Tandemstillen mit Baby und Kleinkind – Ja das geht!

Tandemstillen – “Mama, nich Baby dillen, mein Brust!”, klingt es noch in meinem Ohr. Nein, das Stillen von Kleinkind und Baby ist nicht immer leicht und unproblematisch. Aber trotzdem so schön und bereichernd. Und vor allem – ja es ist möglich ohne jemandem zu schaden. Über das Stillen in der Schwangerschaft habe ich bereits hier berichtet. Heute also weiter im Takt.

 

Trinkt der nicht das Kolostrum weg?

Die wohl häufigste Frage die mich erreicht, wenn ich erkläre das ich nun beide Kinder stille und den großen nicht wie alle erwarteten abgestillt habe.

Das Kolostrum, im Volksmund auch Vormilch ist eine sehr gehaltvolle Milch mit vielen wichtigen Stoffen für das Immunsystem und den Darm des Babys. Daher wird auch Müttern die ihr Baby mit der Flasche füttern wollen geraten, zumindest das Kolostrum Ihrem Kind zukommen zu lassen. Nach 2-4 Tagen folgt dann den Milcheinschuss mit der “normalen” Muttermilch. Da Kolostrum immer nur einige Tropfen pro Mahlzeit sind, die das Baby mit allem versorgen was es braucht, besteht der Irrglaube es würde nur in einer geringen Menge produziert. Das stimmt allerdings nicht. Kolostrum wird für einen geringen Zeitraum, in diesem aber stetig, produziert. Das heißt, hier besteht beim gleichzeitigen Stillen von Baby und Kleinkind besteht nicht die Gefahr, dass das Baby kein (oder nicht genug) Kolostrum bekommt.

Wichtig ist in dieser ersten Zeit, wo die Milch noch nicht in Strömen fließt, aber dennoch darauf zu achten, dass das Baby Vorrang hat. Es wäre blöd, wenn das Kleinkind beide Brüste   trinkt, das Baby gleich danach Hunger bekommt und hart für seine Milch “arbeiten” muss. Anders rum ist da also die bessere Alternative.

 

Hat jeder seine Brust?

Das kommt darauf an, was für das jeweilige Stilltrio funktioniert. Theoretisch ist das möglich, der Clou ist, dass die Brüste so sogar in der Zusammensetzung verschiedenen Milch  produzieren können. Daher finde ich das besonders spannend. Für uns funktioniert das System leider nicht mehr. Der Bär stillt manchmal alle 30 Minuten für 2 Züge, dann wieder 10 Stunden gar nicht und am Abend zum einschlafen trinkt er sicher um die 150 ml und regt damit die Produktion wieder richtig an. Meine Brust wurde gefühlt quasi platzen, wenn ich nicht in der nächsten lange Stillpause das Igelchen dort trinken lassen würde.

Alternstiv könnte ich natürlich dann auch pumpen oder ausstreichen, aber so wichtig ist mir die Brusttrennung dann nicht, das ich dafür nachts abpumpen gehe.

 

Ist teilen ein Problem?

Nein, für den Bären ist es völlig in Ordnung, dass sein kleiner Bruder auch stillt. Wir haben das schon in der Schwangerschaft erklärt, und er hat sich “seine” Brust ausgesucht, und die andere seinem Bruder überlassen. Selbst wenn das Baby nun an “seiner” Brust trinkt, ist das für ihn kein Problem. Einzig wenn er dann auch – also zeitgleich- stillen will und das mit meiner Kleidung oder aufgrund meiner Position nicht möglich ist wird er traurig und wütend. Dann soll der Bruder weg, weil es seine Brust wäre. Dafür habe ich aber absolutes Verständnis und versuche solche Situationen einfach zu vermeiden.

 

In der Nacht

Horrorszenario – beide Kinder kommen alle 3 Stunden und nie zur gleichen Zeit. Ich gebe zu, das würde ich nicht aushalten. Auch der Bär möchte nun nachts wieder stillen, statt der Pülli und weil es für mich verständlich und okay ist, haben wir alle das nächtliche Abstillen einfach wieder verdrängt.

Positiv ist, dass der Bär nachts wenn überhaupt aufwacht und stillen möchte weil ich seinen Bruder eh grade stille, oder er sogar bis etwa 5 eh durch schläft und erst dann noch mal zum weiter schlafen stillt. Daher ist der Ablauf da recht unproblematisch und ich bin nicht mehr müde, als ich es mit voll gestilltem baby eh wäre.

 

Einschlafbegleitung

Zwei von drei Wochen arbeitet der Herzmann zur Bettgehzeit. Aufteilen bei der Kinderbetreuung ist also nicht. Wenn er doch mal da ist, begleite ich den Bären in den Schlaf , während Papa und das Igelchen auf dem Sofa  kuscheln. Ist das Igelchen grade mal ablege bereit (quasi nie), dann bleibt er allein auf dem Sofa während ich den Bären ins Bett bringe. Trifft weder das eine, noch das andere zu, gehen beide mit mir ins Bett. Ich liege auf der Seite, der Bär mir gegenüber, der Igel auf einem Kissen halb auf ihm. So können beide zeitgleich stillen (einer unten einer oben) und es ist bei der aktuellen Größe die praktischste Lösung.

Wenn das Igelchen größer und schwerer wird, werden wir eine Alternative finden müssen. Tips hierzu nehme ich gern an. Aktuell schwebt mit eine halb sitzende Position vor mit einem Kind links und einem rechts im Arm. Ich bin gespannt wie es dann letztlich wird.

 

Tandemstillen- wie geht das und was gibt es zu beachten?

 

Stillregeln? Gibt es sowas ?

Nur eine: ist einer Krank werden die Brüste dann doch strikt getrennt – damit sie sich nicht im Kreis anstecken. Alles andere ist nicht nötig.

Frauen, die nicht so viel Milch haben, sollten aber auch hier bedenken, das gesichert sein muss, dass das Baby immer genug Milch bekommt. Ist das bei willkürlichem jeder Zeit stillen nicht sicher oder nicht möglich, sollte über Regeln nachgedacht werden. Zum Beispiel kann das sein, dass das Kleinkind nur in der Stunde nach dem das Baby gestillt hat auch trinken darf. Oder dass das Baby beide Brüste stillt und das Kleinkind immer nur eine. Aber auch das ist wieder eine sehr individuelle und situations abhängige Entscheidung.

 

Tandemstillen als Bereicherung

Für den kleinen Bären, der plötzlich schon so groß wirkt, obwohl er doch in wirkichkeit noch so klein ist, ist es schwer genug. Mama und Papa haben entschieden ein Baby zu bekommen und er muss nun damit zwangsläufig leben. Plötzlich muss er die beiden Hauptbezugspersonen mit diesem kleinen Menschen teilen… das ist hart.

Das Stillen uns Familienbett machen es etwas leichter. Ja, er muss nun all dies teilen, aber nichts davon quasi abgeben. Er ist nicht mehr alleine klein, aber mit jemandem zusammen. Keiner zwingt ihn “schon groß” zu sein, wenn er das nicht möchte. Und gibt ihm die gleiche Nähe, die auch das Baby bekommt. Ein Grund für Eifersucht gibt es also eher nicht.

Auch wenn es nicht immer der leichteste Weg ist, so ist es für uns der richtige. Und ich bin froh das wir ihn so gehen. Ich freue mich, wenn ich anderen mit dem Artikel den Mut machen kann, sich auch ans Tandemstillen zu wagen.

 

 

 

 

 

 

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