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Familie

Medien und Kinder

Eines der Themen, bei denen man sich nur in die sprichwörtlichen Nesseln setzen kann: Medien und Kinder – selbstbestimmte Mediennutzung. Das heißt: sowas wie Fernseh schauen, Youtube nutzen oder Spiele auf dem Hand/Tablet spielen. Und zwar ohne das die Eltern bewusst regulierend eingreifen.
Das ist der Moment wo ich bis vor meinen Computer den Aufschrei höre: Das geht doch nicht!

Kinder und digitale Medien

Handy, Computer und Co bestimmen unseren Alltag. Das sehen natürlich auch unsere Kinder. Die sinnvolle und gut bedachte Nutzung dieser Medien vor zu leben, ist sicher ein Grundstein und sollte unser aller Ziel sein. Das bedeutet: Prioritäten setzen! Das Handy ist nicht wichtiger als die Kinder und direkter Kontakt wird dem Schreiben vorgezogen.
Fern halten können wir unsere Kinder aber von digitalen Medien nicht. Zumindest nicht besonders lange – egal wie gut durchdacht das Spielzeugtelefon ist. Und wir sollten es auch nicht!
Damit Kinder einen guten und gesunden Umgang mit Medien erlernen können, müssen sie damit umgehen dürfen. Sie müssen die Chance dazu bekommen. Und das ist auch nicht weiter dramatisch, sofern wir ein paar Grundsätze beachten.

Grundsätzliches für die Nutzung der digitalen Medien für Kinder

Die Inhalte die unseren Kindern zur Verfügung stehen, sollten dem Alter und der Entwicklung angemessen sein. Wir sind uns sicher alle einig, dass Kleinkinder mit Gewalt, die sie sehen noch absolut nicht umgehen können. Daher haben solche Inhalte nichts auf dem Bildschirm verloren, wenn die Kinder damit beschäftigt sind. Aber auch sonst sind Kinder sehr individuell, auch vermeintliche Kindervideos, werden nicht von allen Kindern gut aufgenommen.
Um das adäquat einschätzen zu können- und auch sonst gilt: Kinder und digitale Medien, ja – aber niemals alleine!
Wir als Eltern tragen wie immer die Verantwortung und sollten uns unabhängig davon auch bewusst sein, dass Medien kein geeigneter Babysitter sind.
Wenn wir unseren Kindern den Zugang zu digialen Medien geben, dann begleitet. Wir als Eltern sind dabei, stehen für Rückfragen zur Verfügung, können helfen und natürlich schützend einschreiten.
So wenig wie mein zwei Jähriger allein durch den Ort oder die Stadt läuft, so wenig läuft er auch allein durch Youtube (kids) oder ähnliches.

Selbstbestimmt … das geht doch nicht!

Immer wenn ich irgendwo lese oder höre, dass etwas nicht geht, dann muss ich an den Satz “das sind seine Grenzen, nicht deine”, denken.
Aber wie ist das im Bezug auf Medien, sind unsere Kinder in der Lage sich da selbst zu regulieren?
Jein!
Selbstbestimmt , das bedeutet für mich kein aktives regulierendes Eingreifen, kein gegen den Willen des Kindes, und ja (auch wenn es so furchtbar bequem ist) keine Abschaltautomatik. Und dennoch, wird auch an dieser Stelle, das Kind nicht allein und nicht sich selbst überlassen. Das klappt nämlich in den aller meisten Fällen nicht.
Der “Trick” ist, das die Kinder sich selbst bestimmt anderen Dingen zu wenden. Dingen, die wir eh tun oder gezielt ins Spiel bringen.
Oder ganz konkret: unsere Aufgabe besteht nicht darin die Zeit der Kinder mit den Medien zu beschränken, sondern viel mehr darin, den Alltag drum herum so spannend zu gestalten, dass Tablet, TV und Co selbst bestimmt zur Seite gelegt werden.

Die Basis dafür sind oft geplante Tage und damit meine ich nicht auf die Sekunde getaktet, aber eben doch mit einem Ziel, so bleibt oft kaum Zeit über anderes nach zu denken. In die alltägliche Arbeit können Kinder gut mit einbezogen werden – soziale Interaktion wird fast immer vorgezogen. Zusammen kochen, basteln, pflanzen, waschen… die Liste ist unendlich lang. Wenn das Kind grade versunken vor einer Serie sitzt, darf es dann auch die gezielte Nachfrage “Magst du mir bei xy helfen?”, sein.

Sicherlich wird es am Anfang eine hoch frequentierte Zeit geben – aber bald sind die einfachsten Dinge, die aber nicht non stop da sind, spannender als die Medien.

In Beziehung bleiben

Für den “Erfolg” ist das wohl wichtigste, dass wir weiter in Beziehung zu unserem Kind bleiben. So wenig wie Tablet, TV und Co adäquate Babysitter sind, so wenig können sie Bedürfnisse erfüllen.

Nur so lange wir Bedürfnisse wie Liebe, Aufmerksamkeit, Zugehörigkeit und so weiter erfüllen kann der selbstbestimmte Medienkonsum “funktionieren”. Ansonsten versuchen Kinder eben diese nämlich durch das genutzte Medium zu erfüllen und dann droht ein Suchtverhalten. Die Kinder Kapseln  sich ab und sind nicht mehr offen für die Alternativen im Alltag.
Das heißt, auch in diesem Falle liegt die Verantwortung bei uns als Eltern.

Medien und Entwicklung der Kinder

Medien schaden doch aber der Entwicklung der Kinder und führen zu einer Verzögerung dieser.
Oder?
Nutzen Kinder digitale Medien allein und ohne ausreichende anderweitige Ansprache und Beziehung mit den Eltern, so stimmt das.
Sofern Kinder aber gemeinsam mit den Eltern – auch interaktiv die Medien nutzen, entdecken und erkunden. Und außerdem ein abwechslungsreiches Freizeitangebot sowie eine stabile Eltern-Kind Beziehung haben, ist das nicht so.
Fraglich finde ich bei dieser Studienlage nur, ob wohl die Entwicklungsverzögerung im ersten Fall tatsächlich Medien bedingt ist, oder vielleicht die mangelnde Beziehung und Abwechslung im Alltag da der ausschlaggebende Punkt ist?

Tatsache ist – bleiben wir in Beziehung und nehmen weiterhin die Verantwortung wahr, so müssen wir uns keine Sorgen um die Entwicklung unserer Kinder machen. Medien Nutzung hin oder her.

Und wenn ich mir aber trotzdem Sorgen mache?

Manche Glaubenssätze sind tief in uns verankert. Ich bin absolut dafür diese zu bearbeiten und genauer hin zu schauen – aber was bis dahin?
Vor allem : fair bleiben. Wenn grade eine Sache begonnen wurde – oder man mitten drin ist und dann abgeschlatet werden muss ist immer maximal frustrierend. Besser: die eine Sache zuende machen lassen – oder zumindest bis zum Speichern abwarten.

Vorleben : wer glaubt, dass (häufige) Mediennutzung tatsächlich schadet, muss seinen Kindern auch konsequenterweise vorleben, digitale Medien nur selten zu nutzen. Mit zweierlei Maß messen, wird sonst zu maximalem Unmut und unweigerlich zur Konfrontation führen.

Für sich einstehen: Bewusst und angstfrei mit den Kindern die eigenen Sorgen und Ängste kommunizieren und auf dieser Grundlage eine bestimmte Zeit pro Tag oder Woche festlegen in der digitale Medien genutzt werden dürfen. Niemand sagt, dass das zwingend gut ankommt, oder zu wenig Wiederstand führt. Aber es ist doch zumindest authentisch. Und auch das ist für Kinder immer eine wichtige Erfahrung.
Oft hilft es, statt eine nicht greifbaren Zeit, eine Sanduhr oder einen Wecker zu nutzen, durch welche die Zeit der Nutzung begrenzt wird.

An dieser Stelle noch ein paar Worte zur Abschaltautomatik. Diese befreit die Eltern von ihrer Veantwortung. Natürlich ist “Huch jetzt ist es wohl aus”, der einfache(re) Weg. Gleichzeitig, stehe ich als Elternteil aber nicht mehr für MEINE Entscheidung ein sondern gebe die “Schuld” dem Gerät. Der einfache Weg ist nicht immer der bessere und an dieser Stelle finde ich es weder hilfreich noch fair den Kindern gegenüber. Außerdem hat man so tatsächlich nicht mal die Möglichkeit Spielstände (zum Beispiel) zu speichern. Sehr frustrierend!

Abschließend bleibt: Medien begleiten uns heute tagtäglich, dass unsere Kinder entsprechend Interesse daran haben ist nicht verwunderlich. Um einen guten und gesunden Umgang mit digitalen Medien leben zu können, müssen wir unsere Kinder im Umgang damit begleiten. Dem “Zauberkasten” das zauberhafte nehmen und unseren Kindern beim verstehen helfen. Außerdem einen spannenden und abwechsungsreichen Alltag bieten, Bedrüfnisse erfüllen und in Beziehung bleiben .

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