund ist, warum ich manchmal in gewissen Situationen, in denen ich stark unter Druck stehe und nicht mehr weiter weiß, außer mir bin und meine Kinder anschreie. Wo ich doch eigentlich besser ruhiger sein sollte, da schreien alles nur noch schlimmer macht. An Tagen, an denen ich mich selbst nicht leiden kann, bin ich oft ungehalten anderen gegenüber.

    Ich bin bereits seit ca. einem Jahr bei einer Erziehungsberaterin, die mir hilft, diese Situationen aufzulösen bzw. anders mit diesen Situationen umzugehen. Es wird mir zunehmend bewusst, dass ich mal meine Kindheit aufarbeiten muss, um einiges zu verstehen, um zu sehen, dass ich nicht falsch bin, sondern die damaligen Umstände falsch waren. Um zu lernen, mich zu mögen, so wie ich bin, um meine Kinder so anzunehmen, wie sie sind, auch wenn ich manches anders sehe.

    Ich muss auch lernen, mit der damaligen Entscheidung meiner Mutter zu leben, dies aufzuarbeiten, da man es nicht mehr ändern kann, um mich meiner Mutter vielleicht wieder annähern zu können. Jetzt fühle ich nur eine große Distanz zwischen mir und ihr. Teilweise auch Wut ihr gegenüber, dass sie alles so hingenommen hat und für nichts eingestanden ist. Irgendwie ist da keine Empathie meinerseits ihr gegenüber. Das ist vielleicht das Resultat der fehlenden Bindung als Baby, wenn man so früh in die Krippe gegeben wird und man abgegeben wird. Auch wenn ich mich nicht mehr richtig an alles erinnern kann, hat es sicherlich meine Persönlichkeit, mein Wesen stark geprägt.

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