Über Indianer und warum Attachment Parenting nur der Grundstein ist

Jean Liedloff reiste als junge Studentin Mitte der 50er Anfang der 60er Jahre nach Venezuela und führte Expeditionen bei den Yequana Indianern durch. Dies war ein indigenes Volk was noch völlig ohne die Einflüsse der westlichen Welt lebte. Hier wurden Babys das komplette erste Jahr am Körper getragen, nach bedarf gestillt und aus heutiger Sicht komplett „Bedürfnisorientiert“ begleitet. Für die junge Studentin aus New York eine völlig neue Art zu leben. Denn hier waren die Ursprünge, die eigentliche Sicht auf Kinder, auf Babys längst in Vergessenheit geraten. Sie erzählte Freundinnen von diese Art zu leben und mit Babys um zu gehen und riet Ihnen das zu probieren. Für viele war es eine Art Offenbarung und fühlte sich erstaunlich gut an. Nach 5 Reisen veröffentlichte sie im Jahr 1975 das Buch „the continuum concept“ , was 1980 dann unter dem Namen Auf der Suche nach dem verlorenen Glück auch in Deutschland auf den Markt kam. Der dritte und letzte Teil meiner Artikel Reihe. Wenn ihr mögt lest gern erst den ersten und zweiten Artikel.

Ferber vs Sears

Kurz nach der Veröffentlichung des Buchs im englisch sprachigen Raum begann aber Herr Ferber, Kinderarzt, das genaue Gegenteil zu propagieren. Kinder schreien und alleine liegen lassen, denn nur so „lernen“ sie schlafen. Die Gesellschaft war , und ist noch heute so gestrickt, dass den Halbgöttern in weiß beinah alles geglaubt wird, so also auch dem Herrn Ferber. Dies wiederum nötigte Herrn Sears, seines Zeichens ebenfalls Kinderarzt ebenfalls in die Offensive zu gehen. Er begann bei seinen Patienten sowie öffentlich das Attachment Parenting (im Folgenden AP) zu propagieren und bekannt zu machen. Sich gegen Ferber und seine Aussagen zur Wehr zu setzen. Das erste AP Konzept basierte auf den „5 Baby B“. Das waren: Breastfeeding (stillen), Babywearing (tragen), Bedsharing (Familienbetten), Belive of Baby cry’s (vertrauen dass das Baby etwas benötigt wenn es weint), Beware of Baby Training (nicht versuchen dem Baby etwas an oder ab zu trainieren) . Später wurden zwei weitere Baby B dem Konzept hinzugefügt. Unter anderem, damit es nicht in der Selbstaufgabe der Mutter endet (wie es heute leider wieder so oft dargestellt wird). Diese beiden Baby B sind: birth bonding ( die Verbindung direkt nach der Geburt) und Balance&Borders (Balance halten und eigene Grenzen wahrnehmen und wahren). 2001 veröffentlichte er dann mit seiner Frau zusammen The attachement parenting book , was dem heute gelebten Attachement Parenting zu Grunde liegt.

Attachment Parenting bildet somit den Grundstein.

Das Buch gibt uns eine Haltung, ein Vertrauen unseren Babys und Kindern gegenüber an die Hand. Es beinhaltet keine explizite Handlungsanweisungen wie ich als Mutter, wie wir als Eltern mit unseren Kindern über das Babyalter hinaus umgehen sollen. AP ist der Impuls unsere Kinder als vollwertige Menschen zu betrachten. Als Menschen die zwar noch kleiner und jünger sind und die Konsequenzen, die Tragweite, ihrer Handlungen (in vielen Fällen) noch nicht überblicken können. Aber sehr wohl um ihre Bedürfnisse und Wünsche wissen. Die Wissen was sie brauchen, egal ob Essen, Trinken, Nähe oder Schlaf.

Wir als Eltern tragen die Verantwortung den Part zu übernehmen, den unsere Kinder entwicklungspsychologisch noch nicht tragen können. Den Rahmen zu schaffen, dass sie sich frei entfalten und aufwachsen können. Ohne von uns permanent in feste Regeln und Formen gezwängt zu werden.  Mit Erwartungen kleingehalten zu werden oder an Strafen zu zerbrechen. Sondern viel mehr mit Kommunikation und dem Leben von Beziehung, von zwischen menschlichem. Eben individuelle Grenzen aufrecht zu erhalten, so dass ALLER Bedürfnisse (Eltern und Kinder gleichermaßen) gleichwürdige Beachtung erfahren und nach Möglichkeit erfüllt werden.