Leben ist lernen – Oder, warum Kinder keine besondere Förderung brauchen

Wenn das Argument, dass Kleinkinder vor allem ihre Eltern brauchen, auf taube Ohren stößt. Weil alle nur an Förderung denken.

Ich möchte hier heute nicht über (Fremd-)Betreuung schreiben, ich denke das Thema habe ich hier ausreichend beleuchtet. Viel mehr möchte ich die Gegenseite beleuchten. Nämlich das daheim bleiben mit dem, oder für das Kind. In vielen Gesprächen, vor allem seit dem klar ist, dass ich nicht nur die erst angedachten zwei Jahre, sondern sogar 3 Jahre beim Bären zuhause bleiben werde, begegnen mir Aussagen wie:
Zuhause kann man den Kindern ab eins etwa einfach nicht mehr genug bieten.”
“Kinder die so lange Zuhause bleiben werden nicht ausreichend gefordert und gefördert”
Und
“So kann ein Kind kein Sozialverhalten erlernen” .

Mir ist bewusst, das einige Menschen diese Argumente brauchen, um vor sich selbst das “frühe” betreuen lassen zu entschuldigen, es gibt aber auch viele die wirklich dieser Meinung sind.
Grundsätzlich möchte ich bei diesen Aussagen direkt laut “Bullshit” rufen. Näher betrachtet ist es aber gar nicht so gänzlich von der Hand zu weisen, wenn man genauer betrachtet wie heute in vielen Fällen gelebt wird.

Die Kinder werden bei normalen Alltagsaufgaben außen vor gelassen und sollen lieber alleine spielen (wozu sie selten unter 3 überhaupt ausdauernd in der Lage sind).
Die Welt zu entdecken ist in vielen Fällen, mal subjektiv mal objektiv zu gefährlich. Kinder werden in ihrem natürlichen Entdeckungsdrang eingeschränkt.
Große zusammen lebende Gruppen, in denen permanenten verschiedene Sozialkontakte geboten werden gibt es nicht mehr. Mit Glück gibt es ein oder zwei Geschwister und man sieht Oma und Opa regelmäßig. Damit ist dann aber zu meist auch schon das Ende der Fahnenstange erreicht.

Und ja, wenn ich diese Tatsachen, erst mal so, losgelöst von Möglichkeiten betrachte, dann muss ich den Mamas wohl doch recht geben. SO können sich unser Kinder nur schwer artgerecht entwickeln.

Statt aber eben unsere Kinder einfach diesem Umstand anzupassen und in eine Einrichtung zu geben, haben wir ebenso die Möglichkeit, die ich definitiv vorziehe, die Umstände an zu passen!

Leben ist Lernen.

Unsere Kinder sind kleine Schwämme, sie saugen alles was um sie herum passiert nur so auf. Sie benötigen keine besondere Forderung oder Förderung (im Normalfall). Es reicht völlig sie in unser Leben, in unseren Alltag mit ein zu beziehen. Gemeinsam fegen, saugen, wischen, abwaschen, aufräumen, den Geschirrspüler ausräumen, Holz für den Ofen rein holen. Das alles ist unser Alltag. Das alles ist für Kinder unheimlich interessant und bereichernd. So lernen sie, ganz nebenbei was wie funktioniert, wo steht und so weiter. Und ganz ehrlich, wie viele Eltern räumen auf wenn das Kind schläft, erwarten aber dann plötzlich, wenn das Kind 5 ist, dass es sein Zimmer aufräumt. – Wenn ihr mich fragt ist das ganz schön Schizophren.

Aber was braucht es noch?

Entdecken lassen und Zeit nehmen. Zeit haben!
Jedes Kind, jeder Mensch hat seine eigenen Interessen und versucht in diesem Bereich alles heraus zu finden. Mein Neffe konnte mit 3 Jahren erklären, dass diese Affen Art (Bild) ein Bonobo ist und Bonobos eine Schimpansen Art sind. Warum ? Weil es ihn interessierte, weil er alles darüber hören wollte, sich Dinge über Tiere x mal vorlesen ließ. Videos darüber schaute, quasi im Zoo lebte.
Kinder lernen Tiere kennen wenn wir sie diese entdecken lassen. Lernen laufen, wenn wir es sie tun lassen. Lernen klettern wenn wir es sie probieren lassen. Lernen schaukeln wenn wir ihnen das Vertrauen schenken, dass sie es alleine schaffen.

Natürlich gibt es immer Objektive Gefahren. Und niemand sagt, dass ihr eure Kinder im Entdeckerdrang auf die Straße laufen lassen, oder sie alleine im anderen Raum die Leiter erklimmen lassen sollt! Aber man kann in einen Park, Wald oder ins Feld gehen. Man kann sichernd hinter der Leiter stehen während das Kind auf die Leiter klettert oder den Boden mit Fallschutzmatten ausstatten. Und wenn unsere Kinder älter sind, kann man draußen (und auch drinnen) Themen vorgeben, oder besser noch selbst von den Kindern aussuchen lassen mit denen sich beschäftigt wird, nach denen gesucht wird oder die wir prima erkunden und ergründen können.

Und die Sozialkontakte?

Um die sollten wir uns tatsächlich kümmern uns bemühen. Es ist oft gar nicht so schwer wie man denkt sich seinen “Clan” zu schaffen wie Nicola Schmidt es im Artgerecht und Slowfamily Buch nennt. In Krabbelgruppen, Stillgruppen oder Elterncafes findet man oft Gleichgesinnte, kann sich austauschen, anfreunden, regelmäßig treffen. Wenn das gut läuft dann hat man sogar weitere Bezugspersonen die das Kind wenn es nötig sein sollte mal betreuen können. Ansonsten gibt es etliche weitere Angebote. Eltern-Kind turnen, Spielgruppen, große Spielplätze wo immer was los ist, Krabbel- oder Kleinkindgruppen, es gibt wirklichen einiges. Außerdem sollten wir weg gekommen, von dem Gedanken, das Kinder gleichaltrige brauchen. Kinder brauchen Menschen, Sozialkontakte, Spiel. Wie es auf dem Kongress der Ökologie der Kindheit von André Stern gesagt wurde. Auch wir als Erwachsene können mit Ihnen spielen, ältere Kinder Spielen, wir alle sind Sozialkontakte.

Ich möchte mit meinem heutigen Artikel niemanden denozieren, der nicht in der Lage oder gewillt ist das zu leisten. Niemanden diskriminieren weil seine eigenen Bedürfnisse damit kollidieren würden diesen Rahmen zu Schaffen. Ich möchte nur zeigen, nur deutlich machen, dass es sehr wohl reichen kann, genug sein kann, ausreichend fordert, fördert und auslastet, auch wenn das Kind “nur” zuhause von den Eltern betreut wird.
Mein Sohn räumt täglich mit mir den Geschirrspüler aus, Kocht mit mir und sorgt für Feuerholz. Es saugt, fegt, räumt besser auf als ich selbst. Wir sind am Vor- oder Nachmittag draußen und entdecken die Welt. Graben das Blumenbeet um spielen auf dem Spielplatz. Spielen fangen, schaukeln und lesen Bücher. Es geht.

Kleinkind mit Hund

Der kleine Bär geht mit dem Hund. Gelernt im Leben.