Schule, ein für viele verhasster Ort – Aber es gibt Alternativen zum Regel Schulsystem

Anna ist Lehrerin und lebt mit ihren Kindern bedürfnisorientiert. Das und auch die Tatsache, dass Schule für sie selbst nie ein besonders positiver Ort war, treiben sie nun an andere Wege zu gehen. Genauer gesagt plant Sie eine freie alternative Schule in Mardorf am Steinhuder Meer. Ich freue mich sehr, dass sie bereit war einen Gastartikel über die Alternative zum Regel Schulsystem zu schreiben.

 

Schule – wie sie sein sollte

Morgens zu einem Ort fahren und in Ruhe ankommen. Freunde treffen und Spaß haben, miteinander spielen und lachen. Zeit haben für die Dinge, die mich interessieren und die mir wichtig sind. Lernen, was ich will und wann ich es will. Mich geborgen und wertgeschätzt fühlen.

Das System geht gegen das natürliche lernen der Kinder : welche Alternative zur Regelschulen gibt es?

Meine Erfahrungen

Bei diesen Sätzen denkt man bei diesem Ort nicht sofort an den Ort Schule. Ein Ausflug zu Freunden, in den Kindergarten oder eventuell noch zum Job, der mir viel Freude bereitet – aber Schule? Schule war für mich immer ein Zwang. Anfangs ging ich gerne hin, doch die Lust habe ich spätestens nach den ersten schlechten Noten und dem zunehmenden Leistungsdruck verloren. Trotzdem habe ich mich bis zum Abitur durchgeschlagen, habe sogar mein Hassfach Mathe studiert und bin nun Lehrerin. Wieder gefangen in dem System, in dem ich mich doch eigentlich so unwohl gefühlt habe. Das Referendariat war eher stressig als lernfördernd, aus dem ich mehr krank als geistreich heraus gegangen bin.

 

Wie komme ich zur Gründung einer alternativen Schule?

Bei uns in der Nähe gibt es eine freie Schule, die ich schon immer sehr interessant fand. Meine beste Freundin- damals schon Mutter- und ich haben uns viel über das Bildungssystem unterhalten und für sie war schnell klar, dass sie ihr Kind nicht an eine Regelschule geben wird. Anfangs habe ich sie belächelt, denn wie soll es denn funktionieren, dass die Kinder selbst entscheiden, wann sie was lernen wollen? Wie soll denn aus denen mal etwas werden?

Dann kam ich an eine neue Schule – größere Klassen, größeres Kollegium, das erste Mal volle Stundenzahl und eine eigene Klasse. Es hat sich toll angefühlt und gleichzeitig so schrecklich. Der Druck des Lehrplans, die Bedürfnisse der Kinder und ich mittendrin. Ich wollte den Kindern doch nur eine schöne Schulzeit bereiten –  anders als ich sie hatte. Doch ich musste spüren, dass in unserem System etwas nicht richtig läuft.

Eine freie Alternative Schule gründen.

Das System geht gegen die Kinder

William Sears schreibt in einem Buch über bedürfnisstarke Kinder: „Später wird dieses Kind genauso eine Herausforderung für seine Lehrer und Lehrerinnen sein. Oft wird es als hyperaktives oder lernbehindertes Kind abgestempelt; seine Bedürfnisse lassen sich einfach schlecht mit dem Spielbetrieb vereinbaren.“ Viele in meinem Beruf sind mehr damit beschäftigt irgendwelche Diagnosen und Förderpläne zu schreiben, statt sich den eigentlichen Bedürfnissen des Kindes zu widmen. Und es ist egal, ob es ein Kind mit starken Bedürfnissen ist oder nicht –  alle kommen zu kurz. Wir haben zu wenig Lehrer –  dann setzen wir doch einfach die Klassenfrequenz nach oben. Ich frage mich immer wieder, wer sich so etwas ausdenkt.

Meine Freundin und ich haben dann vor etwa 2 Jahren beschlossen eine eigene freie Schule für unsere Kinder zu gründen. Damals war ich noch keine Mutter. Doch seitdem ich meinen Sohn habe, der sehr bedürfnisstark ist, liegt mir diese Gründung noch mehr am Herzen. Nach vielem hin und her sind wir nun so weit, dass wir nächstes Jahr zum Schuljahr 2019/20 die Türen öffnen werden.

 

Aber wie konnte es so weit kommen, dass man sich eine eigene Schule gründen muss?

Momentan herrscht in Deutschland ein regelrechter Boom an Gründungsinitiativen für freie Schulen, an denen ein freies, selbstbestimmtes Lernen ermöglicht wird. Immer mehr Eltern suchen eine Alternative.

Hirnforscher wie Gerald Hüther haben herausgefunden, dass sich im Hirn nur etwas verändert, wenn das Gelernte unter die Haut geht. Man muss sich dafür interessieren. In etwa 10 Jahren wird es Berufe geben, von denen wir 80% noch nicht einmal kennen. Wie soll die Schule, wie sie heute noch funktioniert, unsere Kinder darauf optimal vorbereiten? Die Gesellschaft ist momentan in einem Wandel und das ist auch mehr als gut so. Immer mehr Eltern entscheiden sich für eine bedürfnisorientierte „Erziehung“, weg von gehorsam. Wenn wir uns mal anschauen, dass es mittlerweile Berufe wie „Blogger“, „You-Tuber“ oder „Influencer“ gibt, ist es doch total klar, dass wir keine Pflichterfüller mehr brauchen, wir brauchen Menschen mit einer eigenen Kreativität.

 

Schulgründung, wie geht das?

Eine freie Schule zu gründen ist viel einfacher, als man im ersten Moment denkt. Wenn ihr auch eine Alternative für eure Kinder sucht und es in eurer Nähe keine freie Schule gibt, dann schließt euch zusammen. Es gibt mittlerweile viele Menschen, die bei der Gründung unterstützen. Ein ganz toller Mann ist Christoph Schuhmann, der bei YouTube den Kanal „Schools of Trust“ verwaltet. Dort findet man sogar Videos, in denen die einzelnen Schritte bis zur Gründung einer eigenständigen Schule erklärt werden. Immer mehr Menschen ziehen auch um oder schließen sich einer Lebensgemeinschaft an.

 

Wie es für mich weiter geht…

Wir gründen unsere Schule in Mardorf, am Steinhuder Meer in der Region Hannover. Ihr könnt auch gern Kontakt zu uns aufnehmen, wenn ihr weitere Informationen haben möchtet.

Unsere Website findet ihr Hier  

Und die Facebookpräsenz Hier

Wie mein beruflicher Weg weiter geht, weiß ich noch nicht. Erstmal möchte ich noch eine Weile an einer Regelschule arbeiten, allerdings bin ich wieder an einer kleineren Schule. Ich möchte noch ein paar Seelen retten und versuchen etwas zu verändern. Denn auch an Regelschulen kann es anders laufen. Es bedeutet nur mehr Arbeit und da haben leider viele Menschen Angst vor. Unsere Gesellschaft ist noch im Wandel und so lange sich der Wandel vollzieht, ist es gut, dass die Eltern eine Wahl haben, an welche Schule sie ihre Kinder schicken. Denn entscheidet man sich dafür sein Kind an eine freie Schule zu schicken, dann muss man da auch voll hinter stehen. Das bedeutet, dass mein Kind eventuell erst mit 10 lesen kann oder erst dann beginnt zu rechnen. Das kann auch bedeuten, dass es nach 10 Jahren Schule sagt, dass es keine Lust auf einen Abschluss hat (der in meinen Augen sowieso noch viel zu überbewertet wird). Man muss seinem Kind vertrauen und es seinen Weg gehen lassen und einfach da sein, wenn man gebraucht wird. Aber wenn wir alle mal an unsere Schulzeit zurück denken, so glaube ich, dass die Mehrheit von uns sich wünschen würde, mehr Freiheiten, mehr Selbstbestimmung und mehr Spaß am Lernen gehabt zu haben.

 

 

 

 

 

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