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Familie

Wie schaffe ich ruhige(re) Abende mit Babys und Kindern

ruhigere Abende gestalten

Die sagen umwobenen Dreimonatskoliken sind oftmals gar keine Koliken. Es ist viel mehr eine sogenannte Schreistunde. Ein verarbeiten von vielen Eindrücken und den Erlebnissen am Tag. Je nach dem wie sensibel unsere Kinder darauf reagieren, sind auch dann eben die vermeintlichen Koliken ausgeprägt. Da gibt es die, die völlig in sich ruhen und von denen jegliche Erlebnisse nur so abperlen. Aber eben auch solche, die alles etwas zu sehr wahr nehmen. Laut, bunt, hektisch. Die auch auf Stress und Stimmungen empfindlich reagieren.
Mit diesen Kindern sehen wir uns dann abends in der Trage auf dem Pezziball hüpfen, den Kinderwagen ewige Runden durch den Garten schieben, oder einige Kilometer mit dem Auto abreißen. Und auch wenn sie älter sind, finden sie am Abends einfach nicht zur ruhe, schmeißen sich wild im Bett umher, zappeln, reden, stehen wieder auf.

Unsere Sensibelchen machen die Abende oft zur Zerreißprobe. Es kostet nach dem langen Tag Kraft, Nerven und vor allem auch unsere Erholung.
Nicht selten, wind wir verzweifelt und wissen nicht weiter. Können das Weinen und die Unruhe kaum ertragen. Vielleicht haben wir schon manches Mal überlegt das Kind doch einfach, wie es leider noch immer oft geraten wird, allein im Bett weinen zu lassen – oder hatten schlimmere Vorstellungen.
In diesem Artikel möchte ich euch helfen, Wege zu finden, die eure Abende ruhiger werden lassen. Und euch entlasten. 

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Warum bin ich so furchtbar wütend?

Zu erst möchte ich hierbei das Augenmerk auf dich lenken.
Das Kind weint und es scheint egal was wir tun, es wird einfach nicht besser.
Wir werden wütend.

Kindliches weinen ist ein Stressor. Er löst in unserem Gehirn ganz plump gesagt Stress aus. Grundsätzlich ist das richtig und wichtig, denn wir sollen ja regieren wenn unser Baby weint. Viel mehr noch müssen wir es – es ist eine Überlebenssicherung.
In solchen untröstlichen Situationen aber, ist das kontra produktiv.
Wir haben Stress und können diesem nicht entrinnen.
Dieser Stress und die Tatsache, dass wir ihn, egal was wir probieren nicht verringert bekommen macht uns wütend. Es macht uns rasend.
Und dann werden wir zu allem Überfluss auch noch wütend auf uns selbst, weil wir wegen des Weinens so wütend sind und es nicht besser ertragen.
Hier hilft es mir tatsächlich sehr zu wissen: die Wut kommt nicht vom weinen, es ist der Stress.

Was in vielen Fällen noch dazu kommt ist der Faktor, dass es uns selbst nicht gut geht. Wir sind vielleicht müde, hungrig, durstig, ausgelaugt. Und dann stehen wir da mit unserem unruhigen Kind, reißen uns sprichwörtlich ein Bein aus aber nichts hilft. Aber wie es uns geht, das interessiert niemanden.
” Ich mache so viel, aber nichts reicht dir. Aber was mit mir ist, meine wenigen Bedürfnisse nicht mal die werden erfüllt!”
Schnell sind diese Gedanken im Kopf. Aber an dieser Stelle muss ich dringend “Stopp!” rufen.
Mama achte auf dich. Mama sorge für dich.
Für die Erfüllung deiner Bedürfnisse kannst nur du selbst verantwortlich sein. Und ja, werden diese nicht erfüllt, gehen wir auf dem Zahnfleisch. Was letztlich darunter leidet ist die Beziehung zu unserem Kind. Dies kann nicht die Verantwortung dafür tragen, ob oder das es uns Eltern gut geht.

— Get in your Mind: (Sensible) Kinder sind wahre Gefühlsbarometer. Sie spiegeln uns völlig unbewusst und je unausgeglichener und gestresster wir selbst sind, desto mehr werden sie es auch. Vielleicht ist die Problematik ja schon damit behoben, dass wir Eltern besser für uns sorgen.

Von Eltern für Eltern – Strategien für ruhigere Abende

In den kommenden Absätzen möchte ich euch basierend auf gesammelten Erfahrungen von verschiedenen Eltern und meinem Wissen Strategien vermitteln, die euch und eurem Kind ruhigere und entspanntere Abende bescheren können.
Es gibt hierbei keine Garantie, dass jede Strategie bei jedem Kind hilft. Viel mehr müsst ihr testen und gucken, welche Wege für euch funktionieren.
Allein aber das Wissen darum, dass wir etwas tun können gibt uns Eltern oft Kraft, die kommenden Tage mit den kommenden Abenden zu meistern.

Ich habe mich entschieden, das Ganze der Übersichtlichkeit halber nach Alter der Kinder zu staffeln. Das hat zwar zu Folge, dass sich die ein oder Andere Sache wiederholt. Aber so spart ihr als Eltern (wertvolle) Zeit und könnt euch direkt raus suchen, was für euch von Interesse ist.

tagesgestaltung für ruhigere abende

Ruhigere Abende für alle Altersstufen

  • Feste Routinen helfen vielen Kindern sich im Tagesablauf besser zurecht zu finden.
  • Neue Dinge eher am Vormittag ausprobieren, so bleibt der Rest des Tages noch, um darüber zu sprechen und/oder Dinge schon mal etwas zu verarbeiten.
  • Nähe gibt den Kindern Sicherheit und Geborgenheit, egal ob es nur das Kuscheln oder auch schon gemeinsames darüber Reden ist. Es hilft beim Verarbeiten enorm und wir können unsere Kinder co-regulieren.
  • Dunkelheit und eben möglichst wenig Reize helfen dem Köper von Aktion auf Entspannung um zu stellen. Grade Dunkelheit signalisiert auch einfach, dass es Zeit zum Schlafen ist. Grade im Sommer ist es für viele Kinder problematisch zur Ruhe zu kommen, weil es so lange hell ist. Rollos helfen hier sehr. Auch blaues Licht von PC, Tablet oder TV gaukelt dem Körper falsches Tageslicht vor und wirkt daher kontraproduktiv.
  • Wir Menschen haben immer mal wieder sogenannte Schlaffenster, das sind Zeiträume, wo es uns leicht fällt in den Schlaf zu finden. Wir können das bei uns selbst gut merken und uns danach richten. Babys und kleine Kinder können das oft noch nicht so. Sie sind darauf angewiesen, dass WIR dieses Fenster erkennen und dann für Ruhe und eine Schlafbrücke sorgen. (Mehr dazu lest ihr auch hier)
  • Wenig/Keine Hintergrundgeräusche. Permanentes Gedudel von Radio und co ist meist eher störend, auch wenn dies nicht bewusst so wahrgenommen wird.
  • Genug qualitativ hochwertige, “echte” Zeit miteinander. Sind die Akkus diesbezüglich nämlich nicht gefüllt, versuchen Kinder sich diese Zeit oft abends noch schnell zu holen.
  • Da sein. Bei den kleinen noch körperlich, bei älteren reicht es dann manchmal schon nur eben im Background zu sein. So dass eurer Kind weis, das ihr da seid und es euch jederzeit als Ansprechpartner hat, falls etwas ist.
  • Frische Luft. Je mehr wir draußen in der Natur sind, desto ausgeglichener sind wir. So geht es Kindern und Erwachsenen gleichermaßen. Frische Luft, Gerüche und Geräusche der Natur steigern dan Wohlbefinden und entspannen uns. So kommen wir auch am Abend besser zur Ruhe.

Ruhigere Abende: Tagesgestaltung für Babys von 0-12 Monate

  • Tagsüber viel Tragen, dass füllt die Speicher für Nähe, Liebe und Geborgenheit, außerdem schirmt es vor vielen Reizen ab und schon erlebtes kann besser verarbeitet werden.
  • Abendliches Baden macht müde und entspannt. (Achtung! Bei manchen Babys wirkt es genau anders herum)
  • Massage mit einem Mandelöl eventuell mit leichter Lavendelnote kann sehr entspannend wirken. Bitte immer für ausreichend Wärme sorgen und mit der Haarwuchsrichtung arbeiten (entgegen wirkt eher belebend).
  • Im dunklen im Bett liegend stillen ist oft fast ein Garant fürs zur Ruhe kommen. Hunger, Nähe, Liebe, Saugen, Sicherheit … es werden so viele Bedürfnisse auf ein mal gestillt. (Mit der Flasche kann das genau so klappen.)
  • Tragen, egal ob nur zum Beruhigen oder zum einschlafen. Nah an Mama/Papa, eng und schaukelnd wie im Bauch – hilft fast immer.


Ruhigere Abende: Tagesgestaltung für Kleinkinder von 12-36 Monate

  • Vorlesen und Bilderbücher anschauen, im optimal Fall dabei kuscheln. So kommen die Gemüter besser zur Ruhe. Entscheidet euch daher auch für Geschichten die eher ruhig und nicht zu spannend sind.
  • Ruhigere Spiele (vor allem am Nachmittag (Tuschen, Puzzlen, Malen, Basteln, Steckspiele…)
  • Gemeinsam den Tag Revue passieren lassen. In diesem Alter primär als Elternteil zusammenfassen, was den Tag über alles erlebt wurde.
  • Emotionen müssen (aus-)gelebt werden. Geschieht das nicht, kann es sein, dass aufgestaute Emotionen abends unruhe verursachen. Wir sollten also Wutausbrüche, Trauer und co nicht runter reden sondern begleiten. Wenn Kinder nach der Betreuung mit gestauten Emotionen heim kommen, kann es helfen einen Ausbruch zu provozieren und dann entsprechend zu begleiten.
  • Tragen, egal ob nur zum Beruhigen oder zum einschlafen. Nah an Mama/Papa, eng und schaukelnd wie im Bauch – hilft fast immer.
  • Druck positiv abbauen, noch mal richtig Toben, spielen, hüpfen, kissen werfen…

Ruhigere Abende: Tagesgestaltung für Kinder von 3-5 Jahre

  • Entspannungs oder Meditationshörspiele für Kinder helfen zur Ruhe zu kommen beziehungsweise eine ruhigere Atmosphäre zu schaffen.
  • Gemeinsam den Tag Revue passieren lassen. Das Kind kann den Tag noch mal zusammenfassen und noch mal Fragen stellen oder Sorgen äußern.
  • Massagen in kind gerechter Form. Wir können auf dem Rücken Pizza backen oder verscheidenenes Wetter mit unseren Händen darstellen. Eventuell auch (leichte) Tiere malen und erraten lassen.
  • Druck positiv abbauen, noch mal richtig Toben, spielen, hüpfen, kissen werfen…


Wenn ihr gar nicht mehr weiter wisst …

… dann schaut ob es bei euch in der Nähe eine Schlafberatung vom Artgerecht Projekt oder 1001 Kindernacht gibt. Diese haben eine spezielle Ausbildung gemacht um euch zu helfen, eure Kinder so zu begleiten, dass die Abende ruhig(er) werden und ihr sie besser in den Schlaf begleiten könnt. Dabei werden bei diesen, anders als bei anderen Schlafberatern immer die Bedürfnisse der Kinder geachtet.
Hier zwischen Barsighausen und Seelze wäre eure Ansprechpartnerin zum Beispiel Susann Glemnitz.


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