Wir können nicht aus unserer Haut. – Oder wie unsere Erziehung unser Denken (und Handeln) prägt.

Was sagt man?“ und „Wie heißt das Zauberwort?“ sind Sätze, die ich niemals nutzen möchte. Bitte versteht mich an dieser Stelle nicht falsch. Natürlich möchte ich ein höfliches Kind großziehen. Aber auch ein ehrliches. Und vor allem möchte ich nicht an meinem Kind rum erziehen.  Am Besten trifft es da wohl die Aussage von Jesper Juul :“The best way to raise a nice Child is to be a nice adult!“ Da habt ihr’s! Vorleben ist das Zauberwort. Erziehung im klassischen Sinne ist nicht nötig.

Aber mal im Ernst, stell dir vor du kommst morgen… oder nächste Woche zu mir zu Besuch. Ich schenke dir ein Glas Wasser ein und von dir kommt keine Reaktion. (Kann dir nicht passieren? Abgelenkt, in Gedanken, im Gespräch… wer weiß) Meine Konsequenz daraus ist dann die Frage :“was sagt man ?“ , wie würdest du dir da vorkommen und vor allem wie würdest du dich fühlen ? Ganz davon abgesehen finde ich, dass ein ehrlicher Dank so unendlich viel mehr wert ist, als ein anerzogener.

SOWEIT DIE GRUNDLAGE

Nun sind wir heute im Schwimmbad gewesen. Ich immer noch in meiner grundsätzlichen Überzeugung, welche ich eingangs erläutert habe. Der kleine Bär war mit Papa im Babybecken und hat dort mit Sandförmchen gespielt. Ich saß am Rand und habe grade etwas getrunken.

Das Babybecken war geteilt durch eine kleine Mauer, auf der anderen Seite spielte ein etwa 6 jähriger Junge. Mein kleiner Bär beobachtete ihn immer wieder, bis er ihm schließlich eins seiner Sandförmchen über die Mauer gab. Es war eine tolle Geste und ich war im ersten Moment super stolz auf diesen kleinen Jungen den ich da hatte.

Dieser Stolz hielt etwa 3 Sekunden, nämlich genau so lang wie das Sandförmchen beim 5-6 Jährigen in der Hand war. Dann schleuderte er es griesgrämig über die Mauer zurück zu meinem Jungen. Und ich war, ja, irgendwie entsetzt über diese Ignoranz gegenüber der netten Geste.

Alles weil ich es so kennen gelernt habe.

Nun dürft ihr 3 mal raten welcher Satz in meinem Kopf fest saß?!

Richtig! Es war ein „Da sagt man aber wenigstens mal Danke. Wenn man es nicht möchte kann man es immer noch weg legen“. Schon etwa 30 Sekunden später war mir klar, das dieser Gedanke in allem meiner eigenen Überzeugung wiedersprach… zum einen das „man sagt: macht/ tut xyz …“ und zum Anderen ein Danke zu erwarten wo es doch so offensichtlich gelogen gewesen wäre.

Das dieser Gedanke, dieser Satz auf meine eigene Erziehung zurück zu führen ist, dass ist wohl ein offenes Geheimnis.

Ich selbst wurde „geformt“ und weiß sehr genau was „man“ so alles macht – oder eben auch nicht. Diese Erziehung ist einfach so tief und fest in mir verwurzelt, dass sie meine erste, spontane Reaktion auf ein Verhalten ist. Ganz gleich ob ich mich aber bewusst entscheiden habe sie so nicht weiter zu leben was den Umgang mit meinem Sohn und anderen Kindern betrifft.

Wir können trotzdem ausbrechen

Ich möchte euch damit sagen, dass es sicher oft nicht einfach ist, aus erlernten Verhaltensweisen auszubrechen. Aber definitiv möglich. Das wir es nur wollen müssen. Und unser Handeln und unsere Gedanken daraufhin überprüfen sollten, wer oder was da grade aus uns spricht. Das war wir, wirklich und aufrichtig für gut halten. Oder das was uns (als gesellschaftliche Norm) anerzogen wurde.