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FamilieSchwangerschaft

Wochenbett – wenn da schon ein Kind ist …

Das Wochenbett beim zweiten Kind verliert nicht seine Magie, aber birgt ganz andere Herausforderungen. Ich berichte euch heute über meine Wochenbettpläne und Erfahrungen. 

 

Planen kann man immer viel …

Der Herzmann geht ab der Geburt in Elterbzeit für 1 Monat. Das stand quasi mit dem positiven Test fest, denn wie soll das sonst Zuhause funktionieren? – Das ist aber dann auch schon so ziemlich das einzige was in der Umsetzung auch so funktioniert hat.

Mein Plan 2 Wochen im Bett zu verbringen war direkt am ersten Tag null und nichtig. Der Bär brauchte MINDESTENS meine Anwesenheit in den Wohnräumen.

Dass wir kaum selbst kochen müssen… scheiterte an Zeit und Bereitschaft der Familie. Von Hilfe im Haushalt ganz zu schweigen. Aber bei beidem hat sich der Mann eingebracht so gut er konnte. Letztlich habe ich nur die Wäsche angeschaltet und zusammengelegt. Alles anderen hat er gemacht.

Und auch der Bär hat leider entgegen der Vorstellung wenig Zeit und Unternehmungen mit anderen gehabt, sondern musste mit Papa vorlieb nehmen. Im Ergebnis blieb vor allem ein ziemlich ausgelasteter Mann, der festgestellt hat, dass man bei den ganzen Aufgaben erstaunlich wenig Zeit für sich hat.

 

Aber wie ist es nun so – also mit den Kindern?

Ich kann an dieser Stelle nun ein rosa rotes Bild vom Wochenbett zeichnen. Von dem Bären, der nach unserem heim kommen sofort seinen Bruder im Arm hielt. Von sanften Küssen auf die Stirn, von helfen beim umziehen, Baden und Bauch massieren. Davon das Spielzeug verschenkt und  Essen abgegeben wird. Und natürlich vom kuscheln im Familienbett und dem gleichzeitigen Stillen.

Und nichts davon wäre gelogen! 

Aber ich hätte eben einfach andere Dinge unterschlagen… und das wäre nicht ehrlich. Also erzähle ich euch lieber alles.

 

Das frühe Wochenbett

Der kleine Bär war von Beginn an ein stolzer und insgesamt liebevoller großer Bruder. Mit dem typischen Temperament und Feingefühl. Das heißt, dass er zwar sehr sehr lieb sein wollte, dabei aber trotzdem so heftig und ungeschickt gehandelt hat, dass es für den kleinen Igel potentiell gefährlich wurde. Also war dauerhafte „hab acht“ Stellung angesagt. Sonst landete nach dem Kuscheln dann doch noch der Fuß im Gesicht.

Mit Eifersucht hatten wir absolut keine Probleme. Aber er Bär wollte plötzlich grundsätzlich immer auch stillen wenn es das Igelchen tat. Also ständig! – Allerdings hat sich das nach einigen Tagen von selbst einigermaßen wieder eingependelt.

Die wohl größten Probleme lagen in anderen Bereichen. Zum einen war das der Verlust der Tagesstruktur. Das heißt unseren vielen Aktivitäten und die ganze durch geplante Woche wich nun viel Zeit zuhause. Die Gründe waren vielfältig – einige Termine sind nicht Papa tauglich, die Omas waren im Urlaub und wieder andere Dinge wollte er nicht mit Papa machen. Und so war da schnell ein unausgelastetes Kleinkind was im wahrsten Sinne des Wortes über Tische und Bänke ging. Da half auch der tägliche Spaziergang nicht mehr.

Zum Anderen war ein großes Problem, dass Mama nicht so kann. Völlig ohne da einen Bezug zum Baby her zu stelllen, war es einfach eine riesen Sauerei das Mama nur Bücher mit anschaut, aber nicht mit spielt, raus geht, tobt und so weiter. Und das obwohl Mama ja sonst im Alltag Hauptansprechpartner ist. Das brachte dann natürlich eine gewisse Frustration mit sich, die in der Kombination mit der mangelnden Auslastung eine TNT ähnliche Mischung ergab. Und letztlich auch zu auf dem Boden geschmissenem Spielzeug führte (z.b), was wir eigentlich gar nicht von ihm kennen.

Und für Mama?

Meine Gefühle fuhren Achterbahn. Das Igelchen weg zu legen war für mich quasi undenkbar, gleichzeitig tat mir der Bär leid, der so auf mich verzichten musste was teilweise fast zu einer kleinen Wut führte auf das Baby. A la “Du bist schuld das mein Großer leidet” – aber nicht mal in diesen Momenten hätte ich auf die Nähe verzichten können.

Immer wieder gab es auch bei mir Situationen in denen mir einfach die Tränen kamen. Ich hatte das Gefühl niemandem gerecht zu werden. Nicht den Kindern (keinem von beiden), nicht dem Alltag und Haushalt (was ja auch völlig absurd wäre), nicht meinem Mann (der da wirklich keine Beschwerde hatte…) und nicht mir selbst, weil ich statt Ruhe nur mentalen Stress hatte, zumindest gefühlt. – Gleichzeitig gab es dann wieder diese Momente: mein Mann mit beiden Jungs in der  Trage/auf dem Arm, der Bär mit dem Igelchen im Arm auf dem Sofa oder im Bett, ein zartwr Kuss fürs Baby wenn der Große dann ins Bett ging ; die mein Herz vor lauter liebe und Zufriedenheit schier explodieren ließen.

 

Nach den ersten 14 Tagen…

…wurde es merklich besser. Mein Mann hatte ein Verständnis für die nötige Auslastung entwickelt und der Bär akzeptierte ihn als Ersatz für Mama.

Gleichzeitig würde ich wieder mobiler, und beteiligte mich wieder mehr am Alltag. Wenn das Igelchen morgens im Bett noch länger schlief gab es sogar absolute exklusiv Zeit.

Für mich ist es weiter schwer… ich mache schon wieder viel mehr als ich wollte, einfach weil ich merke, dass es unserer Familiendynamik gut tut. (Und die anderweitige Unterstützung eher fehlt.) Diese Art Wut auf das Igelchen gibt es nicht mehr… ist im Nachhinein betrachtet auch Schwachsinn, schließlich bin nur ich als erwachsene für die Qualität der Beziehung zu meinen Kindern verantwortlich. Gleichzeitig schwanke ich noch immer zwischen dem Gefühl einem von beiden „zu wenig“ zu geben. Mal ist es das schlechte Gewissen, dass der Bär mit Papa etwas machen muss – dann wieder das doofe Gefühl, dass der Igel so viel alleine liegt. Dazu kommt meine Sorge, wie das alles wird, wenn der Herzmann bald wieder arbeitet. – Und trotzdem ist da die Zuversicht, dass wir das schaffen. Der Blick auf den Bären, der so ein stolzer Bruder ist. Die Worte im Ohr, wie er sagt dass das Baby mit muss, wenn wir wo hin wollen. Und diese unendliche Liebe für meine Familie.

 

Insgesamt ist das Wochenbett eine sehr emotionale Zeit und vor allem wirklich eine Zeit in der man sich als Familie neu finden und sortieren muss. Ich denke nicht, dass wir ein wirklich ungewöhnlich anstrengendes oder kompliziertes Wochenbett erleben. (Höchstens ein bisschen, weil der Bär nicht fremdbetreut wird.) Viel mehr denke ich, das die schwierigen Aspekte oft verschwiegen oder gar für sich selbst ausgeblendet werden. Oder es eben sehr schwarz gemalt wird- und positives wie kuscheln und co in den Hintergrund gerät. Daher war es mir besonders wichtig, hier authentisch und zeitnah zu berichten, damit nicht zu vieles in Vergessenheit gerät.

Wochenbett mit zwei Kindern - ein Erfahrungsbericht

 

 

 

 

 

 

 

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3 comments
  1. Fräulein Wunderbar

    Hei du! Das klingt fantastisch und ehrlich! Ich habe nur ein Kind. Wünsche mir aber 3 oder 4 😅 und mache mir immer wieder Gedanken zum Wochenbett. Man bekommt ja auch bei Freundinnen ein bisschen was mit.
    Ich finds gut, dass du auch von den negativ und wirklich unsinnigen Gefühlen berichtet hastm das nimmt den Druck raus. Ich merke so oft, dass sich Mamas so für ihre Gedanken hassen/schlecht fühlen. Das sollten sie/wir aber nicht ☺
    Berichte dieser Art stärken und genen Kraft und Mut!
    Danke dafür & deine Offenheit

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