Ohne Konsequenzen geht es nicht!

Wenn Kinder keine Konsequenzen kennenlernen, dann haben sie später im Leben mal ein Problem!

Ja die Aussage unterstütze ich tatsächlich so. Voll und ganz. Denn Konsequenzen wird es immer geben. Damit werden unsere Kinder unweigerlich eines Tages konfrontiert und der Umgang mit ihnen wird deutlich leichter sein, wenn Mama und/oder Papa schon einige dieser Konsequenzen mal gemeinsam mit begleitet und das Kind dann in seiner Trauer, Wut und Verzweiflung aufgefangen haben.

Fernhalten von Konsequenzen ist nicht sinnvoll

Ich habe einen Artikel darüber gelesen, dass Eltern heute immer mehr dazu neigen, ihre Kinder “in Watte zu packen” und jegliches Unheil, auch das in Form von Konsequenzen von ihnen fern zu halten.

Und ich habe die Beobachtung gemacht, dass das stimmt. Wenn Paula (der Name ist natürlich willkürlich gewählt), so lange an einer Buchseite zieht, bis diese herausreißt (obwohl sie unter Umständen darauf hingewiesen wurde, dass das Buch so kaputt geht), dann werden sprichwörtlich gern Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um eben jenes Buch, jene Seite wieder zu reparieren. Anstatt dem Kind an der Stelle ehrliches Verständnis für die dann auftretende Trauer entgegen zu bringen und zu trösten.

Ignoranz aber auch nicht!

Das andere Extrem wäre, dass es den Eltern egal ist: “Pah, habe ich dir doch gesagt, dass du das Buch so kaputt machst – jetzt sieh zu wie du damit klar kommst”. Klar, kann man so machen, allerdings lernen unsere Kinder Sozialverhalten hauptsächlich dadurch, dass es ihnen vorgelebt wird. Und Niemand von uns kann ernsthaft erwarten, dass ein Kind welches mit solchen Reaktionen der Eltern konfrontiert ist eine besondere sozial Kompetenz entwickelt oder sehr empathisch wird.

Konsequenzen und Strafen sind ein Unterschied!

Die Problematik bei den meisten Aussagen, wo es um das Leben mit Konsequenzen geht, sehe ich also gar nicht in der Aussage, dass Kinder zwangsläufig damit umgehen müssen das es diese gibt. Sondern viel mehr in der Definition von eben diesen.

“Matilda, wenn du die Sandburg von Paul kaputt machst, dann bekommst du kein Eis mehr!”
Solche und ähnliche Sätze hört man immer wieder. Die Tatsache, dass das besagtes Kind dann kein Eis mehr bekommt wird als Konsequenz ausgegeben.
Es ist aber keine.
Es ist schlicht und ergreifend eine Strafe. Eine von der Erziehungsperson willkürlich gewählte Reaktion auf unerwünschtes Verhalten. Ein Anreiz für das Kind, sich an gesellschaftliche Gepflogenheiten an zu passen oder “brav” zu sein.
(Das ganze funktioniert natürlich auch in die andere Richtung. “Wenn du heute keine Sandburgen auf dem Spielplatz kaputt machst, dann bekommst du hinterher ein Eis”. Das ist nichts anderes.)

Die “echte” Konsequenz daraus, dass Matilda die Sandburg von Paul kaputt macht wäre zum Beispiel, dass Paul dann nicht mehr mit Matilda spielen will. Und seien wir ehrlich, wenn wir uns an unsre eigenen Kindheit zurückerinnern, dann wissen wir wie sehr es “schmerzt” wenn sich Freunde/Spielkameraden abwenden. Diese Konsequenz wäre also völlig ausreichend. Und auch an dieser Stelle wäre es an uns als Eltern unser Kind dann in der Trauer zu begleiten und sogar Impulse zu geben, wie man den Zwiespalt lösen kann.

Schizophrenes Verhalten der Eltern

Ich bin zugegebener maßen noch nicht so lange in der Elternszene unterwegs. Bisher hat sich aber eine, wie ich finde schizophrene Sache abgezeichnet.
Oft sind es genau jene Eltern, die mit aller Macht versuchen natürliche, echte Konsequenzen von ihrem Kind fern zu halten, die andersherum dann Strafen bestimmen, welche als Konsequenzen ausgegeben werden.
Hierzu möchte ich ein Beispiel liefern was ich selbst erlebt habe:

Das Pubertier hat einen erhöhten Schlafbedarf. Und ohne hier jetzt eine Diskussion über die fragwürdige Uhrzeit zu starten, zu der die Schule beginnt möchte ich von einem solchen Langschläfer berichten.
Dieses Pubertier, war auch mit allen Weckern der Welt nicht in der Lage, pünktlich auf zu stehen und zur Schule zu fahren.
Die Eltern verzweifelten mehr und mehr. Aber anstatt es einfach zu spät kommen zu lassen und so die “echte” Konsequenz daraus erleben zu lassen (bitte auch keine Diskussion über fragwürdige Strafen in der schule) , haben die Eltern das Pubertier immer rechtzeitig noch aus dem Bett geschmissen, und im Zweifel mit dem Auto schnell noch zur Schule gefahren. So konnte es ja nicht gehen. Das Verschlafen brauchte Konsequenzen, also bekam das Pubertier 1 Woche Hausarrest und 2 Wochen Computer sowie TV verbot.
Das Ergebnis war ein erbostes Pubertier, was auf die Eltern schimpfte wie ein Rohrspatz. Was aber nicht passierte, war dass das eigene (Fehl-)Verhalten reflektiert und überdacht wurde.

Diese Anekdote möchte ich gern so stehen lassen.
Einfach als kleinen Anreiz zum Nachdenken.